Hamburg - Beim Hamburger SV ist nach einer erfolgreichen Woche mit sieben Punkten in drei Spielen sportlich wieder Ruhe eingekehrt. Die Hanseaten haben sich bereits bis auf Platz 10 hochgearbeitet und fahren nun selbstbewusst zum Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth.

Vor der Partie bei dem Verein, bei dem er einst Profi wurde, spricht HSV-Kapitän Heiko Westermann im Interview mit bundesliga.de über die positive Entwicklung, die neuen Stars und die Perspektiven des Bundesliga-Dinos.

bundesliga.de: Herr Westermann, wie gut haben Sie die Feierlichkeiten zum 125. Jubiläum des Hamburger SV überstanden? Wie hat Ihnen die Feier gefallen?

Heiko Westermann: Ich habe sie gut überstanden. Wir hatten im Anschluss ja auch zwei Tage frei. Es war ein großer Tag, nicht nur für den Verein, sondern auch für jeden, der dabei war. Was im Stadion von den Fans mit der Choreo und später auch auf der Gala mit allen Größen der HSV-Geschichte aufgefahren wurde, war einzigartig. Ich denke, wir können alle sehr stolz darauf sein, bei so einem Verein zu spielen.

bundesliga.de: Mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen hat der HSV wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden. Wie gut haben die Erfolge in dieser englischen Woche getan? Was sind die Ursachen für den sportlichen Aufschwung?

Westermann: Natürlich haben die Erfolge uns gut getan. Mit jedem Sieg steigt das Selbstbewusstsein. Das spürt man gerade bei den jungen Spielern. Die Verantwortung lastet nicht mehr auf wenigen Schultern, sondern ist auf fünf, sechs Leute verteilt. Dadurch sind wir gefestigter. Jetzt gilt es, diese Form zu stabilisieren und uns peu á peu weiterzuentwickeln. Wir sind noch ganz am Anfang und dürfen uns jetzt nicht ausruhen.

bundesliga.de: Wie schwer war es, nach dem misslungenen Start mit vier Niederlagen in den ersten vier Pflichtspielen, ruhig zu bleiben, zumal die Parallelen zur vergangenen Saison unübersehbar waren?

Westermann: Wir hatten in dieser Saison erst sehr spät unseren kompletten Kader beisammen. Da ist es ganz natürlich, dass es Zeit braucht, bis die Rädchen ineinandergreifen und alle Neuen integriert sind. Wir wussten, dass sich unsere Arbeit irgendwann auszahlen wird. Jetzt spielen wir zwei, drei Spieltage mit derselben Formation und langsam erkennt man die Entwicklung.

bundesliga.de: Wie haben Sie den Trainer in dieser Zeit erlebt? Was zeichnet ihn aus?

Westermann: Der Trainer hat fest an die Mannschaft und die Qualitäten des Kaders geglaubt. Er ist seinem Stil treu geblieben und hat sich nicht verrückt machen lassen. Er lebt die Leidenschaft vor und spricht sehr viel mit den Spielern.

bundesliga.de: Bei aller Kritik an vielen Transfers hat der HSV mit der Verpflichtung von Rene Adler und Rafael van der Vaart zwei Volltreffer gelandet. Was sind sie für Typen?

Westermann: Beide zeichnet auf dem Platz eine sehr hohe Qualität aus, die sie aber nicht dazu nutzen, in der Kabine irgendeinen Sonderstatus zu fordern. Sie sind wie jeder andere auch, ein Teil der Gruppe. Das strahlen sie aus und so geben sie es auch im Umgang mit den jungen Spieler weiter, die sich an ihnen orientieren.

bundesliga.de: Sind das die Spieler, die dem HSV in der vergangenen Saison gefehlt haben? Können Sie den Unterschied ausmachen?

Westermann: Uns haben sicherlich einige dieser Spieler gefehlt. Wie schon gesagt, verteilt sich die Verantwortung jetzt auf mehrere Schultern. Dadurch hat sich die Struktur gefestigt. Dies kann am Ende auch den Unterschied ausmachen.

bundesliga.de: Ihnen selbst wurde in den letzten Wochen auch eine ansteigende Form attestiert. Wie zufrieden sind Sie selbst?

Westermann: In der Vorbereitung habe ich im defensiven Mittelfeld gespielt. Dort konnte ich der Mannschaft zu diesem Zeitpunkt auch am besten helfen. Nun haben wir dort mit Milan Badelj und Petr Jiracek noch einmal zwei Spieler dazu bekommen, die eine hohe Qualität und spielerische Klasse mitbringen. Das macht es auch für die Vierkette einfacher zu agieren. Das wirkt sich am Ende natürlich auch auf meine Form aus.

bundesliga.de: Sie haben vor der Saison gesagt, dass der HSV in zwei Jahren wieder international spielen müsse. Was ist für den HSV in dieser Saison schon möglich?

Westermann: Bei den Zielen muss man ganz klar differenzieren. Vom Potenzial des Vereins, von den Fans, der Stadt und dem Umfeld, müsste der HSV auf Sicht das Ziel haben, wieder international zu spielen, weil es sich für so einen großen Verein einfach gehört. Wir wissen aber auch, dass der sportliche Erfolg an ganz vielen Faktoren hängt. Deshalb versuchen wir uns Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, ohne von bestimmten Plätzen zu sprechen.

bundesliga.de: Am Samstag gastiert der HSV bei der SpVgg Greuther Fürth, dem Verein, bei dem Sie einst Profi wurden. Wie sehr verfolgen Sie Ihren Ex-Club? Wie bewerten Sie seine Entwicklung?

Westermann: Ich verfolge den Weg und die Entwicklung von Greuther Fürth sehr intensiv. Ich hätte gar nicht mehr damit gerechnet, dass ich noch einmal in der Bundesliga gegen sie spielen darf! Die Entwicklung ist schon seit Jahren sehr gut. Präsident Helmut Hack leistet seit über 15 Jahren hervorragende Arbeit. Man hat sehr auf junge, hungrige Spieler gesetzt und immer an der Philosophie festgehalten. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie es kleinere Vereine machen sollten.

bundesliga.de: Ist es ein besonderes Spiel für Sie? Ist ein Dreier Pflicht?

Westermann: Es ist ein besonderes Spiel für mich. Das merkt man alleine daran, dass ich zwischen 10 und 15 Karten für Freunde, Bekannte und meine Familie besorgen musste. Ein Dreier ist sicherlich keine Pflicht. Das kann man vor keinem Bundesligaspiel sagen. Aber, und das ist wohl das erste Mal in dieser Saison anders, gehen wir sicherlich als Favorit in die Partie. Mal sehen, wie wir damit umgehen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski