Hannover - Verkehrte Welt in Hannover: Vor vier Monaten gelang es den 96ern erst am letzten Spieltag der Saison, mit einem 3:1 im "Abstiegs-Finale" beim VfL Bochum den Gang in die Zweite Liga zu verhindern.

Von vielen Experten wurde der Klub vor der aktuellen Spielzeit als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt - und nun starteten die Niedersachsen so gut in die Saison wie nie zuvor in ihrer Bundesliga-Geschichte.

Ärger über den späten Ausgleich

Doch freuen mochte sich niemand: "Das 2:2 tut weh", beschrieb Karim Haggui die Gefühle der Gastgeber, denn nach den 2:1-Erfolgen über Eintracht Frankfurt und auf Schalke lagen "die Roten" auch gegen Bayer Leverkusen mit demselben Ergebnis vorn und träumten vom dritten "Dreier" in Folge.

Bis Patrick Helmes sich eine Minute vor Ende der Partie als Spielverderber erwies, mit einem verwandelten Freistoß den Traum zerstörte und dem großen Favoriten aus Leverkusen einen Punkt rettete.

Obwohl Hannover nach der Gelb-Roten Karte für Abwehrchef Emanuel Pogatetz (37.) - bis dahin eine große Stütze seiner Mannschaft - fast eine Stunde mit einem Mann weniger agieren musste, ließen die Gastgeber kaum eine Torchance zu.

"Kompliment an 96"

"Kompliment an 96, da läuft einer für den anderen. Wir haben auch gegen zehn Mann kein Mittel gefunden. Das hat 96 gut gemacht", lobte Bayer-Coach Jupp Heynckes und war von der Leistung der Hannoveraner keineswegs überrascht: "Wir hatten 96 natürlich beobachtet. Die Siege gegen Frankfurt und Schalke waren kein Zufall. Auf Schalke hätte Hannover sogar höher gewinnen können."

"Wir wollten über den Kampf zum Spiel kommen. Das hat gut geklappt", beschrieb Haggui gegenüber bundesliga.de die Taktik der Hannoveraner. "Wir haben gut gespielt. Es fiel überhaupt nicht auf, dass wir eine Stunde nur mit zehn Manngespielt haben. Das beweist: Wir haben Qualität!"

Das sieht auch Sofian Chahed so: "Wir spielen guten Fußball", sagte der tunesische Nationalspieler, der sich nicht sicher ist, wohin der Weg des vermeintlichen Abstiegskandidaten führt: "Es war ein guter Start, aber es ist viel zu früh eine Prognose abzugeben."

"Müssen das Positive mitnehmen"

"Der Ausgleich in letzter Minute war bitter", gestand Sergio Pinto ein, blickte aber gleich nach vorn: "Wir müssen das Positive mitnehmen. Wenn wir immer so auftreten, werden wir noch viele Spiele gewinnen."

Abheben dürfe man nach dem besten Saisonstart in der Bundesliga-Geschichte aber nicht, warnte der Portugiese mit deutschem Pass: "Eines ist klar: Sieben Punkte nach drei Spielen ist gut, so kann es gerne weitergehen. Aber es muss jedem klar sein: Jeder Punkt ist ein Punkt für den Klassenerhalt."

Jürgen Blöhs