"Totgesagte leben eben länger", jubelte Timo Rost nach dem 3:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen am 34. Spieltag. Durch den Erfolg und gleichzeitiger Schützenhilfe aus Hannover (2:2 in Bielefeld) hatte Energie Cottbus in letzter Sekunde den Sprung auf den Relegationsplatz geschafft.

Als Bundesliga-Sechzehnter gehen die Lausitzer in die Saison-Verlängerung mit den Relegationsspielen gegen den in der 2. Bundesliga drittplatzierten 1. FC Nürnberg. Das Hinspiel steigt am Donnerstag (ab 17:30 Uhr im Live-Ticker) in Cottbus, das Rückspiel am 31. Mai (ab 15 Uhr im Live-Ticker) in Nürnberg.

"Der ganze Verein ist jetzt im Ausnahmezustand, von den Spielern bis zu den Mitarbeitern der Geschäftsstelle", beschreibt Manager Steffen Heidrich die Stimmungslage in der Lausitz.

Energie sieht sich in der Favoritenrolle

Der Bundesligist strotzt nach dem nicht mehr für möglich gehaltenen "Wunder" vor Selbstvertrauen. "Wenn wir die Euphorie von Samstag mitnehmen, dann wird es für Nürnberg schwer, uns zu schlagen", richtete Rost eine erste Kampfansage an den "Club". Der 30-Jährige sieht Cottbus im Vorteil, warnt aber auch vor Überheblichkeit. Schließlich sei Nürnberg nach einer schwachen Hinrunde ebenfalls schon totgesagt worden.

Vereinspräsident Ulrich Lepsch ließ unterdessen keine Zweifel an der Rollenverteilung zu: "Wir sind der Favorit. Wir sind der Bundesligist, kommen von oben", erklärte der Clubchef im Interview mit der "Super Illu". Drei Jahre nach dem Aufstieg denkt Lepsch nicht an ein Abrutschen in die Zweitklassigkeit, denn Energie habe in Gerhard Tremmel einen Keeper, "an dem derzeit der Ball kleben bleibt".

Auf den Schlussmann könnte auf jeden Fall viel Arbeit zukommen, denn in den Reihen der Nürnberger steht mit Marek Mintal einer der drei treffergleichen Torschützenkönige der abgelaufenen Saison. Für den Keeper kein Problem, er freut sich einfach nur auf das Duell mit Nürnberg: "Das ist jetzt wie im Europapokal!"

Mittelfeld-Ass vor dem Comeback?

Trainer Bojan Prasnikar kann bei den Relegationsduellen womöglich wieder auf Mittelfeldmotor Ivica Iliev zurückgreifen. Der Serbe kehrte am Montag ins Mannschaftstraining zurück, nachdem er im Saisonfinale wegen Adduktoren-Beschwerden hatte passen müssen.

Bei Toptorjäger Dimitar Rangelov sehen die Prognosen dagegen schlecht aus. "Sein Einsatz am Donnerstag wäre ein Wunder, bis Sonntag ist aber noch einiges möglich", erklärte Pressesprecher Ronny Gersch. Mit neun Treffern ist der Bulgare erfolgreichster Energie-Torjäger.

Heimschwäche rechtzeitig überwunden?

Um gegen Nürnberg zu bestehen zieht Cottbus alle Register und verabschiedet sich am 26. Mai in ein Kurztrainingslager am Scharmützelsee bei Bad Saarow. Der Teamgeist soll noch einmal angefacht werden.

Eine Maßnahme, die jüngst schon zum Erfolg führte: Zwar gingen insgesamt zehn von 17 Heimspielen in der regulären Saison verloren, doch drei der letzten fünf Auftritte im Stadion der Freundschaft wurden gewonnen – gegen Bielefeld (2:1), Wolfsburg (2:0) und Leverkusen (3:0).

Prasnikar sieht es sogar als Vorteil, dass Energie zunächst zuhause antreten muss. "Das erste Spiel gibt die Richtung für das zweite vor. Wir werden die positive Stimmung aus dem Sieg gegen Leverkusen für die Relegation nützen", so der Coach in der "Abendzeitung".

Saisonziel nicht erreicht

Unabhängig vom Ausgang der Relegationsspiele geht Clubchef Lepsch mit den Kickern hart ins Gericht: "Wir haben unser Saisonziel nicht erreicht. Wir wollten Fünfzehnter werden, mit dem Abstieg nichts zu tun haben."

Dennoch steht der Trainer bei Energie nicht zur Diskussion: Prasnikar bleibt auch im Falle des Abstiegs im Amt: "Das ist überhaupt kein Thema. Wir alle hier sind nicht die Typen, die bei Misserfolg hinwerfen und sagen: 'So, die Nächsten bitte!'"

Andreas Gellrich