Hamburg - David Jarolim ist der dienstälteste Profi beim Hamburger SV. Ein Derby gegen den FC St. Pauli vor heimischer Kulisse hat er aber in 226 Bundesliga-Spielen im Trikot mit der Raute auf der Brust auch noch nicht erlebt.

Kein Wunder also, dass das Top-Spiel am Sonntag () für den Tschechen keine Partie wie jede andere ist. "Natürlich spüren wir die Spannung, die in dieser Woche in der Luft liegt. Ich freue mich riesig auf das Derby”, erklärt Jarolim im bundesliga.de-Interview.

Er verrät auch, wie der Erzrivale zu bezwingen ist. Und den Kampf um die Europapokal-Plätze hat der Mittelfeldspieler noch lange nicht aufgegeben.

bundesliga.de: Herr Jarolim, Sie haben bereits 226 Bundesliga-Spiele für den HSV absolviert. Am Sonntag steht aber das erste Derby vor heimischer Kulisse an. Was erwarten Sie für eine Stimmung in der Imtech Arena?

David Jarolim: Ganz Hamburg fiebert diesem Spiel entgegen. Die Stimmung wird auf dem Siedepunkt sein. Es wird für die Fans und uns Spieler sicher kribbelig werden. Aber St. Pauli hat im letzten Bundesligaspiel gegen Köln gezeigt, was in der Mannschaft steckt. Wir müssen diesen Gegner trotz oder gerade wegen der Derby-Euphorie absolut ernst nehmen.

bundesliga.de: Wie gehen die Spieler mit diesem Derby um? Sind auch sie von dieser Faszination elektrisiert?

Jarolim: Natürlich spüren wir die Spannung, die in dieser Woche in der Luft liegt. Ich freue mich riesig auf das Derby. Das ist für mich und für jeden Spieler von uns etwas ganz besonderes. Wir sind somit dementsprechend fokussiert, im Derby gelten oft eigene Regeln, da muss jeder einzelne noch mehr an seine Grenzen gehen und um jeden Meter auf dem Feld fighten. Wichtig ist, dass wir den Kampf sowohl physisch als auch mental annehmen und Spielfreude zeigen.

bundesliga.de: Der HSV ist alleine schon von der Tabellenkonstellation her der Favorit: Wie muss sich Ihre Mannschaft gegen St. Pauli präsentieren, um dieser Stellung auch auf dem Rasen gerecht zu werden?

Jarolim: Jeder von uns muss 110 Prozent geben und die Psychologie, die in diesem Spiel steckt, annehmen und auf dem Platz umsetzen. Die Tabellenkonstellation spielt bei solch einem brisanten Derby eine untergeordnete Rolle. Entscheidend wird sein, wer die bessere Einstellung zu dem Spiel findet. Ein Derby lebt schließlich von seinen Emotionen. Trotzdem dürfen wir uns von der aufgeladenen Stimmung nicht anstecken lassen. Wir müssen auf dem Platz den Kopf und die Ruhe bewahren und uns auf unser Spiel konzentrieren. Dann bin ich auch davon überzeugt, dass wir unserer Favoritenrolle gerecht werden.

bundesliga.de: Der bisherige Saisonverlauf gleicht einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Immer wenn man dachte, der HSV hätte sich gefunden, gab es Dämpfer. Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf?

Jarolim: Mit der Hinrunde kann niemand von uns zufrieden sein. Wir konnten unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Allerdings sollten wir jetzt nicht zurück, sondern nach vorne schauen und uns auf eine gute Rückrunde konzentrieren. Wir haben noch alle Chancen, um einen Platz für den Europapokal zu erreichen. Daher sollten wir das Spiel in Nürnberg schnell abhaken und uns an den Spielen gegen Schalke und Frankfurt hochziehen. Wichtig ist, dass wir jetzt nicht nachlassen, sondern hungrig auf Punkte bleiben. Ich bin sicher, dass wir dann am Ende der Saison ein positives Resümee ziehen können.

bundesliga.de: Sie sind der dienstälteste Profi beim Hamburger SV, seit 2003 im Verein. Ist die aktuelle Mannschaft die stärkste, in der Sie bisher gespielt haben?

Jarolim: Wenn man sich anschaut, welch hohe Qualität in dem aktuellen Kader steckt, würde ich ja sagen. Bei uns sitzen ja nicht umsonst Spieler auf der Bank, die in den meisten Bundesligamannschaften vermutlich Stammspieler wären. Allerdings hatten wir viel Verletzungssorgen, die dazu geführt haben, dass wir unser ganzes Potenzial noch nicht zeigen und auf dem Platz umsetzen konnten. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir dazu in der Lage sind, mit dieser Mannschaft in der Rückrunde noch viele Punkte zu holen.

bundesliga.de: Es sind nur vier Punkte Abstand auf die Europa-League-Plätze, sechs auf die zur Champions League. Was ist für den HSV in dieser Saison noch möglich?

Jarolim: Zunächst sollten wir uns darauf konzentrieren, Konstanz und Stabilität in unser Spiel zu bekommen und von Spiel zu Spiel zu denken. Über die Champions League sollten wir erst einmal nicht sprechen, auch wenn jeder von uns sich sehr die Teilnahme sehr wünscht. Wenn wir dauerhaft das abrufen können, was wir in der Lage sind zu spielen, dann glaube ich, dass uns die Qualifikation für die Europa League noch gelingen wird. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre ein Derbysieg am Sonntag natürlich schon einmal ganz hilfreich.

Die Fragen stellte Michael Reis