Dortmund - Uli Hoeneß hat nach der 0:2-Pleite des FC Bayern beim BVB Klartext gesprochen. Und auch Jörg Butt findet im Interview mit bundesliga.de deutliche Worte.

Nach der dritten Saisonniederlage rangieren die Bayern satte zehn Punkte hinter ihrem Gegner aus Dortmund, sogar 13 Zähler hinter Spitzenreiter Mainz. Dabei war es vor allem die Art und Weise der Pleite beim BVB, die Jörg Butt bei bundesliga.de mit dem Kopf schütteln lässt.

bundesliga.de: Jörg Butt, der FC Bayern hatte sich viel für die Partie in Dortmund vorgenommen und steht einmal mehr mit leeren Händen da. Haben Sie eine Erklärung?

Jörg Butt: Wir haben in der ersten Halbzeit sicherlich ordentlich gespielt und hatten auch unsere Chancen, um in Führung zu gehen. Aber wir haben das Tor eben wieder einmal nicht gemacht. Dann haben wir ein Gegentor nach einem Einwurf bekommen, wo wir den Ball nicht vernünftig klären. Wenn Du auf diese Weise Tore kassierst und auf der anderen Seite selbst keine machst, dann wird es halt schwierig.

bundesliga.de: Warum konnten die Bayern das dominante Spiel der ersten Hälfte nicht fortsetzen in der zweiten Halbzeit?

Butt: Wir haben das Gegentor relativ früh in der zweiten Halbzeit gefangen. Danach haben wir es einfach nicht mehr geschafft, uns selbst weitere Chancen zu erarbeiten und den Gegner noch einmal unter Druck zu setzen.

bundesliga.de: Heißt das, das Offensivspiel ist zurzeit das größte Problem des FC Bayern?

Butt: Unsere Offensivleistung ist sicherlich ein großes Problem, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Wir tun uns schwer, Tore zu erzielen.

bundesliga.de: Und das zweite große Problem heißt Defensive?

Butt: Wir bekommen immer wieder zu viele einfache Gegentore. Wie gesagt, das erste Gegentor in Dortmund fällt nach einem Einwurf. Je länger man in Dortmund ein 0:0 halten kann, desto größer wird auch die Wahrscheinlichkeit, dort zu punkten. Aber dann müssen wir hinten auch besser aufpassen.

bundesliga.de: Macht sich die Mannschaft viele Gedanken über die Ursachen der aktuellen Krise?

Butt: Natürlich machen wir uns Gedanken. Aber immer nur nachzudenken, bringt uns auch nicht weiter. Letztlich müssen wir auf dem Platz die entsprechende Antwort geben. Wir müssen unsere Chancen entschlossener nutzen und wir müssen in der Defensive konzentrierter agieren. Aber das sagen wir schon die ganze Zeit, wir müssen es jetzt endlich auch mal umsetzen. Jeder Einzelne muss da bei sich anfangen. Es bringt nichts, wenn wir uns nach dem Spiel immer hinstellen und sagen, wir haben schön gespielt und nur ein bisschen Pech gehabt.

bundesliga.de: Ist denn jedem Spieler der Ernst der Lage bewusst? Oder ist das inzwischen auch eine Frage des Selbstvertrauens?

Butt: Wir haben vor ein paar Monaten das Finale der Champions League gespielt, da kann es nicht plötzlich am Selbstvertrauen mangeln. Das lasse ich nicht als Argument gelten. Aber wir müssen endlich aufwachen! Wenn bis jetzt noch nicht jedem klar ist, um was es hier geht, dann ist er fehl am Platze.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte