Hannover - Der Lauf von Hannover 96 nimmt kein Ende. Am 25. Spieltag schien selbst der FC Bayern München keine ernsthafte Hürde für die Niedersachsen zu sein und wurde mit 1:3 nach Hause geschickt. Die Mannschaft von der Leine hat durch diesen Sieg Rang 3 gefestigt und kann sich berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb machen.

Bei bundesliga.de spricht Sergio Pinto über die Chancen, kommende Saison mit 96 international zu spielen und beschreibt die aktuelle Stimmung im und rund um den Verein. Außerdem erklärt der Mittelfeldmotor, warum das anstehende Spiel beim 1. FC Köln fast wichtiger ist als der Sieg gegen die Bayern.

bundesliga.de: Herzlichen Glückwunsch zum 3:1-Erfolg über die Bayern und Ihren Treffer. Was waren die entscheidenden Gründe für den Sieg?

Sergio Pinto: Wir haben uns vom Namen "FC Bayern München" nicht aus der Fassung bringen lassen, sondern unser Spiel genauso durchgebracht, wie Mirko Slomka uns das gesagt hat. Wir haben hinten gut gestanden und unsere Außen immer unterstützt. In der Offensive haben wir versucht, zu kontern und auch schnell den Abschluss zu suchen. Das war entscheidend.

bundesliga.de: Durch den Sieg haben Sie Rang 3 gefestigt. Haben Sie vor der Saison daran geglaubt, dass Sie mit Hannover um einen internationalen Platz spielen würden?

Pinto: Nein, das war so natürlich nicht zu erwarten. Besonders nach dem Erstrunden-Aus im DFB-Pokal - nach dem wir allerdings auch nie daran gezweifelt haben, dass wir weiter oben dabei sein könnten - hat an diesen großen Erfolg wohl niemand im Verein geglaubt.

bundesliga.de: Aber mit dem Verständnis, den Klassenerhalt in diesem Jahr eher zu schaffen als in der Vor-Saison, sind Sie schon im Sommer gestartet?

Pinto: Schon, auch wenn nach dem Pokal-Aus natürlich erste Zweifel kamen. Aber durch die beiden Auftaktsiege gegen Frankfurt und auf Schalke haben wir gemerkt, wie wir in der Bundesliga auftreten müssen, um erfolgreich zu sein. Von da an haben wir dann ziemlich gute Spiele abgeliefert.

bundesliga.de: Die Stimmung in Hannover wird angesichts der Tabellensituation wohl dementsprechend gut sein. Inwieweit bekommen Sie davon etwas mit?

Pinto: Die Fans sind natürlich sehr euphorisch und hoffen, dass wir nächstes Jahr international spielen. Manche träumen auch schon von der Champions League. Aber davon dürfen wir uns als Verein und als Mannschaft nicht ablenken lassen. Ganz im Gegenteil müssen wir weiter konzentriert arbeiten. Mit dieser Einstellung haben wir uns den 3. Rang erspielt und anders ist das auch nicht möglich.

bundesliga.de: Was glauben sie persönlich denn, was für 96 in dieser Saison möglich ist? Ist die Champions League drin?

Pinto: Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Wir hatten bisher 40 Punkte als Ziel. Seitdem wir die geholt haben, versuchen wir nun, den Vereinsrekord zu brechen (49 Punkte in der Saison 20007/08, Anm.d.Red.). Andere Ziele wollen wir uns erst einmal nicht stecken. Sollten wir den Rekord knacken, können wir immer noch weitersehen.

bundesliga.de: Einmal angenommen, Hannover würde sich am Saisonende doch nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren: Wäre das dann eine Enttäuschung oder wäre man mit der dann ja noch immer sehr guten Saison zufrieden?

Pinto: Daran denke ich überhaupt nicht. Ich will gemeinsam mit der Mannschaft die noch drei fehlenden Punkte zum Rekord holen und dann schauen wir weiter. Wir müssen einfach von Spiel zu Spiel denken und am Ende abrechnen. Negativ kann diese Saison eigentlich nichts mehr werden, weil wir eine sehr gute Runde spielen.

bundesliga.de: Mirko Slomka kam letzte Saison als Retter nach Hannover, hat das Team in der Liga gehalten und es derzeit auf Rang 3 geführt. Was zeichnet Ihren Trainer aus?

Pinto: Er ist zu jedem Spieler sehr fair; jeder bekommt seine Chance. Er spricht die Dinge immer offen an und verfolgt den Plan, den er gemeinsam mit seinem Trainerstab hat, konsequent, egal, ob man gegen den FC Bayern gewinnt oder irgendwo auswärts verliert. Dass der Trainer einen speziellen Plan verfolgt, den er nicht ändert, ist auch für die Mannschaft sehr wichtig. Sie weiß halt, dass sie erfolgreich war, wenn sie den vom Trainer vorgegebenen Plan umgesetzt hat. So macht die Arbeit mit dem ganzen Trainerstab Spaß. Wir sind eine richtige Einheit und das ist auch sehr wichtig.

bundesliga.de: Der Sieg gegen die Bayern war bereits der zweite ohne Didier Ya Konan, ohne den die Mannschaft zuvor noch nie gewinnen konnte. Was hat sich geändert, dass 96 jetzt auch ohne den "Punktegaranten" Spiele gewinnt?

