Marcel Schmelzer gehört unter Thomas Tuchel zu den großen Gewinnern bei Borussia Dortmund und zeigt sich momentan in hervorragender Verfassung - © © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Simon
Marcel Schmelzer gehört unter Thomas Tuchel zu den großen Gewinnern bei Borussia Dortmund und zeigt sich momentan in hervorragender Verfassung - © © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Simon
Bundesliga

Schmelzer: "Wir haben nichts zu verschenken"

Dortmund - Stille Wasser sind tief, sagt man. Und was im Volksmund gilt, trifft auch im Profifußball hin und wieder zu. Wie bei Marcel Schmelzer. Der linke Außenverteidiger von Borussia Dortmund ist alles andere als ein Lautsprecher, nicht im Wort- und auch nicht im übertragenen Sinn, als Alleinunterhalter auf dem Rasen.

"Tuchel legt Wert auch auf kleinste Details"

Dennoch hat Schmelzer etwas zu sagen und weiß das zu artikulieren. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht er über den Aufschwung des BVB, über Thomas Tuchel und Jürgen Klopp, und über seine eigene Perspektive.

bundesliga.de: Herr Schmelzer, nach dem 2. Spieltag und dem zweiten 4:0 in Folge sollen Sie gesagt haben, dass der Saisonstart kaum besser hätte laufen können. Zwei Spiele weiter zeigt sich, dass es beim BVB aktuell immer noch besser geht.

Marcel Schmelzer: Ich kann mich zwar nicht entsinnen, das so gesagt zu haben, aber es ist keine Frage, dass wir sehr gut in die Liga gestartet sind und unsere bisherigen Ziele erreicht haben. Vier Siege in vier Spielen in der Bundesliga sind wohl sogar etwas mehr als man sich anfangs erhofft hätte. Noch dazu haben wir diese Siege nicht glücklich, sondern dank überzeugender Leistungen erzielt, so dass die volle Punktzahl gerechtfertigt ist. Allerdings wissen wir, dass wir für diese ersten Erfolge in den vergangenen Wochen sehr hart arbeiten mussten.

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"Wir sollten sehr behutsam bleiben"

bundesliga.de: Für viele ist der BVB nun bereits wieder der Bayern-Herausforderer Nummer Eins. Wie sehen Sie das?

Schmelzer: Damit sollte man so früh in der Saison sehr vorsichtig sein. Hätten wir in der vergangenen Spielzeit am 4. Spieltag in Mainz gewonnen, als Ciro Immobile leider einen Elfmeter verschossen hat, wären wir ebenfalls Tabellenführer gewesen, wenn auch nicht mit vier Siegen. Stattdessen ist es für uns damals immer weiter bergab gegangen. Das zeigt, wie schnell sich die Dinge im Fußball drehen können. Deshalb sollten wir sehr behutsam bleiben und zunächst wirklich nur von Spiel zu Spiel denken.

bundesliga.de: Haben Sie damals gespürt, dass etwas zu Ende geht, oder haben Sie die schlechten Ergebnisse lediglich für eine vorübergehende Krise gehalten?

Schmelzer: Für mich war der Rücktritt von Jürgen Klopp ein Riesen-Schock. Ich habe während meiner gesamten bisherigen Profilaufbahn mit Klopp zusammengearbeitet und habe ihm viel zu verdanken. Er hat mir die Möglichkeit gegeben im Profifußball überhaupt erst Fuß zu fassen. Für uns alle war das damals eine "normale" Krise, wie sie einen Fußballverein schon einmal ereilen kann. Allerdings eine, die etwas länger gedauert hat,  da wir in der Hinrunde bis auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht waren. Dennoch hat keiner von uns daran gedacht, dass der Trainer entlassen werden oder zurücktreten könnte. Der Fokus lag immer darauf den Karren, den wir selbst in den Dreck gefahren hatten, in der Rückrunde wieder herauszuziehen.

bundesliga.de: Sie konnten wegen einer Verletzung nur 22 Spiele absolvieren...

Schmelzer: ... davon 16 in der Rückrunde. Ich hatte lange mit einem Handbruch zu kämpfen, so dass ich erst kurz vor der Winterpause wieder ins Team gerutscht bin. Generell war 2014 für mich kein besonders gutes Jahr. Dann aber habe ich eine gute Vorbereitung absolviert und - wie ich finde - eine gute Rückrunde gespielt. Das mag vielleicht nicht so aufgefallen sein, weil wir das Feld von hinten aufrollen mussten. Wenn man dagegen auf Platz eins steht, liegt das Augenmerk möglicherweise eher auf einem.

bundesliga.de: Nach vier Spielen gehören Sie jetzt wieder zu den absoluten Leistungsträgern des BVB.

Schmelzer: Mag sein. Ich glaube aber, dass ich aus der Nummer, dass die Kritiker mich immer eine halbe Note schlechter bewerten als mein Spiel tatsächlich ist, nicht mehr herauskommen werde. Letztlich aber zählt ohnehin nur, dass ich aktuell in einer guten Verfassung bin, deshalb entsprechende Leistungen abliefern kann und dass das im Verein anerkannt wird.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass diese ungerechte Bewertung daran liegt, dass Ihr Spiel nicht so spektakulär ist und dass Sie eher ein introvertierter Typ sind?

Schmelzer: Vermutlich ja. Ich denke, dass diese beiden Punkte eine Rolle spielen. Es wirkt einfach anders, wenn einer in seinem Spiel das eine oder andere Kabinettsstückchen zeigt. So bin ich aber nun einmal nicht. Ich bin als Verteidiger zum BVB gekommen und es ist meine allererste Aufgabe das Tor meiner Mannschaft zu sichern. Alles was darüber hinaus geht ist die Kür. So ist der Fußball heute eben auch...

bundesliga.de: ...große Unterhaltung?

Schmelzer: ...und eine noch größere Show als noch vor einigen Jahren. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber der Fokus liegt so automatisch eher auf den Spielern, die - aus welchen Gründen auch immer - mehr herausstechen und auffallen als die, die "nur" ihre Arbeit machen.

"Wir haben nichts zu verschenken"

- © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Hofmann