Hannover - Hannover 96 hat einen guten Start in die neue Saison erwischt. Dem 2:2 zum Auftakt gegen Schalke ließ die Mannschaft von Mirko Slomka ein spektakuläres 4:0 im Niedersachsenderby beim VfL Wolfsburg folgen. Seit zwei Jahren gehört Lars Stindl zu den Stammspielern und Leistungsträgern bei "96". Der 24-Jährige sprach mit bundesliga.de über die positive Entwicklung in Hannover, die Stärken der Mannschaft und die Ziele in dieser Saison.

bundesliga.de: Herr Stindl, nach dem 4:0-Auswärtssieg im Derby beim VfL Wolfsburg dürfte die Stimmung in Hannover ziemlich gut sein.

Lars Stindl: Stimmt. Die Stimmung ist nach der sehr guten Vorstellung in Wolfsburg natürlich hervorragend.

bundesliga.de: Wie überraschend kommt für Sie diese großartige Frühform? Was macht die Stärke von "96" aus?

Stindl: Unsere Stärke ist derzeit, dass wir regelmäßig viele Tore schießen und auch viele verschiedenen Torschützen haben. In der Saisonvorbereitung im Sommer hat der Trainer Wert darauf gelegt, dass wir mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld heraus entwickeln und mehr Spieler als in der vergangenen Saison zu den Torschützen zählen. Wir haben trainiert, dass die Mittelfeldspieler zielstrebiger werden, durchlaufen, den Bällen hinterher gehen, auf den Pfosten gehen. Das funktioniert bislang sehr gut.

bundesliga.de: In der Bundesliga zählten Sie noch nicht zu den Torschützen. Woran liegt es?

Stindl: Dafür habe ich aber bereits in der Europa League getroffen. Aber an der Torausbeute muss ich sicher noch arbeiten. In der vergangenen Saison habe ich in der Bundesliga zwei Treffer erzielt, sicherlich ist da noch Luft nach oben. Ich arbeite daran, aber ich mache mir da auch nicht großartig Gedanken.

bundesliga.de: Sie sind jetzt seit zwei Jahren in Hannover und haben Ihren Anteil am für viele überraschenden Höhenflug als Stammspieler gehabt. Hätten Sie gedacht, dass der Verein diese positive Entwicklung nehmen würde?

Stindl: Mir war nach meinem Wechsel vom KSC nach Hannover bewusst, dass die Mannschaft mit dem Fast-Abstieg eine schwierige Phase durchgemacht hat. Die Vorbereitung war dementsprechend auch ziemlich holprig. Aber wir haben dann eine Trotzreaktion gezeigt. Wir sind in einen Lauf gekommen und haben eine richtig gute Entwicklung genommen. Wir haben auch ein richtig gutes Team, unsere Entwicklung ist ganz bestimmt noch nicht abgeschlossen.

bundesliga.de: Welches Erfolgsgeheimnis steckt dahinter? Ist es die Geschlossenheit einer Mannschaft, die ohne Superstars auskommt?

Stindl: Ja. Wir haben ganz einfach eine gute Atmosphäre in der Mannschaft. Wir verstehen uns auf und neben dem Platz gut. Keiner gibt weniger, alle ziehen mit. Wir haben ein gutes Mannschaftsgefüge, einem gesunde Hierarchie. Auf diese Weise haben wir auch schon schwierige Phasen überstanden. Die Mannschaft harmoniert einfach.

bundesliga.de: Hat die Mannschaft in der vergangenen Saison noch einen weiteren Schritt nach vorne gemacht, obwohl sie in der Bundesliga etwas schlechter abgeschnitten hat?

Stindl: Ich denke schon. Die zweite Saison ist sogar noch etwas höher einzuschätzen. Wir haben das überraschend gute Abschneiden von 2011 bestätigt und eine richtig überzeugende Runde in der Bundesliga und in der Europa League gespielt. Wir haben unsere große Qualität bestätigt.

bundesliga.de: Und jetzt ist auch noch ein Spieler wie Szabolcs Huszti dazugekommen, der im Derby in Wolfsburg vier Tore aufgelegt hat.

Stindl: Der Szabi ist ein richtig guter Kicker. Er war ja schon früher ein paar Jahre in Hannover und hat sich hier wieder gleich eingefunden und in die Mannschaft eingefügt. Er spielt überragend. Wir freuen uns sehr, dass er wieder da ist. Im Training und im Spiel kann man sich einiges von ihm abgucken. Seine Pässe, seine Technik, sein Auge für die Mitspieler.

bundesliga.de: Ist die Mannschaft jetzt noch stärker als im Vorjahr? Was ist drin in dieser Saison?

Stindl: Wir spielen ja fast mit derselben Mannschaft. Wir haben wie gesagt sehr viel Qualität in der Mannschaft, alleine in der Offensive haben wir mit den fünf Topstürmern eine hohe Dichte. Ich bin überzeugt davon, dass wir wieder eine gute Runde spielen werden, wenn wir das beherzigen, was uns in den vergangenen beiden Jahren stark gemacht hat, national wie international. Wir haben keine konkrete Platzierung ausgegeben und sind auch im vergangenen Jahr gut damit gefahren, von Spiel zu Spiel zu denken. Aber wir wollen uns auf alle Fälle in der oberen Tabellenhälfte bewegen.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer eigenen Entwicklung?

Stindl: Meine Erwartungen haben sich erfüllt. Ich habe regelmäßig gespielt und mich fußballerisch und als Persönlichkeit weiterentwickelt. Aber da geht noch mehr. Beispielsweise kann ich sicher noch beim Tore schießen zulegen.

bundesliga.de: Jetzt macht die Bundesliga wegen der WM-Qualifikation Pause. Danach steht das nächste Derby an. Werder Bremen kommt nach Hannover.

Stindl: Die Länderspielpause wird uns guttun. Wir können jetzt die ersten Spiele und den Saisonstart ein bisschen sacken lassen. Dann gilt unsere volle Konzentration dem nächsten Nordderby, diesmal gegen Werder Bremen, das eine gute Mannschaft hat. Wir wissen um die Stärken der Bremer, wollen aber unsere Heimstärke bestätigen.

bundesliga.de: Hannover ist seit über einem Jahr daheim ungeschlagen. Wie erklären Sie sich diese Heimstärke?

Stindl: Es macht immer einen besonderen Spaß vor dieser Kulisse zu spielen. Die Unterstützung der Fans ist sensationell, das haben wir auch bei den Auswärtsspielen in der Europa League genossen. Es ist ein fantastisches Gemeinschaftsgefühl entstanden. Bei uns freut sich jeder auf die Heimspiele.

bundesliga.de: Sie sprechen die Europa League an. Wie stark schätzen Sie die Gruppe mit Enschede, Levante und Helsingborg ein?

Stindl: Das ist eine sehr reizvolle Gruppe. Spanien, Holland und Schweden sind interessante Reiseziele. Ich beobachte den internationalen Fußball und habe mitbekommen, dass Enschede Tabellenführer in Holland ist. Levante hat mit Christian Lell und Theofanis Gekas zwei frühere Bundesliga-Spieler unter Vertrag. Ich freue mich auf die Gruppe, die wir unbedingt meistern wollen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski