Mit einem 3:0-Heimsieg gegen Hannover 96 schoss sich der FC Schalke 04 an die Tabellenspitze. Trotz des Fehlens einer Reihe von Stammspielern überzeugten die "Königsblauen" bei der Saisonpremiere in der ausverkauften Veltins-Arena.

Nationalstürmer Kevin Kuranyi zeigte nicht nur wegen seines "Doppelpacks" eine starke Vorstellung. Im Interview freute sich der 26-Jährige über den gelungenen Saisonstart und seine eigene Leistung.

Frage: Herzlichen Glückwunsch, Kevin Kuranyi. 3:0 gewonnen, Sie waren doppelter Torschütze. Trotz der kurzen Vorbereitung sind sie rechtzeitig fit geworden.

Kevin Kuranyi: Ich freue mich, dass wir als Mannschaft ein gutes Spiel gezeigt haben. Ich habe zwei Tore geschossen. Das tut mir auch gut. Es war ein sehr schönes Spiel, wir haben einen guten Fußball gespielt. Wir haben sehr gut kombiniert, viele Torchancen herausgespielt. Darüber können wir uns freuen, aber wir dürfen uns auch nicht zu früh freuen. Es war erst ein Spiel.

Frage: Wie wichtig ist ein Erfolgserlebnis zum Saisonstart?

Kuranyi: Es ist wichtig, dass wir einen guten Start hingelegt haben. Wir haben uns selber gezeigt, dass wir stark genug sind, um oben mitzuspielen. Wir haben einen neuen Trainer und eine neue Spielphilosophie. Und wir werden versuchen, sie durchzusetzen. Das braucht ein bisschen Zeit. Es hat schon ganz gut geklappt. Ich hoffe, dass wir so weiter machen und das Niveau halten können.

Frage: Schalke hat praktisch ohne Neuzugänge mit der Truppe aus der letzten Saison gespielt, noch dazu ohne Manuel Neuer, Mladen Krstajic und Rafinha. Wo ist der Unterschied zur Vorsaison, warum hat Schalke einen so schönen Fußball gespielt?

Kuranyi: Wir sind als Mannschaft gut aufgetreten. Wir haben die Spieler gut ersetzt, die nicht dabei waren oder verletzt sind. Einer war für den anderen da. Natürlich ist es schade, dass wir so viele Verletzte haben. Aber das war jetzt die Gelegenheit für einige Spieler, die noch sauer waren, weil sie gegen Atletico nicht zum Einsatz kamen. Das haben sie heute sehr gut getan. Und das ist wichtig bei einer Mannschaft. Wir haben ein gemeinsames Ziel und versuchen, es gemeinsam zu erreichen.

Frage: Die Tore sind alle nach Standardsituationen gefallen. Auch die kommenden Gegner werden sich oft hinten reinstellen. Dann sind Standardsituationen ein probates Mittel?

Kuranyi: Auf jeden Fall sind sie ein sehr gutes Mittel. Wir haben sehr gute Schützen und viele Spieler, die kopfballstark sind. Das könnte uns in der Saison noch sehr helfen. Es wird nicht immer über Standards gehen, aber so kann es gerne weitergehen.

Frage: Sie haben selbst zwei Tore erzielt. Man hat Ihnen die kurze Saisonvorbereitung nicht angemerkt.

Kuranyi: Wenn man zwei Tore schießt, ist es natürlich einfach zu sagen, man ist schon voll da. So schnell geht das mit nur drei Wochen Vorbereitung noch nicht. Ich freue mich, dass ich trotz der kurzen Vorbereitung schon so gut drauf bin.

Frage: Wie sehen Sie Ihre Chancen beim Länderspiel am Mittwoch gegen Belgien von Anfang an zu spielen?

Kuranyi: Ich habe keine Ahnung. Man will immer spielen, das ist klar. Der Trainer wird sich das Gesamtbild anschauen. Vielleicht ist es wichtiger, die Kräfte zu sparen und erst in den nächsten Spielen topfit zu sein.

Frage: Ist es für Sie ein Ansporn, in dieser Saison Ihren persönlichen Torrekord von 15 Treffern zu brechen?

Kuranyi: Dafür ist es noch ein bisschen früh. Wir haben jetzt ein Spiel gespielt, ich habe zwei Tore gemacht. Das ist schön. Aber jetzt erstmal langsam.

Frage: Haben Sie jetzt nach den vielen Verletzungen der letzten Wochen im Mannschaftskader ein flaues Gefühl? Da darf jetzt angesichts der nächsten schweren Gegner Bremen in der Bundesliga und Atletico Madrid in der Champions-League-Qualifikation nicht mehr viel passieren.

Kuranyi: Wir müssen jetzt die Euphorie der ersten Spiele bremsen und uns auf das sehr, sehr wichtige Spiel gegen Bremen konzentrieren. Ich hoffe, dass die Mannschaft gut drauf ist und dass wir die Spieler, die fehlen, so gut wie möglich ersetzen können. Wir haben eine gute erste Woche mit drei Siegen hinter uns. Das gibt uns Sicherheit. So muss es weitergehen.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski