Dortmund - Über Odds Ballklub in die Europa League, heißt es für Borussia Dortmund. Bevor der BVB am Donnerstag zum Hinspiel der Play Offs in Norwegen antritt, hat Michael Zorc die Mannschaft noch einmal in die Pflicht genommen. Im Interview mit bundesliga.de spricht Dortmunds Sportdirektor außerdem über den eigenen Anspruch, eine Rückkehr in die Champions League und die Jagd auf die Bayern.

bundesliga.de: Mochael Zorc, nach vier Jahren in der Champions League tritt der BVB in dieser Saison in der Europa League an. Bei möglichen Gegnern wie Florenz, Liverpool oder Marseille klingt das durchaus auch nach einem lohnenswerten Wettbewerb.

Michael Zorc: Wir müssen ja erst mal hinein in die Europa League. Eine Hürde liegt mit Odds BK Grenland noch vor uns. Wir sind in diesem Duell der klare Favorit. Und unser Anspruch ist es ohne Wenn und Aber, das zu schaffen. Man hat in den Spielen gegen den Wolfsberger AC die Ernsthaftigkeit der Mannschaft gesehen, unbedingt in die Gruppenphase zu wollen. Wenn das geschafft ist, dann stellt die Europa League für Borussia Dortmund aus vielerlei Gründen einen lohnenswerten Wettbewerb dar. Auch für unsere Spieler – die haben doch auch keine Lust, die internationalen Spiele alle nur vom Sofa aus zu verfolgen.

Anspruch: Champions League

bundesliga.de: Auch wenn einige sicher lieber am Mittwochabend die Hymne der Champions League live auf dem Rasen hören würden.

Zorc: Natürlich ist die Champions League der eigentliche Anspruch von Borussia Dortmund, zumal wir da in den letzten Jahren auch regelmäßig vertreten waren. Aber wir haben es dieses Mal sportlich nicht geschafft und dann muss man eben das nehmen, wofür man sich qualifiziert hat. Und das ist allemal ein Top-Wettbewerb, der in den letzten Jahren immer weiter aufgewertet wurde. Für den BVB muss es einfach der Anspruch sein, permanent international vertreten zu sein.

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bundesliga.de: Ist die Teilnahme an der Europa League auch fast schon notwendig, um den großen Kader bei Laune zu halten?

Zorc: Natürlich ist das auch ein Punkt. Der Kader bietet uns dann die Chance, die Belastung ein bisschen zu verteilen. Und anders herum bekommen alle Profis die Möglichkeit auf mehr Spielanteile.

"Immer klare Kante gegen Bayern gezeigt"

bundesliga.de: Sie haben das Selbstverständnis des BVB angesprochen, in der Champions League mitzuspielen. Hans-Joachim Watzke hat dies inzwischen auch als Saisonziel formuliert – obwohl zunächst nur von einer Rolle als Herausforderer die Rede war.

Zorc: Wenn man alle Aussagen entsprechend übersetzt, dann landet man am Ende bei der Champions League als Wunschziel. Wenn wir es schaffen würden, wäre es eine große Leistung. Wir waren im Februar noch Tabellenletzter der Bundesliga, das ist noch nicht lange her. Und zumindest in meinem Gedächtnis ist das noch nicht komplett vergessen.

bundesliga.de: Sie selbst haben den BVB als Herausforderer der Bayern-Herausforderer charakterisiert. Mats Hummels hat kürzlich empfohlen, nicht zu viel Ehrfurcht vor den Bayern zu zeigen. Vertragen sich diese Aussagen miteinander?

Zorc: Das passt sehr gut zueinander, wenn man sich genau anschaut, was Mats gesagt und gemeint hat. Er hat kritisiert, dass nach seinem Gefühl manchmal von einigen in vorauseilendem Gehorsam die Punkte abgeliefert werden. Und wenn es schön aussah, bedankt man sich am besten noch für die Vorführung, die man bekommen hat. Wir als Borussia Dortmund haben auch in der Vergangenheit immer klare Kante gegen die Bayern gezeigt und versucht, das Maximale herauszuholen. Egal, in welcher vielleicht auch nicht so tollen Situation. Wir haben nie Spieler geschont, weil wir ein Spiel gegen die Bayern vorher schon abgeschenkt haben. Darum ging es Mats mit seinen Aussagen. Und da stimme ich ihm absolut zu.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte