Die Zuschauer, die bei nasskaltem Wetter in die AWD-Arena gepilgert waren, mussten ihr Kommen in keiner Weise bereuen. Hannover 96 und Bayer Leverkusen lieferten sich eine abwechslungsreiche Partie - ein 0:0 der besseren Art. Der Torjubel blieb Anhängern beider Mannschaften mehrmals im Halse stecken.

"Es hätte auch 3:3 ausgehen können", beschrieb Jupp Heynckes "ein kurioses Spiel". Doch das hatten die Torhüter nicht zugelassen. Hannovers Florian Fromlowitz und Bayers Rene Adler erwiesen sich als Meister ihres Fachs.

Heynckes mit Punktgewinn zufrieden

"Wir haben kurz vor der Pause zwei Großchancen liegenlassen. Daher mussten wir am Ende unnötig zittern. Hannover war nicht nur läuferisch und kämpferisch stark, sondern auch spielerisch und insgesamt einen Tick besser. Daher müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein", lobte der Trainer von Bayer Leverkusen den Gegner.

Sein Gegenüber Andreas Bergmann bescheinigte seinem Team eine "tolle Leistung. Wir waren die etwas bessere Mannschaft. Aber wir müssen gegen eine spielstarke Mannschaft wie Leverkusen mit dem Punkt zufrieden sein."

Das sah auch 96-Kapitän Arnold Bruggink so: "Wir haben diszipliniert gespielt. Man hat gesehen, dass wir mithalten können, aber wir können gegen so ein starkes Team wie Bayer Leverkusen nicht blind nach vorne rennen."

Schlaudraff noch nicht "fit für 90 Minuten"

Für Jan Schlaudraff, der nach seiner langen Verletzungspause 15 Minuten vor Ende der Partie sein umjubeltes Comeback feierte, haben die Gastgeber zwei Punkte verschenkt.

"Wir waren die bessere Mannschaft und haben uns selbst nicht belohnt", ärgerte sich der Stürmer, der hofft, bald wieder "fit für 90 Minuten zu sein, um der Mannschaft helfen zu können. Immerhin haben wir jetzt drei Spiele lang nicht getroffen. Da müssen wir ansetzen."

Die Partie am kommenden Wochenende gegen seinen Ex-Club Borussia Mönchengladbach "kommt zu früh für einen Einsatz über die volle Spielzeit", bedauert der 26-Jährige.

"Wollen unbedingt Herbstmeister"

Die Spieler des weiter ungeschlagenen Spitzenreiters ärgerten sich über zwei liegen gelassene Punkte. "Wir haben sauschlecht gespielt", zeigte sich Top-Torjäger Stefan Kießling angefressen.

"Wir wollten drei Punkte", gab Adler zu: "Aber dafür haben wir heute zu schlecht gespielt. Jetzt müssen wir in Berlin gewinnen, denn wir wollen unbedingt Herbstmeister werden."

Bergmann: Bayer besser als Bayern

Ein Ziel, das auch der FC Bayern München verfolgt. 96-Trainer Bergmann, der eine Woche vor dem 0:0 gegen den ungeschlagenen Tabellenführer an gleicher Stätte gegen den Top-Favoriten von der Isar 0:3 verloren hatte, vergleicht für bundesliga.de die beiden Meisterschaftskandidaten und sieht Leverkusen zu Recht an der Tabellenspitze: "Bayer ist in der Defensive besser geordnet als die Bayern. Nach vorne haben beide Teams ihre Qualitäten."

"Wenn ich mir aus den beiden Mannschaften Spieler aussuchen dürfte, das wäre eine lange Wunschliste für Weihnachten", ist der 50-Jährige ein wenig neidisch auf die Möglichkeiten, die sich seinen Kollegen Heynckes und Louis van Gaal bieten.

"Wir können es noch besser"

Heynckes, der in der Schlussphase der vergangenen Saison Jürgen Klinsmann auf der Bayern-Bank abgelöst und die Münchner in die Champions League geführt hatte, wollte keinen Vergleich ziehen, da der FC Bayern 2009/10 nicht derselbe sei wie im Vorjahr: "Ich konzentriere mich auf Leverkusen."

"Ich will nicht drohen. Aber wir haben vier langzeitverletzte Nationalspieler. Wenn die wieder da sind...", überlässt es der mit 64 Jahren älteste Trainer der Liga jedem selbst, den Satz zu vollenden, um nach einer Pause fortzufahren: "Wir können es noch besser!"

Eine klare Kampfansage eines Ungeschlagenen an die Konkurrenten im Kampf um den Titel.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs