Mönchengladbach - Es ist schon kurios: Noch kein Heimspiel haben die Gladbacher in dieser Saison gewonnen, zuhause nur drei Mal Unentschieden gespielt. Ihre vier Saisonsiege feierten die "Fohlen" vom Niederrhein in der Fremde. Zwei Mal gelang ihnen dieses Erfolgserlebnis in den bislang drei Rückrundenspieltagen, zuletzt am vergangenen Wochenende in Frankfurt.

Dass sie in Gladbach nun die Heimspiele abschaffen wollen, um den Klassenerhalt zu erreichen, ist natürlich ein böses Gerücht. Am kommenden Wochenende gegen den Tabellenvorletzten VfB Stuttgart soll endlich der Knoten platzen.

Stabile Abwehr gibt Sicherheit

Mit einem Sieg könnte der VfL an den Schwaben vorbei ziehen und endlich den letzten Platz abgeben. Diese Perspektive gibt den Gladbachern Mut. "Wir sind dran", frohlockte Trainer Michael Frontzeck, der es ohnehin für "einen Witz" hält, dass sein Team aus den vier letzten Heimbegegnungen gegen Mainz, Hannover, Hamburg und Leverkusen ohne Punkt den Platz verlassen musste.

Der Sieg in Frankfurt und die Leistungssteigerung nach der Pause geben Auftrieb. Besonders die neu gewonnene Stabilität in der Abwehr gibt Selbstvertrauen. In der Vorrunde waren in Dante und Brouwers die zwei etatmäßigen Innenverteidiger ausgefallen. Dante ist wieder zurück und überzeugte in Frankfurt durch kluges Stellungsspiel, Kopfball- und Zweikampfstärke ebenso wie sein Nebenmann Martin Stranzl, der in der Winterpause aus Moskau kam.

"Die Neuen sind unbelastet"

"Wir haben frisches Blut reingebracht, die Neuen sind unbelasteter", analysierte Frontzeck. Auch die beiden Planstellen im defensiven Mittelfeld sind neu besetzt. In der Vorrunde agierten dort meistens Thorben Marx und Michael Bradley, der aber jüngst an Aston Villa verliehen wurde. In Frankfurt steigerten sich nach anfänglichen Problemen die beiden Youngster in der Mittelfeldzentrale: Roman Neustädter, 22, und Havard Nordtveit, 20, der in der Winterpause von der zweiten Mannschaft vom FC Arsenal aus London kam.

Die beiden jungen Spieler hätten in der Vorbereitung ordentlich gespielt und seien unbelastet, erklärte Frontzeck seine Wahl. Als Alternative steht dem Trainer künftig auch noch Michael Fink zu Verfügung, der letzte Woche von Besiktas Istanbul ausgeliehen wurde. Fink spielte von 2006 bis 2009 im defensiven Mittelfeld von Eintracht Frankfurt stark, bevor er an den Bosporus wechselte.

Borussen wollen sich rächen

Besonders gefreut hat sich Igor de Camargo über sein Siegtor sieben Minuten vor dem Abpfiff. Letzte Woche bei der Heimniederlage gegen Leverkusen (1:3) wurde er noch auf einer Trage vom Platz getragen. Eine Sprunggelenksverletzung zwinge ihn zu einer zweiwöchigen Pause, hieß es. Doch die Verletzung stellt sich als nicht so schlimm heraus und der Brasilianer mit belgischem Pass sagte augenzwinkernd: "Meine Frau hat mich sehr gut behandelt." Immer weiter, weiter, weiter müsse es jetzt gehen, und schon an das Spiel gegen Stuttgart denken, sagte de Camargo.

Vielleicht dient ja auch die Erinnerung an das Hinspiel als Motivationshilfe; das verloren die Gladbacher nämlich mit 0:7. Nicht nur deshalb sagt Michael Frontzeck vor dem Abstiegsknaller: "Wir wollen mit aller Macht und mit unseren Zuschauern im Rücken ein gutes Heimspiel gegen den VfB machen."

Tobias Schächter