Frankfurt - Es war nicht so, dass sich die Spieler von Eintracht Frankfurt vorher abgesprochen hätten. Aber mit dem Wort "verhext" kommentierten zunächst Torhüter Ralf Fährmann, dann Mittelfeldstratege Pirmin Schwegler und schließlich Angreifer Ioannis Amanatidis die bittere 0:2-Heiniederlage gegen den VfB Stuttgart am Sonntagabend

Die Frankfurter konnten die Verzweiflung über ihre epische Abschlussschwäche nach 30:11 Torschüssen nur noch schwer ertragen. "Ich weiß, es kann keiner mehr hören: Aber wir müssen weitermachen, dann werden wir schon bald wieder belohnt", sagte Innenverteidiger Maik Franz.

"Ein Mal in zehn Jahren"

Mit einem Mann mehr - der Stuttgarter Kapitän Matthieu Delpierre hatte nach 15 Minuten wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte gesehen - erspielte sich die Eintracht Torchancen fast im Minutentakt. Doch im Abschluss fehlte das Glück.

Die Frankfurter vergaben eine Anzahl von Torchancen, die bei Ausnutzung für Siege in vier Spielen gereicht hätte. "So ein Spiel verlierst du normalerweise ein Mal in zehn Jahren", haderte Ionannis Amanatidis. Wenn nicht ein Bein oder ein anderes Körperteil verschiedener VfB-Profis dem Eintracht-Torjubel im Weg stand, trafen die Frankfurter entweder den Pfosten, schossen knapp vorbei oder scheiterten am sehr guten VfB-Torwart Sven Ulreich.

Siebtes Spiel ohne eigenen Treffer

Auch Torjäger Theofanis Gekas, in der Hinrunde mit 14 Treffern noch Toregarant der Eintracht, scheiterte gegen den VfB mehrfach in aussichtsreicher Situation. "Wir dürfen auf diese Leistung aufbauen und müssen auch im Ausnutzen der Torchancen einfach Mal Glück haben", fordert Eintracht-Trainer Michael Skibbe: "In der Hinrunde hätten wir aus diesen Chancen bestimmt fünf Tore gemacht", glaubt der Trainer.

Trotz der Leistungssteigerung sprang am Ende aber wieder nichts Zählbares heraus. Zum siebten Mal hintereinander blieben die Hessen ohne eigenes Tor, der Punktevorsprung vor der Abstiegszone aus der Hinrunde schrumpft von Spieltag zu Spieltag. Die Hessen liegen nur noch drei Punkte vor dem 1. FC Kaiserslautern, der auf Relegationsrang 16 steht und nächsten Samstag in Frankfurt antritt.

Trainingslager vor Kaiserslautern-Spiel

Vor dieser richtungsweisenden Partie ordnete Eintracht-Trainer Skibbe von Dienstag bis Donnerstag ein Trainingslager an einem geheimen Ort an. Skibbe will viel mit den Spielern reden. Im Training sollen Torschuss und Torabschluss im Vordergrund stehen. "Ich werde in dieser Woche die Treffer herbeireden", sagt Skibbe. Im Tor der Eintracht wird wieder Ralf Fährmann stehen, der den verletzten Stammtorhüter Oka Nikolov vertritt.

Mut könnte den Spielern machen, dass die Fans sie nach der Partie gegen Stuttgart mit Applaus in die Kabine verabschiedet haben. "Das war gut, wir brauchen die Fans, der Zusammenhalt ist da", sagt Pirmin Schwegler. Schon vergangene Woche hatte die Mannschaft sich ausgesprochen und zusammen das Europa-League-Spiel der Stuttgarter gegen Lissabon angeschaut. "Die Mannschaft hat Willen gezeigt, wir werden irgendwann auch wieder das Glück im Abschluss haben", sagt Ionannis Amanatidis.

Tobias Schächter