Die Bayern-Profis wandten sich im noblen Hotel-Ballsaal nach dem höchsten Champions-League-Erfolg schon den Leckereien zu, als Karl-Heinz Rummenigge zum Mikrofon griff.

"Wir haben eine wunderbare Antwort auf das Krisengerede gegeben, sollten aber jetzt nicht zu euphorisch werden", mahnte der Vorstandsvorsitzende nach dem 5:0 (1:0)-Sieg bei Sporting Lissabon. Am Sonntag in Bremen gelte es nachzulegen, forderte Rummenigge weiter.

Denkwürdiger Abend

Den mahnenden Worten war ein denkwürdiger Abend vorausgegangen. Nie zuvor hatten die erfolgsverwöhnten Münchner in der "Königsklasse" so hoch gewonnen. Überhaupt erst viermal war ihnen im Europapokal auf fremdem Platz ein 5:0 geglückt.

Rummenigge würdigte den "wunderbaren Tag, den wir uns gar nicht erträumen konnten" und ein "historisches Ereignis". Die Münchner gehören auf dem Papier zu den acht besten Mannschaften des Kontinents, doch trotz des festlichen Rahmens machte sich keine Partystimmung breit.

Das lag zum einen an der Art und Weise, wie der Sieg zustande kam. Die Bayern präsentierten sich lange fahrig und ideenlos, Hoeneß nannte das Team "angeschlagen und nervös".

Glück war im Spiel

Lissabon hätte bereits in Führung liegen müssen, als Franck Ribery seine Teamkollegen nach 42 schwachen Minuten mit dem 0:1 erlöste. "Wir hatten in der ein oder anderen Situation auch Glück", sagte Klinsmann.

Das 0:2 durch Miroslav Klose aus Abseitsposition brach Sporting das Genick (57.). Ribery (Foulelfmeter/62.) und Luca Toni (84./90.) erledigte gegen wehrlose Portugiesen den Rest. Präsident Franz Beckenbauer ist noch etwas skeptisch: "Die Mannschaft hat in dieser Saison schon viele Gesichter gezeigt, sodass man sich nicht traut, eine Prognose abzugeben."

Dass kein Mitglied der Bayern-Delegation feierte, lag aber auch daran, dass die Situation in der Liga bei vier Punkten Rückstand auf die Spitze ungemütlich und der Druck konstant bleibt. "Kaiser" Beckenbauer meinte, "dass der Trainer die Note 1 verdient hat", und Hoeneß beeilte sich zu betonen, dass es "nie Diskussionen um Jürgen Klinsmann gab".

Tabelle in der Kabine

Tatsächlich spielten die Bayern kompakter, auf überhastete Pässe in die Spitze verzichteten sie beinahe ganz. "Wir haben sehr eng zusammengestanden, so muss das in Zukunft auch sein", sagte Philipp Lahm.

Wie Rummenigge forderte auch Klinsmann, dass sich sein Team "sehr zielbewusst und sachlich auf das Spiel in Bremen vorbereitet. Wir sollten bescheiden bleiben. Für unsere Sorglosigkeit sind wir schon häufiger bestraft worden". Um seine Europapokal-Helden für Bremen zu motivieren, hat er einen einfachen Kniff. "Ich muss nur die Tabelle in der Kabine aufhängen, dann wissen alle, was los ist."