Nach dem hart erkämpften, am Ende etwas glücklichen 2:1-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg schlenderte Toni Kroos gut gelaunt durch die Katakomben der BayArena. In den Händen hielt er einen riesigen bunten Blumenstrauß.

Den hatte der 20-jährige Ausnahmefußballer bereits vor dem Anpfiff bei seiner Auszeichnung als bester Bundesliga-Spieler des Monats Januar überreicht bekommen. Entspannt stellte er sich dann den Interviewfragen von bundesliga.de.

bundesliga.de: Toni Kroos, im Gegensatz zu den vergangenen Wochen musste Bayer Leverkusen im Titeldreikampf einmal vorlegen. Meister Wolfsburg wurde 2:1 geschlagen, die Tabellenführung verteidigt. Wie ist die Mannschaft mit der Situation umgegangen?

Toni Kroos: Das war keine neue Situation für uns. Wir haben wieder nur auf unser Spiel geguckt und das zum Glück gewonnen. Wir haben geduldig gespielt. Es war insgesamt ein verdienter Sieg, weil wir die spielbestimmende Mannschaft waren, auch wenn wir bis zum 1:0 nicht die hundertprozentigen Torchancen hatten. Dafür hatten wir einige Schussmöglichkeiten. In der ersten Halbzeit hatte ich selbst zwei. Da hätte mit ein bisschen Glück bereits ein Tor fallen können. Wir sind ruhig geblieben, weil wir wussten, dass Wolfsburg nach wie vor großes Offensivpotenzial besitzt.

bundesliga.de: Wenn Bayern München auf die Art und Weise gewonnen hätte wie Leverkusen gegen Wolfsburg, hätten sicher wieder einige von einem Duselsieg gesprochen. Zwei Tore fast aus dem Nichts in Form von zwei halben Eigentoren des Gegners, Glück bei zwei Wolfsburger Riesenchancen und leichtem Abwehrchaos am Ende. Hinkt der Vergleich?

Kroos: Ich glaube nicht, dass unsere Tore aus dem Nichts gefallen sind. Wir haben sicher von einem Torwartfehler profitiert. Den nehmen wir mit. Wir waren aber schon in der ersten Halbzeit, wie gesagt, die spielbestimmende Mannschaft. Es ist auch normal, dass eine Mannschaft wie Wolfsburg nach dem Anschlusstor zehn Minuten vor Schluss noch einmal aufkommt. Doch da herrschte kein Chaos bei uns. Wolfsburg hatte noch eine große Chance, die dürfen wir nicht zulassen. Sonst ist aber nicht viel angebrannt.

bundesliga.de: Bayer hat seine Serie an ungeschlagenen Spielen auf jetzt 22 ausgebaut und 14 Punkte Vorsprung auf Platz 6. Der anvisierte Europapokalplatz rückt immer näher.

Kroos: Ja, mit jedem Sieg kommen wir unserem Ziel näher. Wir haben noch zwölf Spiele zu spielen und eine gute Ausgangssituation.

bundesliga.de: Merken Sie, dass der Druck auf die Mannschaft steigt, je näher sich die Saison ihrem Ende nähert?

Kroos: Nein. Der Druck ist nach wie vor da. Der wird auch noch bleiben. Aber wir sind bisher damit gut umgegangen und werden das auch weiterhin tun.

bundesliga.de: Bayer Leverkusens nächster Gegner ist Werder Bremen. Die Bremer haben jetzt in einer Woche drei Spiele gewonnen und wieder in die Spur zurückgefunden. Da erwartet Sie eine schwere Aufgabe, oder?

Kroos: Stimmt. Bremen ist eine gute Mannschaft, die ähnlich wie Wolfsburg auch über großes Offensivpotenzial verfügt, aber in der Defensive zuletzt einige Probleme hatte. Das wird sicher ein schweres Auswärtsspiel.

bundesliga.de: Halten Sie es für möglich, dass Bayer die ganze Saison ungeschlagen bleibt?

Kroos: Ich weiß nicht, ob es möglich ist. Wir wollen es aber auf alle Fälle versuchen.

bundesliga.de: Im Rheinland steuert der Karneval am Rosenmontag seinem Höhepunkt entgegen. Dürfen die Bayer-Kicker ein bisschen feiern?

Kroos: Es gibt vom Verein keine Ansage. Montag ist bei uns wie immer trainingsfrei. Aber ich bin ohnehin kein großer Karnevalsjeck.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski