Bayer Leverkusen hat durch einen 2:0-Sieg im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln die Tabellenspitze der Bundesliga zumindest bis Sonntagabend übernommen.

Dabei hat Bayer wie schon beim 2:0 in Frankfurt ihren Hurra-Stil des Saisonbeginns etwas abgelegt.

Stattdessen fährt die Truppe von Trainer Bruno Labbadia ihre Dreier mit eher zweckmäßigem Ergebnisfußball ein.

Lektion gelernt

Die Mannschaft hat die Lektion aus den unglücklichen Niederlagen gegen Dortmund, Hamburg und Hertha gelernt.

"Wir haben uns den Platz an der Spitze durch harte Arbeit verdient", bekräftigt Bayers Nationaltorwart Rene Adler im Interview. "Es zeichnet eine gute Mannschaft aus, Geduld zu haben und dann die wenigen Chancen des Spiels eiskalt zu nutzen."

Frage: Welchen Stellenwert hatte das Derby gegen den 1. FC Köln für Sie persönlich?

Rene Adler: Ich bin jetzt seit acht Jahren in Leverkusen. Da hat das Spiel einen etwas anderen Stellenwert. Es war kein so wichtiges Spiel, von dem die ganze Saison abhängt, aber ein sehr wichtiges Spiel.

Frage: Bayer Leverkusen hat nicht so gut gespielt und trotzdem gewonnen. Vorher war es oft umgekehrt. Bayer hat nach starken Vorstellungen Punkte liegen gelassen. Ist es gut, wenn man auch mit einer durchschnittlichen Leistung drei Punkte holt?

Adler: Ich fand, wir haben gut gespielt. Es war klar, dass es schwer wird gegen einen tief stehenden FC. Das haben sie gut gemacht. Es zeichnet eine gute Mannschaft aus, Geduld zu haben und dann die wenigen Chancen des Spiels eiskalt zu nutzen. Wir haben die Messlatte mit unseren bisherigen Spielen sehr, sehr hoch gehängt. Jeder will jetzt von uns in jedem Spiel Zauberfußball sehen. Das geht aber nicht in der Bundesliga. 2:0 zu gewinnen gegen einen gut spielenden FC, das ist nicht so schlecht.

Frage: Ist die Tabellenführung jetzt nur eine Momentaufnahme? Oder wollen Sie sich oben festbeißen? Die Verantwortlichen blocken noch etwas ab und sprechen vom UEFA-Cup.

Adler: Natürlich bleibt der UEFA-Cup bzw. das internationale Geschäft unser primäres Ziel. Aber wenn man sich die Spiele anschaut, die wir in dieser Saison gespielt haben, dann denke ich, dass wir zurecht da oben stehen. Wir haben gegen Dortmund unglücklich verloren, haben gegen Hertha nach einem spielerisch sehr, sehr guten Spiel 0:1 verloren und haben gar nichts mitgenommen. Ich denke, wir stehen zurecht da oben, weil wir uns den Platz an der Spitze durch harte Arbeit verdient haben.

Frage: Kann Bayer bis zum Ende oben bleiben?

Adler: Wie gesagt, die Schiene, die die Verantwortlichen fahren, ist die richtige. Wir denken da von Spiel zu Spiel. Wir sind eine junge Mannschaft in einem schwierigen Jahr mit Stadionumbau. Im Winter kommt der Umzug nach Düsseldorf. Das ist alles nicht ganz so einfach. Wir trainieren jede Woche hart auf das Event Bundesliga-Spiel am Wochenende hin. Momentan läuft es sehr gut. Aber die Entwicklung unserer Mannschaft ist noch lange nicht abgeschlossen. Das primäre Ziel bleibt das internationale Geschäft. Wenn wir uns da oben festbeißen, ist das sehr realistisch.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski