Hamburg - Das Blitzlichtgewitter war groß, als Michael Oenning am Montagvormittag (14.03.11) vor die wartenden Journalisten trat und auf dem Podium in der Imtech Arena Platz nahm. Als neuer Cheftrainer soll der ehemalige Co-Trainer den Verein aus der aktuellen Lage führen. Ruhig und abgeklärt beantwortete der 45-Jährige die Fragen der Medienvertreter auf der Pressekonferenz. "Als Psychologe werde ich diese Woche gefordert sein", verkündete er. Außerdem sprach er über...

...die fehlende Gegenwehr in München: Wir haben nicht schlecht angefangen. In den ersten 30 Minuten wusste man nicht, wo es hingeht. Doch was dann passiert, das ist auch Sport. Das sind die Mechanismen, die natürlich der Situation geschuldet sind. Wenn die Dämme brechen, denkt keiner, dass man es einfach laufen lässt. Es ist eine besondere Situation, in der die Köpfe einfach nicht frei sind. Wir müssen wieder anfangen, unseren Bereich, den rein sportlichen, wieder abzudecken, und dort Leistung zu bringen.

...die Aufgaben in dieser Woche: Die Niederlage hat weh getan, denn es war keine normale Niederlage. Die Klatsche liegt noch in den Knochen. Aber es ist nicht so, dass die Mannschaft am Boden liegt und sagt, wir können keinen Fußball spielen. Es wird meine Aufgabe sein zu vermitteln, dass wir das Potenzial haben und wir viele Dinge selber regeln können. Es ist ein Unterschied, wenn eine Mannschaft sich selber helfen kann, oder ob du darauf angewiesen bist, dass alles zusammenkommen muss, um erfolgreich zu sein. Diese Woche werde ich stark als Psychologe gefragt sein.

...die Aussagen von Frank Rost: Ich habe mit Frank gestern sehr lange gesprochen und mir die Zeit genommen, mich mit ihm so auseinanderzusetzen, wie er es verdient hat, weil er jemand ist, der Gewicht hat. Er ist ein Spieler, der wirklich sagen kann, dass er seinen beruflichen Werdegang und auch die Bundesliga geprägt hat. Das heißt, man darf es nicht einfach wegwischen und sagen, das darfst du nicht. Was er gemacht hat, geht nicht und das darf er formal auch nicht machen. Er ist Spieler und muss anständig verlieren. Es steht ihm in keiner Weise zu, sich so zu äußern. Mir war es aber wichtig, herauszufinden, was ihn dabei geritten hat, was da los ist. Entscheidend war für mich, dass er auch gesagt hat, dass es in dieser Form ein Fehler war. Das heißt nicht, dass er nicht zu seinen Aussagen steht. Für den sportlichen Bereich habe ich es geklärt: Für mich steht er im Tor. Es muss geklärt werden, wie wir dazu stehen. Das werden wir noch einmal mit der Mannschaft besprechen.

...sein Verhältnis zu Armin Veh: Armin und ich sind eng miteinander verbunden. Ich war auch Bestandteil der Arbeit mit ihm. Ich kann mich davon nicht trennen und werde mich da auch nicht rausziehen. Armin hat gute Arbeit gemacht. Das es jetzt einen Schritt gegeben hat, das ist die Entscheidung, die ich mittragen muss. Das ist das System. Ich hätte es viel lieber gehabt, wenn wir zusammen erfolgreich sind.

...den weiteren Saisonverlauf: Mit 37 Punkten sind wir in der Lage, unsere sportliche Bilanz weiter zu verbessern. Wir stecken nicht im Abstiegskampf. Trotzdem haben wir ja auch unseren Anspruch. Es ist aber nicht angebracht, die Weltuntergangsstimmung zu übertragen, oder uns zu Eigen zu machen. Wir können sagen: Wo stehen wir denn und was können wir machen? Dann ist in acht Spielen noch eine Menge möglich. Wir können uns von den Sachen frei machen.

...die möglichen Saisonziele: Ich denke, wir sind schlecht beraten, jetzt irgendwelche Ziele auszugeben. Und das werden wir auch nicht machen. Unser konkretes Ziele ist es immer, zu gewinnen und guten Fußball zu spielen. Doch der erste Schritt muss nun sein, eine Reaktion zu zeigen: Wir als Mannschaft lassen das nicht auf uns sitzen.

...seine Ziele als HSV-Trainer: Ich bin nicht blauäugig. Natürlich wird es davon abhängen, Ergebnisse zu liefern und sportlich dahin zu kommen, wo man gerne wäre. Dafür werde ich alles tun. Ich werde dafür meine Ideen und meine Vorstellungen einbringen und die Aufgabe so gut und solange es geht erfüllen.

...seine Art des Fußballs: Ich mag den offensiven Fußball. Ich habe es gerne, wenn man die Dinge selber für sich aktiv regeln kann. Ich schieße lieber Tore als mich hinten reinzustellen und sie zu verhindern. Das ist eine Grundeigenschaft, die man in sich hat. Aber es kommt auch immer darauf an, in welcher Situation man sich befindet und was man zur Verfügung hat.

...mögliche Änderungen gegen Köln: Natürlich habe ich meine Vorstellungen. Ich denke aber, wir sind gut beraten, erst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen. Wie setze ich das Puzzleteil zusammen? Jeder Spieler hat bestimmte Bedürfnisse und seine eigenen Gedanken, die nicht deckungsgleich mit denen des Trainers sein müssen. Armin und ich hatten eine Idee, wie wir Fußball spielen wollen. Das werde ich jetzt nicht alles ändern. Ich bin kein Freund von Aktionismus. Nur wenn Dinge der Vernunft entspringen, werde ich sie ändern.