Nach einem tollen Pokalfight hat der Hamburger SV etwas glücklich die Auftakthürde Fortuna Düsseldorf genommen. Beim 4:1 im Elfmeterschießen bewahrten die Hanseaten nach dem spektakulären 3:3-Unentschieden nach 120 dramatischen Minuten kühlen Kopf.

Nationalspieler Marcell Jansen verwandelte den entscheidenden Elfmeter souverän. Danach stellte sich der 23-Jährige Mittelfeldspieler den Fragen von bundesliga.de.

bundesliga.de: Glückwunsch zum Einzug in die nächste Pokalrunde. Das war eine enge Kiste, oder?

Marcell Jansen: Wir müssen uns bei Frank Rost bedanken, der kurz vor Ende der ersten Halbzeit zwei Mal riesig gerettet hat. Sonst steht es 3:1 oder sogar 4:1. Deshalb sind wir froh, dass wir ihn heute hatten und teilweise auch das Quäntchen Glück.

bundesliga.de: Haben Sie sich die Aufgabe bei Fortuna Düsseldorf so schwer vorgestellt?

Jansen: Wir waren gewarnt und haben ja auch die anderen DFB-Pokalspiele gesehen, in denen sich Bundesligisten gegen Fünft- oder Sechstligisten sehr schwer taten und es teilweise 0:0 zur Halbzeit stand. Deshalb darf man sich nicht wundern, wenn es gegen einen Zweitliga-Aufsteiger wie Düsseldorf mit 40.000 Zuschauern im Rücken eng werden könnte. Natürlich dürfen manche Sachen nicht passieren. Aber im Pokal gibt es so verrückte Spiele. Das lieben die Fans. Für uns war es nicht so gut. Das müssen wir analysieren. Nach den vielen guten Spielen in der Vorbereitung wurde es gegen die Fortuna ernst. Jetzt haben wir noch am Donnerstag ein Spiel, dann beginnt die Bundesliga.

bundesliga.de: Sie gehören zu den Spielern, die beim Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Werder Bremen einen Elfmeter verschossen haben. Ging Ihnen das durch den Kopf, als Sie auch diesmal wieder antraten?

Jansen: Nein. Wenn man sich wieder meldet, um die Verantwortung zu übernehmen, geht man auch davon aus, den Elfmeter reinzumachen.

bundesliga.de: Was nimmt man aus so einem Spiel mit?

Jansen: Schwer zu sagen. Wir müssen als Mannschaft versuchen, so kompakt wie in den anderen Spielen zu stehen. Wir haben zu viele Chancen zugelassen. Das darf nicht passieren. Am Ende haben wir gewonnen. Wir müssen das Spiel analysieren und nach vorne schauen. Wir sind eine Runde weiter. Mund abputzen.

bundesliga.de: Letzte Saison hat der HSV mehr Spiele als fast alle Konkurrenten absolviert. Jetzt fängt die Saison wieder mit vielen Spielen an. Donnerstag steht das Rückspiel gegen Randers FC (Hinspiel 4:0 für den HSV) an, danach der Start in die Bundesliga. Wie fit ist der HSV schon?

Jansen: Wir haben sehr gut gearbeitet und die Zeit genutzt. Aber Vorbereitung ist immer das Eine, jetzt geht es mit den Pflichtspielen richtig los. Jetzt geht es um Punkte. Für mich persönlich war es das erste richtige Spiel. Das letzte Spiel habe ich im Trainingslager gemacht. Daher sind wir froh, dass wir einen breiten Kader haben und im Moment das eine oder andere Spiel mehr haben, um in die Saison reinzukommen. Das Spiel gegen die Fortuna über 120 Minuten hat uns noch einmal Kraft und Kondition für die nächsten Aufgaben gegeben.

bundesliga.de: Ein Satz zur Fortuna. Was trauen Sie dem Aufsteiger zu?

Jansen: Ich kenne ja ein paar Jungs der Fortuna. Ich habe ihnen viel Glück gewünscht. Es wäre großartig für die Stadt, wenn sie in diesem tollen Stadion in der 2. Bundesliga etwas bewegen und die Klasse halten könnten. Ich würde mich freuen, wenn sie so wie gegen uns weitermachen würden. Das braucht die Region im Rheinland. Man hat im Offensiv- und Konterspiel gesehen, dass die Jungs auch Fußball spielen können. Ich wünsche Ihnen alles Gute.

bundesliga.de: Am kommenden Sonntag geht es gegen Freiburg und damit wieder gegen einen euphorischen Aufsteiger, diesmal in der Bundesliga. Gibt es da Parallelen?

Jansen: Nein, jedes Spiel ist anders. Freiburg hat sich souverän in der 2. Bundesliga durchgesetzt. Demnach sind sie eine Klassemannschaft, die in der Bundesliga ohne Probleme mithalten kann. Wir haben auch da einen schweren Gegner vor uns.

bundesliga.de: Haben Sie einen Wunschgegner für die nächste Pokalrunde? Bremen oder Mönchengladbach vielleicht?

Jansen: Nein, im Pokal muss man es nehmen, wie es kommt. Das ist mir eigentlich egal.


Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski