Arminia Bielefelds Trainer Michael Frontzeck weiß, worauf es in der Bundesliga ankommt. Der ehemalige Profi stand in 436 Spielen seinen Mann und erzielte dabei 37 Treffer für seine Clubs.

Im Interview mit bundesliga.de äußert sich der DSC-Trainer zum Stand der Saisonvorbereitung und dem Anpassungsprozess der Neuzugänge.

bundesliga.de: Herr Frontzeck, Sie sind mit ihrem Team ja schon am 23. Juni in die Vorbereitung zur neuen Saison gestartet und befinden sich momentan im zweiten Trainingslager der Vorbereitung. Eine lange Vorlaufzeit, oder?

Michael Frontzeck: Wir haben deshalb so früh begonnen, weil wir in der vergangenen Saison nach dem letzten Spiel gegen den VfB Stuttgart einen langen Urlaub von etwa fünf Wochen hatten. Manche Bundesligisten machen nach Saisonende noch ein paar Spiele und gehen dann in Urlaub, um die folgende Vorbereitung nicht zu lang werden zu lassen. Wir haben in den vergangenen Wochen viel Grundlagenausdauer betrieben und jetzt die Möglichkeit, gezielt an vielen Dingen zu arbeiten. Nach gut drei Wochen Training bin ich mit dem Stand der Vorbereitung sehr zufrieden.

bundesliga.de: Wie ist denn die Stimmung der Mannschaft in der momentanen Phase?

Frontzeck: Die Stimmung ist ausgezeichnet und meine Mannschaft freut sich auf jede Einheit. Was mich besonders freut ist, dass fast jeder Spieler den kompletten Umfang der Vorbereitung mitmachen konnte und wir bisher kaum mit Verletzungen zu kämpfen haben. Bis auf den am Knie operierten Andre Mijatovic sind alle Mann an Bord.

bundesliga.de: Sie haben in Ihrer aktiven Zeit auch einige Trainingslager mitmachen dürfen. Haben Sie Mitleid mit Ihren Spielern bei den momentanen Strapazen, die eine Vorbereitung mit sich bringt?

Frontzeck: Mein Ziel ist es, dass wir topfit in die Saison gehen und auch über die gesamte Spielzeit konditionell gut aufgestellt sind. Von daher kam es mir recht, dass wir eine Woche früher angefangen haben, als die meisten Bundesligisten. Aber es ist auch nicht so, dass ich meine Spieler bewusstlos aus dem Wald tragen müsste. Wir trainieren mit Sinn und Verstand. Im Übrigen habe ich zu meiner Profizeit immer gerne trainiert und einen solchen Eindruck habe ich auch von meiner Mannschaft.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie Ihren Trainingsaufwand, im Vergleich zu manch anderen Bundesligisten?

Frontzeck: Einige Vereine arbeiten mittlerweile mit hochentwickelten Trainingsmethoden, die enorme Kosten mit sich bringen. Wir legen Wert auf Laktattests und belasten anhand dessen die Akteure individuell. Wichtig ist, dass eine Entwicklung bei den Spielern zu erkennen ist. Man muss die Spieler an ihre Grenzen und kurzzeitig auch darüber hinaus bringen, aber die Belastung auch rechtzeitig wieder herunterfahren.

bundesliga.de: Die Arminia hat in der bisherigen Vorbereitung einige deutliche Siege einfahren können. Sind Sie mit der momentanen Form ihrer Truppe zufrieden?

Frontzeck: Wir haben in diesen Spielen viel gewechselt, sodass jeder zu seinen Einsatzzeiten kam. Mir ist wichtig, dass die Belastungen der Spieler möglichst gleichmäßig verteilt sind. In den Tests haben wir viele Tore erzielt und ordentlich kombiniert. Für den momentanen Zeitpunkt präsentieren wir uns gut. Trotz der Müdigkeit ist eine Spielfreudigkeit zu erkennen und ich bin froh, wenn wir die Spiele verletzungsfrei hinter uns bringen.

bundesliga.de: In diesem Sommer haben Sie Ihren Kader punktuell verstärkt: Michael Lamey wurde für die rechte Außenverteidigerposition geholt. Nico Herzig übernimmt nach den Abgängen von Matthias Langkamp und Petr Gabriel eine Stelle in der Abwehr und Berat Sadik ist ein aufstrebender finnischer Spieler, der kürzlich sein Länderspieldebüt gefeiert hat. Ist Bielefeld für die kommende Saison gerüstet?

Frontzeck: Definitiv. Die Mannschaft, die in den letzten drei Monaten der vergangenen Saison dafür sorgte, die Klasse zu sichern, ist komplett zusammen geblieben. Dazu hat sich das Team weiterentwickelt. Wir haben einige junge Spieler, da ist noch Luft nach oben. Die Verstärkungen werden uns weiter nach vorne bringen und es wird auch noch ein Spieler dazu kommen.

bundesliga.de: Klingt so, als hätten Sie schon einen bestimmten Spieler im Kopf. Können Sie sagen, um wen es sich dabei handelt?

Frontzeck: Wir haben einen Spieler im Auge, aber es ist derzeit noch zu früh, Genaueres zu sagen. In den nächsten Tagen werden wir uns konkret zu diesem Thema äußern.

bundesliga.de: Welche Clubs sehen Sie denn als direkte Konkurrenten in der kommenden Saison?

Frontzeck: Andere Vereine interessieren mich zurzeit wenig. Wir schauen nur auf uns. Mit diesem Motto sind wir in der letzten Saison sehr gut gefahren. Gerade in Zeiten, in denen das Team mit dem Rücken zur Wand stand, war es richtig, sich auf die eigene Stärke zu fokussieren und an sich zu glauben. Welche Clubs konkret unten dabei sein werden, wird man sehen. Wichtig ist, dass wir unser Ziel erreichen, alles andere zählt für uns nicht.

bundesliga.de: Eine letzte Frage zum Stand der Dinge in Sachen Kapitänsfrage. Haben Sie schon einen Nachfolger für den abgewanderten Mathias Hain ernannt?

Frontzeck: Nein. Ich werde den neuen Kapitän in den nächsten Tagen ernennen. Ich habe mich auch schon festgelegt, wer die Arminia in der kommenden Runde auf das Feld führen wird und werde es in Kürze bekannt machen.

Das Interview führte Florian Bruchhäuser