So viel sprach vor der Auftaktbegegnung zwischen Werder und Eintracht Frankfurt für die Bremer: Sie hatten die Frankfurter in der Vorsaison zweimal mit 5:0 aus dem Stadion gefegt. Sie starteten nach drei Jahren erstmals wieder mit einem Heimspiel. Und sie schienen nach einer gelungenen Vorbereitung und dem 5:0 im Pokal bei Union Berlin in bester Verfassung zu sein.

Doch nach den 90 Minuten auf der Baustelle Weser-Stadion musste der Pokalsieger alle Punkte abgeben, der 3:2-Auswärtssieg der Frankfurter ist eine der Überraschungen des 1. Spieltags. Per Mertesacker, Chef der Bremer Abwehr, spricht im bundesliga.de-Interview offen und selbstkritisch die Gründe für die Niederlage an, verrät aber auch, warum er weiterhin hoffnungsvoll auf die neue Saison blickt.

bundesliga.de: Herr Mertesacker, das war sicher nicht der Bundesliga-Auftakt, den man sich bei Werder vorgestellt hat?

Per Mertesacker: Nein. Wir haben heute lange kein gutes Spiel gemacht. In der zweiten Halbzeit konnten wir zwar zeitweise richtig Druck aufbauen, uns aber leider vor dem Tor nicht durchsetzen. Und gerade in diese einzige Phase, in der wir richtig gut waren, fällt das dritte Gegentor.

bundesliga.de: Woran hat es, neben dem Tor zum 2:3, besonders gemangelt?

Mertesacker: Das Pressing, das wir uns vorgenommen hatten, war nicht gefestigt genug. Und hinten fielen die Tore wieder viel zu leicht. Die ersten beiden waren wieder 'schöne' Konter, nach ganz einfachen Ballverlusten. Gerade darauf wollten wir achten. Aber das war bezeichnend für die fehlende Ballsicherheit.

bundesliga.de: Das klingt nicht, als gäbe es für Sie aus diesem Spiel irgendetwas Positives mitzunehmen.

Mertesacker: Doch, teilweise haben wir gut kombiniert, waren am Drücker. In der 2. Halbzeit war das mitunter schon so, wie wir es uns vorstellen. Da haben wir uns viele Gelegenheiten erarbeitet, nur der Biss vor dem Tor hat gefehlt. Deshalb ist mir jetzt auch nicht Angst und Bange.

bundesliga.de: Letzte Saison konnte Werder die Eintracht zweimal mit 5:0 besiegen. Was hat Ihr Gegner heute anders gemacht?

Mertesacker: Frankfurt war total heiß, hat unsere Fehler und die fehlende Sicherheit gnadenlos ausgenutzt.

bundesliga.de: Werder hat im ersten Bundesliga-Spiel ohne Diego mit einem veränderten System mit zwei "Sechsern" gespielt. Sitzt vielleicht die neue Taktik noch nicht?

Mertesacker: Das wäre der falsche Ansatz. Man hat schon gesehen, dass viel Potential in unserer Mannschaft steckt, wir haben nur zu wenig davon umgesetzt.

bundesliga.de: Teilen Sie den Eindruck, dass Werder den Ausfall von Naldo nicht kompensieren konnte?

Mertesacker: Wir konnten uns alle nicht hervortun, die gesamte Mannschaft. Wir alle haben nicht das gezeigt, was wir uns vorstellen. Wir müssen aus diesem Spiel unsere Lehren ziehen und zukünftig einiges besser machen. Jeder Einzelne von uns hat jetzt einiges aufzuarbeiten.

bundesliga.de: Was sind die drängendsten Verbesserungen?

Mertesacker: Wir müssen einfach mit der Power spielen, die wir in der vergangenen Woche bei Union Berlin im Pokal gezeigt haben. Ich finde, dass wir läuferisch schon gut drauf sind, aber es fehlen einfach noch ein paar Automatismen. Da haben wir sicher noch Nachholbedarf.

Das Interview führte Enrico Bach