Gelsenkirchen - Fünf Spiele lang konnte Johannes Geis aufgrund seiner Sperre nur zuschauen, fünf Mal gelang dem FC Schalke 04 kein Sieg. Jetzt ist der 21-Jährige wieder zurück  - und prompt lenkte er seine Mannschaft zum 3:1-Erfolg über Hannover 96.

Im Spiel brachte Geis Schalke per Elfmetertor auf die Siegerstraße, danach sprach er im Interview über Verantwortung und Druck, Nähe zu den Fans und die Ziele für letzten Spiele dieses Jahres.

Frage: Johannes Geis, Sie haben Ihr Comeback gleich mit einem Tor gekrönt. Besser geht es kaum, oder?

Johannes Geis: Das Wichtigste ist, dass wir die drei Punkte haben. Dass ich mit einem Tor helfen konnte, ist natürlich umso schöner. Aber dass wir den Bock umgestoßen haben, dass zählt. Das war auch unser Ziel. Für mich selbst war es in den letzten Wochen hart, der Mannschaft so lange nicht helfen zu können und nicht auf dem Platz zu stehen. Aber diese Zeit ist jetzt endlich vorbei.

"Einfach geil, was unsere Fans gemacht haben"

Frage: Und Schalke hat wieder einen, der die Elfmeter auch verwandelt.

Geis: Ach, wir haben genug Spieler, die das können. Vielleicht hatten sie zuletzt nicht immer das nötige Glück.  Aber wenn mich jemand einteilt, dann ist es auch meine Verantwortung, den Elfmeter mit meiner Schusstechnik auch zu machen. So konnte ich der Mannschaft in diesem Spiel den Dosenöffner geben.

Frage: Hat die Mannschaft nach zuletzt fünf Bundesliga-Spielen ohne Sieg den Druck gespürt?

Geis: Klar! Hätten wir wieder nicht gewonnen, hätten wir langsam den Anschluss verloren. Der Druck war da. Der Druck ist immer da, wenn du fünf Spiele nicht gewonnen hast. Aber wir spüren auch von unseren Fans und auch innerhalb der Mannschaft, dass wir gefestigt sind. Jeder steht hinter jedem.

Frage: Hat die große Choreographie der Fans vor dem Anpfiff auch Rückenwind gegeben?

Geis: Es ist einfach geil, was unsere Fans da gemacht haben. So eine Choreo vor dem Anpfiff, das gibt es fast nirgendwo sonst in der Bundesliga. Das hat uns nochmal gepusht. Und wir wollten dann auch rausgehen und den Fans etwas zurückgeben.

Frage: Nach dem Abpfiff hat die Mannschaft dann auf der Tribüne minutenlang mit den Fans zusammen gefeiert. Haben Sie so etwas schon mal erlebt?

Geis: Ich habe in Mainz schon einiges erlebt. Aber Schalke ist mit seinen Fans nochmal etwas ganz Besonderes. Die Fans hier geben immer Gas. Dass wir dann nach einem Sieg zu ihnen hoch gehen, die Nähe suchen und ihnen etwas zurückgeben, das ist wichtig für Schalke. Wir haben nach dem Abpfiff spontan gesagt, lasst uns alle hochgehen und uns für die Unterstützung bedanken. Die Fans sollen sehen, dass wir auch für sie da sind.

"Jetzt haben wir den Bock umgestoßen"

Frage: Geht es jetzt nach diesem Sieg mit neuem Selbstvertrauen in die letzten drei Aufgaben dieses Jahres? Oder wie empfinden Sie zurzeit die Stimmung auf Schalke?

Geis: Die Stimmung ist gut, aber das war sie auch schon vor diesem Spiel. Wir haben zuletzt zwar nicht immer die Ergebnisse erzielt, die wir hätten holen müssen. Aber wir haben ordentlich gespielt, haben gut gekämpft und hatten wie gegen Leverkusen manchmal einfach auch viel Pech. Jetzt haben wir den Bock umgestoßen und sind alle zufrieden und glücklich. Aber wir wissen natürlich auch, dass wir jetzt in der Europa League den Gruppensieg perfekt machen und dann auch in der Bundesliga weiter gewinnen müssen. Dazu müssen wir weiter hart arbeiten. Aber das fällt jetzt auf jeden Fall leichter als nach einer Niederlage.

Frage: Sie haben den Gruppensieg angesprochen – Schalke wird am Donnerstag in Tripolis voll gefordert sein und kann personell nicht einfach mal durchwechseln.

Geis: Tripolis ist eine Mannschaft, die vor allem vor den eigenen Fans schwer zu bespielen ist. Das habe ich mit Mainz in der letzten Saison selbst erlebt. Aber egal, wer spielt – bei uns gibt es keine zweite Reihe. Da kann jeder für jeden einspringen. Und egal, wer auf dem Platz steht, wir müssen dieses Spiel gewinnen. Wir müssen auch in einen Flow kommen. Wenn wir auch am Donnerstag erfolgreich sind, dann hätten wir zwei Siege in Folge und das wäre sicher gut fürs Selbstvertrauen.

Frage: Halten Sie noch drei Siege bis zum Jahresende für realistisch?

Geis: Wir sind Schalke! Natürlich müssen wir Gas geben, weil es in Tripolis nicht einfach wird und dann am Wochenende in Augsburg sicher auch nicht. Aber es sollte unser Anspruch sein, einen guten Jahresabschluss zu haben. Holen wir da das Maximum raus, können wir alle zufrieden sein. Und wenn wir uns als Mannschaft so das Selbstvertrauen holen wie gegen Hannover, dann muss uns erstmal einer klar und deutlich schlagen.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte