Nach der Saison ist vor der Saison - auch beim BVB laufen die Planungen auf Hochtouren. Bei bundesliga.de erklärt Sportdirektor Michael Zorc im zweiten Teil des großen Interviews, wie sich das Gesicht des Kaders verändern soll.

Die ersten Neuverpflichtungen für die kommende Spielzeit hat der BVB schon sicher. Was er sich von den fixen Verstärkungen Langerak, Piszczek und Kagawa sowie dem wahrscheinlichen Neuen Lewandowski erwartet, erklärt Michael Zorc bei bundesliga.de. Außerdem verrät der Sportdirektor, welche Rolle die WM in seinen Planungen spielt - und warum er keine Angst vor großen Einkaufstüten hat.

bundesliga.de: Michael Zorc, die Fußballnation fiebert der Weltmeisterschaft entgegen und blickt gespannt auf die deutsche Mannschaft. Sie hätten Ihren Torhüter Roman Weidenfeller jetzt sicher auch gern dort gesehen?

Michael Zorc: Wir hätten Roman und auch Mats Hummels gern bei der WM gesehen. Aufgrund ihrer Leistung hätten sie es beide verdient, dabei zu sein. Mats war über die gesamte Saison der beständigste Verteidiger in Deutschland. Aber der verantwortliche Trainer hat sich anders entschieden und das ist jetzt zu respektieren. Schließlich steht er dafür auch in der Verantwortung.

bundesliga.de: Bei der WM können sich BVB-Spieler wie Neven Subotic und Lucas Barrios präsentieren. Hat das auch etwas vom Vorspielen vor den großen Clubs?

Zorc: Natürlich wird es bei uns im Kader Veränderungen geben und wir haben ja auch bereits Neuverpflichtungen getätigt. Aber wir wollen eigentlich keinen unserer absoluten Leistungsträger abgeben. Das ist die Grundprämisse. Natürlich kann es immer Bereiche geben, in denen man nachdenken muss. Aber vorspielen muss aus unserer Sicht niemand.

bundesliga.de: Und Sie haben keine Sorge, dass bei starken Auftritten plötzlich die Clubs mit den großen Geldtüten vorbeikommen?

Zorc:(lacht) Dann müssen es aber schon sehr, sehr große Einkaufstüten sein.

bundesliga.de: Auch Nelson Valdez spielt für Paraguay bei der Weltmeisterschaft. Bei ihm sieht die Situation etwas anders aus...

Zorc: Wir haben eine Saisonanalyse gemacht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich nicht alles so entwickelt hat, wie beide Seiten es sich im Idealfall gewünscht hätten. Daher kann es bei Nelson Aktivitäten geben, was einen Transfer betrifft. Wir sind gesprächsbereit.

bundesliga.de: Verfolgen Sie selbst die WM vor Ort - auch mit dem Auge des Sportdirektors, der noch Ausschau nach weiteren Verstärkungen hält?

Zorc: Ich fliege nicht nach Südafrika, sondern werde die WM am Fernseher verfolgen. Natürlich sehr aufmerksam - aber seine Hausaufgaben sollte man schon vor so einem großen Turnier gemacht haben. Die Spieler, die dort einschlagen, liegen normalerweise nicht in unserer Preiskategorie.

bundesliga.de: Wie muss sich das Gesicht des Kaders zur neuen Saison verändern?

Zorc: Wir müssen die Spitze verbreitern. Wir hoffen, durch die Gruppenphase der Europa League mehr Spiele zu haben in der neuen Saison. Dann muss die Belastung anders verteilt werden, gerade bei den jungen Spielern. Wenn wir dann mal den einen oder anderen Wechsel vornehmen müssen, wollen wir keinen Qualitätsverlust erleiden.

bundesliga.de: Wenn man die Spitze verbreitert, kostet das aber auch Geld. Die Vorgabe der Geschäftsführung lautet, "kreativ und billig" einzukaufen.

