Rom - Sein Name war die große Überraschung in der Aufstellung des FC Bayern München in der Champions-League-Partie beim AS Rom: Thomas Kraft. Trainer Louis van Gaal spendete der etatmäßigen Nummer eins Jörg Butt eine Auszeit und verhalf Kraft somit zu seinem Debüt in der "Königsklasse".

Der 22-Jährige bewahrte sein Team mit Glanzparaden vor weiteren Gegentoren, avancierte dann aber zum tragischen Helden, als er Marco Borriello zum siegbringenden Elfmeter von den Beinen holte.

"Wir haben uns einfach aus dem Rhythmus bringen lassen, haben uns sehr schwer getan - und am Ende mit dem Elfmeter auch ein bisschen unglücklich verloren", analysierte Kraft im bundesliga.de-Interview das 2:3 in Rom. Zudem erklärt er, warum sein Einsatz keinesfalls so überraschend kam und warum er sich einen Rüffel des Innenverteidiger-Duos van Buyten/Demichelis eingefangen hat.

bundesliga.de: Herr Kraft, darf man trotz der Niederlage zu einem gelungenen Debüt gratulieren?

Thomas Kraft: Natürlich bin ich froh, dass ich gespielt habe. Aber ich bin auch sehr verärgert, dass wir das Spiel nach einer 2:0-Führung noch verloren haben.

bundesliga.de: Sie hatten das Spiel ja vor sich - was hat den Ausschlag für die Niederlage gegeben?

Kraft: Wir haben in der zweiten Halbzeit die Kontrolle verloren. In dieser Phase hat die Roma sehr viel Druck erzeugt. Und dann hat sich das Spiel gedreht.

bundesliga.de: Fehlten, den sicheren Sieg vor Augen, ein paar Prozente der nötigen Konzentration?

Kraft: Nein, da fehlten überhaupt keine Prozente. Wir haben uns einfach aus dem Rhythmus bringen lassen, haben uns sehr schwer getan - und am Ende mit dem Elfmeter auch ein bisschen unglücklich verloren.

bundesliga.de: Wann haben Sie erfahren, dass Sie gegen den AS Rom spielen würden?

Kraft: Der Trainer hat mich in der vergangenen Woche schon informiert. Das hat mich sehr gefreut. Es ist ja auch immer besser, wenn man sich länger auf so eine Partie vorbereiten kann.

bundesliga.de: Wie haben Sie die Situation erlebt, die zum Elfmeter führte?

Kraft: Ich konnte den Ball nur schwer einschätzen und habe mich vielleicht einen Tick zu spät entschieden, aus dem Tor zu kommen. Aber Borriello macht das dann auch sehr clever und fädelt geschickt ein.

bundesliga.de: Sie hatten extrem viele Ballkontakte, da in der Abwehr sehr viel gepasst und hinten herum gespielt wurde. War das für Sie eher ungewöhnlich?

Kraft: Nein, da hatte ich schon Spiele mit mehr Ballkontakten.

bundesliga.de: Aber Daniel van Buyten und Martin Demichelis haben Sie auch ab und an etwas böse angeschaut...

Kraft: ...und das zu Recht. Es gab zwei, drei Situationen, in denen ich den Ball hätte lang rausschlagen müssen.

Aus Rom berichtet Michael Reis