Eigentlich war er in der Winterpause schon fast verkauft - aber Kevin Kuranyi hielt dem FC Schalke 04 nicht nur die Treue, sondern erzielte gegen Nürnberg auch das goldene Tor des Tages.

Mit seinem neunten Saisontreffer bescherte Kuranyi den Schalkern einen 1:0-Erfolg - und erklärte anschließend im Interview, warum er Felix Magath nicht böse ist und warum sich die Mannschaft jetzt steigern muss.

bundesliga.de: Haben Sie damit gerechnet, dass es gegen den Tabellenvorletzten so ein schweres Stück Arbeit wird?

Kevin Kuranyi: Die Nürnberger haben ihre Aufgabe sehr gut gelöst und sich als Mannschaft stark präsentiert. Sie haben sehr gut nach vorne gespielt und ihre Chance gesucht. Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit überhaupt nicht gut gespielt, aber Gott sei Dank haben wir die drei Punkte am Ende doch behalten. Und damit können wir für das erste Spiel nach der Winterpause durchaus zufrieden sein. Aber wir müssen uns jetzt steigern!

bundesliga.de: Es war nicht das erste Mal, dass sich Schalke vor allem in den ersten 45 Minuten schwer getan hat. Gibt es dafür eine Erklärung?

Kuranyi: Das stimmt, dieses Problem hatten wir schon in einigen Heimspielen. Ich sehe jetzt keinen Ansatz, woran das liegt. Und wir sollten jetzt auch nicht nach irgendwelchen Ausreden suchen. Immerhin haben wir es in der zweiten Halbzeit besser gelöst, mehr nach vorne gespielt und auch unsere Torchancen gesucht. Wir hatten nicht viele klare Möglichkeiten - aber wir haben das Beste daraus gemacht und den entscheidenden Treffer erzielt. Für die Zukunft müssen wir aber daran arbeiten, von Beginn an eine gute Leistung zu zeigen.

bundesliga.de: Vorne gab es nicht viele Chancen - und hinten hatte Manuel Neuer einen besonders guten Tag erwischt.

Kuranyi: Er hat uns den Sieg festgehalten und nicht zum ersten Mal bewiesen, was er für Qualitäten besitzt. Manuel ist eben einer der besten Torhüter in Deutschland.

bundesliga.de: Felix Magath hat bemängelt, auch nach dem Führungstor habe die Mannschaft nicht selbstbewusst gespielt. Fehlt Schalke tatsächlich das Selbstvertrauen?

Kuranyi: Das ist kein generelles Problem. Aber nachdem wir schlecht in die Partie gestartet sind, hat das Selbstbewusstsein in diesem Spiel tatsächlich etwas gefehlt. Das hat sich auch durch das Tor nicht maßgeblich geändert. Ich bin mir aber sicher, dass wir das in den nächsten Partien besser machen werden und dann auch selbstbewusster auftreten.

bundesliga.de: Sie selbst können selbstbewusst sein. Sie haben an die treffsichere Hinrunde angeknüpft und schon Ihr neuntes Saisontor erzielt.

Kuranyi: (lacht) Da muss ein Stürmer halt stehen. Farfan hat eine sehr gute Vorarbeit geleistet. Er hat den Ball so gut nach innen gespielt, dass ich ihn nur noch hineindrücken musste.

bundesliga.de: Dabei sollten Sie in der Winterpause eigentlich verkauft werden...

Kuranyi: Man muss den Trainer bzw. Manager in diesem Fall verstehen. Er muss auf die Gesamtsituation des Vereins gucken - auch in finanzieller Sicht - und hat es sicher nicht böse gemeint mit mir. Aber meine Entscheidung habe ich schon vor Monaten getroffen und die bleibt auch so. Man sollte all  die Spekulationen zu diesem Thema nicht so ernst nehmen. Mein Thema ist nur der FC Schalke 04.

bundesliga.de: Mit Edu hatten Sie gegen Nürnberg erstmals einen neuen Sturmpartner. Wie hat es aus Ihrer Sicht funktioniert?

Kuranyi: Es hat ganz gut geklappt. Da wir als Mannschaft diesmal nicht besonders gut gespielt haben, war es natürlich auch für uns Angreifer vorne ein schwieriges Spiel. Aber ich denke, auf unserem Zusammenspiel lässt sich aufbauen.

bundesliga.de: Außer Edu sind noch eine ganze Reihe weiterer Neuzugänge in der Winterpause zum Kader gestoßen. Wie beurteilen Sie die Transfers?

Kuranyi: Es sind Top-Spieler wie Kluge oder Baumjohann nach Schalke gekommen, die uns auf jeden Fall verstärken. Ich bin überzeugt, dass sie hier sehr gute Leistungen bringen und uns helfen werden, noch so manches Spiel zu gewinnen.

bundesliga.de: Und wo landet der FC Schalke dann am Saisonende?

Kuranyi: Warten wir es mal ab. Wir müssen auf jeden Fall immer weiter hart arbeiten. Aber ich glaube schon, dass wir die Qualität haben, um in der nächsten Saison international dabei zu sein.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte