Tim Borowski (l.) ist zusammen mit Miroslav Klose der torgefährlichste Spieler der Bayern (4 Treffer)
Tim Borowski (l.) ist zusammen mit Miroslav Klose der torgefährlichste Spieler der Bayern (4 Treffer)
Bundesliga

"Wir müssen hellwach sein"

Die jüngsten Erfolge haben dem FC Bayern zu neuem Selbstvertrauen verholfen. Vor dem Champions-League-Spiel gegen den AC Florenz (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) spricht - zumindest öffentlich - keiner davon, auf ein Unentschieden aus zu sein.

"Es muss unser Ziel sein, auch dort wieder einen Sieg einzufahren. Insofern spielen wir da sicher nicht auf Unentschieden", sagt Tim Borowski im Interview mit bundesliga.de.

Und auch dieser Satz Borowskis drückt das gestiegene Selbstwertgefühl der Münchner aus: "Wir sollten uns auf unsere Stärken besinnen und Vollgas geben. Dann kann uns auch keiner stoppen."

Der zusammen mit Miroslav Klose torgefährlichste Spieler der Bayern (4 Tore) spricht über Florenz, Hoffenheim und die Gründe für Bayerns Aufschwung.

bundesliga.de: Das "Hinspiel" gegen Florenz ging 3:0 aus, aber es war enger, als der Endstand aussagt. Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Florenz?

Tim Borowski: Wir stecken voller Selbstbewusstsein. Wir haben Florenz hier in München über weite Strecken beherrscht. Natürlich hatten sie auch ihre Chancen. Aber letztendlich muss es unser Ziel sein, auch dort wieder einen Sieg einzufahren. Insofern spielen wir da sicher nicht auf Unentschieden.

bundesliga.de: Welche Lehren kann man aus dem Hinspiel ziehen? Worauf muss geachtet werden?

Borowski: Spieler wie Mutu oder Gilardino sind immer brandgefährlich, die darf man am besten gar nicht zum Schuss kommen lassen. Wir müssen da hellwach sein. Aber wir sollten nicht so sehr auf den Gegner schauen, sondern uns auf unsere Stärken besinnen und Vollgas geben. Dann kann uns auch keiner stoppen.

bundesliga.de: Worin sehen Sie die Gründe für den Aufschwung beim FC Bayern in den vergangenen Wochen?

Borowski: Wir haben die mentale Stärke, auch nach einem Rückstand zurückzukommen. Das hatten wir am Anfang der Saison noch nicht. Und wir setzen inzwischen schon ziemlich gut um, was das Trainerteam von uns verlangt: schnell zu spielen, nur mit ein, zwei Ballkontakten. Gerade gegen Mannschaften wie Bielefeld, die, wie der Manager so schön formuliert hat, mit 17 Mann hinten drin stehen, ist das wichtig. Ich finde, dass wir noch lange nicht die Grenze erreicht haben. Aber wir sind auf einem richtig guten Weg.

bundesliga.de: Unter der schnellen Vorwärtsbewegung hat zu Beginn der Saison allerdings die Defensive gelitten. Es gab viele Gegentore.

Borowski: Am Anfang hatten wir einige Probleme, das ist sicherlich richtig. Man läuft bei einem risikobehafteten Spiel natürlich Gefahr, auch mal einen Fehler zu machen, aber das gehört dazu. Wir sind dabei, diese Fehler zu minimieren und das geht mittlerweile von Spiel zu Spiel besser.

bundesliga.de: Ihre persönliche Situation beim FC Bayern hat sich zuletzt auch deutlich verbessert. Gegen Frankfurt und Bielefeld zählten Sie zur Startformation. Wie sehen Sie selbst ihre derzeitige Position?

Borowski: Wir haben gute Spiele hinter uns und daran hatte ich auch einen Anteil. Dass es hier eine andere Situation sein würde, war mir bewusst. Ohne die Verletzung in der Vorbereitung hätte ich vielleicht schon einen Tick früher mehr Einsatzzeit bekommen. Es entwickelt sich jetzt Schritt für Schritt. Insofern bin ich voll zufrieden, es geht gut aufwärts.

bundesliga.de: Hoffen Sie nun auch auf eine baldige Rückkehr in die Nationalmannschaft?

Borowski: Natürlich würde ich mich über eine Einladung freuen und es ist auch mein Ehrgeiz, wieder in die Nationalmannschaft zu kommen. Aber im Moment mache ich mir darüber keine Gedanken.

bundesliga.de: Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie im Moment Hoffenheim Fußball spielen sehen?

Borowski: Das erinnert mich ein bisschen an das Double-Jahr in Bremen. Da haben wir ähnlich gespielt. Wir waren richtig gut drauf und hatten die gleiche Spielphilosophie. Man muss Respekt zollen, für das, was da in Hoffenheim geleistet wird. Das ist eine sehr gute, junge Truppe, die vor Ehrgeiz sprüht. Sie sind auf jeden Fall ernstzunehmen.

bundesliga.de: Halten Sie Hoffenheim auch für einen Titelkonkurrenten?

Borowski: Wer nach elf Spieltagen oben steht und in dieser Form ist, gehört natürlich zum Favoritenkreis.

Das Gespräch führte Michael Gerhäußer