Leverkusen - Für Heung-Min Son war es so etwas wie ein Deja-vu. Der Angreifer von Bayer 04 Leverkusen hatte am 31. Januar beim Finale der Asien-Meisterschaft mit dem Schlusspfiff das 1:1 für Südkorea erzielt und so seinem Land den Traum vom ersten kontinentalen Titel seit 1960 erhalten.

In der Verlängerung gewann Australien und Sons Tor war nichts mehr wert. Gegen den VfL Wolfsburg traf der 22-Jährige nun sogar gleich dreimal innerhalb von nur elf Minuten, brachte die Werkself damit auf 3:4 heran und in ein schon klar verloren geglaubtes Spiel zurück (Spielbericht). Um am Ende erneut mit leeren Händen dazustehen. "Meine drei Tore zählen so nichts mehr. Auch wenn mir neun oder zehn Treffer gelungen wären, hätten sie heute keine Rolle gespielt. Tore sind nichts wert, wenn wir verlieren", sagte Son.

Erste Heimniederlage für Roger Schmidt

Viel mehr wollte er sich nicht entlocken lassen. Überhaupt waren die Leverkusener kaum zu Analysen bereit. Zu tief saß der Schock der späten Niederlage.

Einer am Ende unglücklichen, über die gesamte Spielzeit aber nicht unverdienten Niederlage. "In der ersten Halbzeit haben wir unglaublich schlecht gespielt. Ich hätte eine solche Leistung meiner Mannschaft nicht für möglich gehalten", sagte Roger Schmidt.

Der Trainer saß erstmals nach einem Spiel in der BayArena als Verlierer auf dem Podium der Pressekonferenz. Spät besiegelt wurde die erste Heimniederlage seit dem 2:3 gegen Hoffenheim am 23. März 2014, doch schon früh hatte sich diese auf eigenem Platz allererste Pleite überhaupt gegen Wolfsburg abgezeichnet. "Wir sind in der ersten Hälfte ganz schlecht in die Zweikämpfe gekommen und haben auch viele andere Fehler gemacht. Der VfL hat dann gute Spieler, die diese Fehler zu nutzen verstehen", sagte Torwart Bernd Leno.

Die Karten werden neu gemischt

So kassierte Bayer Leverkusen daheim gegen Wolfsburg nach zuvor 13 Siegen und vier Remis zum ersten Male eine Niederlage. Eine Niederlage, durch die auch Bernd Leno nun nicht mehr so recht weiß, wohin die Reise in dieser Saison geht. "Natürlich schauen wir weiter in Richtung der internationalen Plätze. Aber die Konkurrenz hinter uns schläft nicht. Wir müssen das in den Griff kriegen", sagte der 22-Jährige.

Noch ist Leverkusen Sechster, doch Hoffenheim und Werder liegen nur drei Punkte zurück (Tabelle). "Wir können unser Ziel erreichen, aber wenn wir weiter so spielen, dann wird es natürlich schwer", sagte Sportdirektor Rudi Völler. Am kommenden Wochenende geht es zum FC Augsburg und der Trainer kündigte an, auf das Wolfsburg-Spiel reagieren zu wollen. "Einige Spieler haben meinen Vertrauensvorschuss aufgebraucht, während sich andere im Training aufdrängen. Jetzt werden die Karten neu gemischt", sagte Roger Schmidt.

Thomas Schulz