Zorc:(lacht) Das ist ja nichts Neues. Und das bleibt auch weiterhin so. Wir haben den Etat um gut zwei Millionen Euro auf 35 Millionen Euro erhöhen können. Im Saldo von Einnahmen und Ausgaben können wir eine kleine Summe investieren. Aber generell geben wir nur das aus, was wir haben. An diesen Vorsatz werden wir uns wie in den vergangenen Jahren weiterhin halten.

bundesliga.de: Eine Ihrer wahrscheinlichen Neuverpflichtungen heißt Robert Lewandowski, der von Lech Posen kommen und für Tore sorgen soll.

Zorc: Er hat nachgewiesen, dass er Tore macht. Er ist zudem aber auch ein spielerisch starker Stürmer, der sowohl mit als auch für Barrios spielen kann. Er ist ganz vorne in der Spitze oder auch etwas dahinter einsetzbar. Robert hat sich Jahr für Jahr in der polnischen Liga gesteigert und ist nicht zufällig in diesem Jahr Torschützenkönig und mit seinem Club Meister geworden. Aber er ist auch erst 21 Jahre alt und ein entwicklungsfähiger Spieler.

bundesliga.de: Sollte der BVB demnächst über zwei treffsichere Stürmer verfügen, deutet sich dann eine Systemumstellung auf ein 4-4-2 an? Zuletzt hat die Mannschaft in einer 4-2-3-1-Formation gespielt.

Zorc: Sagen wir es einmal so: Es ist nicht notwendig, das System zu ändern. Aber das entscheidet der Trainer dann, wenn er die Eindrücke aus unserer Saisonvorbereitung hat. Man muss auch reagieren können. In dieser Saison haben wir auch das System umgestellt, als es sinnvoll war.

bundesliga.de: Auch bei den fixen Verstärkungen bleiben Sie bislang dem Trend treu, vor allem auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzen. Mit Mitchell Langerak fungiert künftig ein 21-Jähriger als zweiter Torhüter hinter Roman Weidenfeller.

Zorc: Da Marc Ziegler den Wunsch hatte, nach Stuttgart zu wechseln, hatten wir auf dieser Position Bedarf. Wir haben uns mit Mitch Langerak für ein junges, großes Talent aus Australien entschieden. Er macht einen hervorragenden Eindruck. Wir wollen ihn hier weiterentwickeln. Talent bringt er jedenfalls in Mengen mit und wir trauen ihm zu, auch im Profibereich direkt Fuß zu fassen.

bundesliga.de: Gilt Ähnliches auch für den Japaner Shinji Kagawa, der aus Osaka zum BVB wechselt?

Zorc: Shinji Kagawa ist ein sehr kreativer Spieler im Offensivbereich, der aber auch nicht in Schönheit stirbt. Im Gegenteil - er ist sehr torgefährlich. Aber auch er ist erst 21 Jahre alt, damit noch sehr jung, kommt aus einer ganz anderen Liga - wir müssen Geduld haben und abwarten, wie er sich an die doch robustere Spielweise in der Bundesliga gewöhnt und anpasst. Aber wir trauen ihm relativ zügig den Sprung zu.

bundesliga.de: Und Lukasz Piszczek kommt aus Berlin vor allem mit Blick auf die rechte Außenbahn?

Zorc: Wir wollten dort etwas tun, um auch auf dieser Position mit einer Doppelbesetzung in die Saison gehen zu können - auch mit Blick auf die Doppelbelastung durch Bundesliga und Europa League. Lukasz hat sich in Berlin sehr gut entwickelt und ist vielseitig einsetzbar, nicht nur auf der rechten Außenbahn.

bundesliga.de: Es scheint so, als hätten Sie Ihre Hausaufgaben tatsächlich schon rechtzeitig zur WM gemacht, um es mit Ihren eigenen Worten auszudrücken. Bleibt da etwa Zeit für eigenen Urlaub?

Zorc: Die Pause ist ja diesmal lang genug. Da sind tatsächlich mal ein, zwei Wochen Urlaub mit der Familie drin. Ich freu  mich drauf!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte