Der Hamburger SV setzt seine Achterbahnfahrt in der Bundesliga fort. Nach einem energischen Zwischenspurt und dem Sprung an die Tabellenspitze vor zwei Wochen verloren die Hanseaten die beiden vergangenen Punktspiele. Die Folge: Der HSV rutschte auf Platz 5 zurück.

Es war eine ganz bittere Lektion für den HSV. Durch die happige 1:4-Pleite bei Borussia Mönchengladbach, das vor der Begegnung auf dem letzten Tabellenplatz stand, hat das Team von Trainer Martin Jol den Anschluss nach ganz oben vorerst verloren. Vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Hertha BSC stehen zu Buche.

Nicht nur nach oben schauen

"Diese Niederlage hat gezeigt, dass wir nicht nur nach oben schauen sollten, sondern auch auf die Teams hinter uns achten müssen", warnte Mladen Petric noch in den Katakomben des Borussia-Parks. "Sonst stehen wir am Ende noch mit leeren Händen da."

Die Mahnung des Stürmers, der in Gladbach seinen zehnten Saisontreffer markierte, ist durchaus berechtigt. Auch vor einem Jahr hatten sich die Hamburger in drei Wettbewerben aussichtsreich im Rennen befunden. Doch innerhalb weniger Tage folgten das Aus in Pokal und UEFA-Cup. Und auch in der Bundesliga ging der Endspurt mit nur zwei Siegen in den letzten zehn Spielen daneben, die Champions-League-Qualifikation wurde mit Rang 4 knapp verpasst.

Dreifachbelastung zu hoch?

Diese Geschichte soll sich nicht wiederholen. Doch die Gefahr besteht, dass der HSV der hohen Belastung auf drei Hochzeiten erneut Tribut zollen muss. Auch wenn HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer das nicht als Begründung für die schwache Vorstellung in Mönchengladbach gelten lässt.

"Wir wissen, dass wir eine unglaublich hohe Belastung haben", sagte Beiersdorfer. "Aber das sind Ausreden. Wenn wir den Anspruch haben, oben mitzuspielen, müssen wir in so einem Spiel dann mit einem 1:1 oder 2:2 nach Hause fahren. Das haben wir nicht geschafft. Da hat uns auch die mentale Stärke gefehlt. Und wir hatten nicht den Spirit, die Kampfkraft und die Kompaktheit in der Mannschaft, um hier ein Ergebnis zu holen."

Boateng: "Nicht über die Meisterschaft quatschen"

Auch Trainer Martin Jol stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Dramatisieren wollte er die Niederlage gegen die starke Borussia aber nicht. "Wir sind halt noch nicht perfekt, werden aber in unserer Entwicklung weitere positive Schritte machen", sagte der 53-jährige Niederländer. "Nach dem Spiel kann man sagen, dass wir nicht auf drei Hochzeiten tanzen können. Aber wir sind immer noch froh, dass wir dabei sind und noch viel erreichen können."

Jetzt ist eine Reaktion der Mannschaft gefordert, die in dieser Saison immer wieder gezeigt hat, dass sie dazu in der Lage ist. "Wir müssen schnell wieder aufstehen", fordert Abwehrspieler Jerome Boateng. "Wir sind noch in allen drei Wettbewerben. Es ist also noch alles möglich. Wir sollten aber ruhig bleiben und nicht über die Meisterschaft quatschen."

DFB-Pokal Nordderby gegen Werder

Dafür war die Leistung in Mönchengladbach auch ganz einfach zu schlecht. "Mit solchen Fehlern verliert man auch gegen einen Viertligisten", kritisierte Kapitän David Jarolim. "Wir haben ein sehr schweres Programm, wahnsinnig viele Spiele. Da muss man dann cleverer spielen. Ich hoffe, dass wir uns gegen Galatasaray am Donnerstag wieder Selbstvertrauen holen."

Eine gute Nachricht gab es für die Hamburger am späten Samstagabend dann aber doch noch. Das Los bescherte dem "Bundesliga-Dino" ein Heimspiel im Halbfinale des DFB-Pokals. Am 21. oder 22. April gastiert Werder Bremen in der HSH Nordbank Arena.

"Wollen ins Finale nach Berlin!"

"Wir freuen uns über ein Heimspiel. Ein Nordderby gegen Werder Bremen ist natürlich zusätzlich eine tolle Sache für unsere Fans", freute sich Sportchef Dietmar Beiersdorfer. "Es wird sicher eine spannende und intensive Begegnung. Klar ist, dass wir ins Finale nach Berlin wollen."

Bei der Heimstärke des HSV stehen die Chancen also nicht schlecht, dass die Hamburger mindestens auf dieser Hochzeit bis zum Ende tanzen werden.

Tobias Gonscherowski