Pinto: Es war schon ein schwerer Ausfall, weil Didier für unsere Mannschaft ein sehr wichtiger Spieler ist. Aber wir sind mit der Zeit zusammengewachsen und haben viel dazu gelernt. Wir können jetzt halt auch Spiele ohne ihn gewinnen, was für uns wichtig ist, aber auch für Didi. Er weiß jetzt, dass er seine Verletzung in Ruhe und ohne Druck auskurieren kann und nichts überstürzen muss und somit zum Saisonfinale wieder topfit ist.

bundesliga.de: Wenn man sich Hannover über die Saison genau anschaut fällt auf, dass Sie unglaublich effektiv sind und mit wenigen Toren viele Punkte holen. Wo liegen die Gründe für die Effektivität?

Pinto: Das liegt daran, dass wir mit der gesamten Mannschaft verteidigen und somit in der Defensive gut dastehen. Wir lassen kaum Torchancen zu und sind nach vorne halt sehr effektiv. Wir brauchen sehr wenig Zeit, um zum Abschluss zu kommen. Das trainieren wir auch immer wieder: Balleroberung im Mittelfeld und dann schnell nach vorne spielen. Damit waren wir bisher erfolgreich.

bundesliga.de: Wie wichtig sind in dieser Hinsicht die Stürmer? Gegen Kaiserslautern am 23. Spieltag war es auffällig, dass Ya Konan zwei Mal gegen einen Innenverteidiger des FCK den Ball erobert hat und damit jeweils einen Treffer einleitete.

Pinto: Die sind sehr wichtig. Wir verteidigen mit der gesamten Mannschaft. Wenn die Stürmer mitarbeiten, weiß der Gegner, dass er keine Zeit hat, sondern dass gleich wieder einer da ist, der den Ball abnehmen möchte. Das stört den Spielaufbau und so verlagern die Gegner sich sehr oft auf hohe Bälle. Da sind wir aber sehr stark und lassen durch hohe Bälle wenig zu.

bundesliga.de: Jetzt haben Sie schon mehrmals auf die Abwehr verwiesen, die derzeit die drittbeste der Liga ist. Zum Jahreswechsel hat Dieter Schatzschneider im Gespräch mit bundesliga.de gesagt, dass der Transfer von Emmanuel Pogatetz für die Stabilität der Mannschaft unglaublich wichtig war. Womit hilft er Ihrer Mannschaft?

Pinto: Der Emi ist ein Kämpfer. Er lässt nie nach, gibt immer einhundert Prozent und feuert uns auch immer wieder an. Er ist ständig unter Strom (lacht). Seine Verpflichtung war sehr wichtig. Der hat in England gespielt, kennt daher das Spiel mit hohen Bällen natürlich sehr gut und durch seine Erfahrung brennt bei uns dadurch natürlich nichts an. Aber auch als Typ ist er wichtig für unsere Mannschaft, er ist ein Leader.

bundesliga.de: Am Freitagabend steht das Spiel beim 1. FC Köln an. Mit was für einer Partie rechnen Sie im RheinEnergieStadion?

Pinto: Es wird ein sehr enges Spiel werden. Die Kölner haben zuhause einen Lauf und haben fünf Mal in Folge gewonnen. Dennoch fahren wir mit dem Ziel da hin, Punkte mitzunehmen. Und da werden wir es den Kölnern natürlich so schwer wie möglich machen und alles daran setzen, auch etwas Zählbares mitzunehmen. Wenn ich ehrlich bin, denke ich sogar, dass das Spiel gegen Köln schwieriger sein wird als das gegen Bayern München. Auf dem Papier sieht das vielleicht nicht danach aus, doch der FC braucht unbedingt die Punkte und daher wird das ein sehr enges Spiel werden.

bundesliga.de: Wird es vielleicht auch deshalb keine leichte Aufgabe, weil man - vom Tabellenstand her - Hannover die Favoritenrolle zusprechen wird?

Pinto: Gegen München wollte man uns ja auch schon einreden, dass wir aufgrund der Tabelle die Favoriten waren. Wir spielen auswärts, die Kölner brauchen die Punkte, wir wollen sie auch haben, aber in die Favoritenrolle drängen lassen wir uns nicht.

bundesliga.de: Worauf muss sich Ihre Mannschaft konzentrieren, um möglichst erfolgreich zu sein?

Pinto: Wir müssen unser Spiel durchziehen, wieder sehr kompakt stehen, die zweiten Bälle gewinnen und dann möglichst schnell nach vorne spielen. Das ist unser Spiel. Da werden wir auch bis zum Saisonende nichts dran ändern.

bundesliga.de: Im Restprogramm warten mit Mainz, Hamburg und Freiburg noch drei Mannschaften, die ebenfalls ins internationale Geschäft wollen. Sind das die Partien, auf die es ankommt, in denen eine Entscheidung in Sachen Europa fällt?

Pinto: Das wichtigere Spiel ist jetzt das gegen den 1. FC Köln. Wenn wir nach dem Sieg gegen die Bayern dort nachlegen können, ist das ein Big-Point. Wenn wir nächste Saison wirklich international spielen wollen, müssen wir genau in solchen Spielen nachlegen. Die dürfen wir dann nicht verlieren.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig