Köln - Nach einem mitreißenden Spiel und einem verdienten 3:2-Sieg gegen den Hamburger SV hat der 1. FC Köln den letzten Platz der Tabelle abgegeben, die Abstiegsplätze verlassen und sich auf Rang 15 hochgearbeitet.

Matchwinner war Mittelstürmer Milivoje Novakovic, der alle drei Tore erzielte. Mit dem 31-jährigen Torjäger des FC sprach bundesliga.de nach dem Spiel.

bundesliga.de: Milivoje Novakovic, ein Tor im Pokal gegen 1860 München, jetzt drei in der Bundesliga gegen den HSV. War die Woche für Sie so einen Art Wiedergeburt?

Milivoje Novakovic: Nein. Ich schaue nicht auf mich. Ich schaue auf die Mannschaft. Die beiden Siege bedeuten sehr viel für die Mannschaft., für die Stadt und die Fans. Diese drei Punkte sind noch wichtiger. Wir haben heute den richtigen FC gesehen. So müssen wir jetzt weitermachen, gut trainieren. Ich hoffe auf bessere Zeiten.

bundesliga.de: Hat die Mannschaft jetzt ihr wahres Gesicht gezeigt? Muss man den FC künftig an diesem Spiel messen?

Novakovic: Es war das wahre Gesicht, es war der 1. FC Köln, den ich kenne. Jeder muss künftig das geben, was er gegen Hamburg gegeben hat. Wenn wir das öfter zeigen, werden wir mit den unteren Tabellenregionen nichts zu tun haben.

bundesliga.de: Was ist mit dem 1. FC Köln in den letzten Tagen passiert, dass die Mannschaft gegen den HSV in der Lage war, so eine gute Leistung abzurufen?

Novakovic: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass der Trainer in dieser Situation einen großen Vorteil hat. Wir haben sehr viele junge Spieler in der Mannschaft, die mit ihm früher gearbeitet haben. Die jüngeren Spieler fühlen sich bei ihm total wohl. Dazu kommen wir älteren Spieler, die die jüngeren Spieler mitreißen wollen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

bundesliga.de: Sie haben den Trainer kurz angesprochen. Welchen Anteil hat Frank Schaefer am Erfolg?

Novakovic: Viele junge Spieler kennen ihn wie gesagt bereits. Sie werden alles für ihn geben. Von meiner Seite kann ich mich nur für das Vertrauen bedanken, das er mir gegeben hat. Nach längerer Zeit bin ich wieder reingekommen und habe in zwei Spielen vier Tore gemacht. Das ist etwas Besonderes. Ich muss mich bei der Mannschaft und dem Trainer bedanken.

bundesliga.de: Würden Sie gerne mit dem neuen Trainer weitermachen?

Novakovic: Jeder Mensch verdient eine Chance. Er hat uns Vertrauen geschenkt, viele jüngere Spieler kennen ihn gut. Ich glaube, er wird seine Chance bekommen.

bundesliga.de: Wie waren die letzten Wochen für Sie, nachdem Sie unter dem letzten Trainer Zvonimir Soldo kaum noch eine Rolle gespielt haben?

Novakovic: Es war eine schwere Zeit. Ich war soetwas nicht gewohnt. In meiner ganzen Karriere habe ich von Anfang an gespielt. Und dann kommst Du ohne Erklärung in so eine Phase. Ich glaube, ich habe die Saison gut angefangen, ein Tor im Pokal gemacht, eins gegen Kaiserslautern am 1. Spieltag, ein Assist in Bremen, ein Tor in der Nationalmannschaft. Und dann kommst Du wieder nach Köln, spielst nicht und bekommst keine Aussage. Das tut sicher weh. Du musst Deinen Mund halten und arbeiten. Das habe ich gemacht. Viele Spieler hätten das nicht überstanden. Ich habe es überstanden. Es gab viele Leute, die hinter mir gestanden haben. Sicher habe ich auch darüber nachgedacht, in der Winterpause den Verein zu wechseln, wenn ich weiterhin nicht gespielt hätte. Es war eine schwere Zeit, aber ich habe auch schon einmal beim Trainer Daum auf der Tribüne gesessen. Damals habe ich mich wieder zurückgekämpft und viele Tore gemacht. Jetzt bin ich auch wieder auf dem Weg. Ich hoffe, es bleibt so.

bundesliga.de: Haben Sie schon einmal drei Tore in einem Spiel für den FC geschossen?

Novakovic: Nein, das war das erste Mal, dass ich einen Dreierpack in der Bundesliga gemacht habe. Ich habe gleich den Ball und das Trikot mitgenommen. Das ist unglaublich. Es waren zwei super Vorlagen von 'Poldi' und eine von Miso Brecko. Deswegen hat heute die Mannschaft gewonnen, nicht Novakovic.

bundesliga.de: Wie gefährlich ist trotzdem die Lage für den 1. FC Köln, wenn man sieht, dass viele Mannschaften wie Freiburg, Hannover, Nürnberg oder St. Pauli, mit denen man sich auf Augenhöhe sieht, schon viele Punkte geholt haben und andere Clubs wie Schalke oder Stuttgart noch hinter Köln stehen?

Novakovic: Das interessiert uns nicht. Wir haben in dieser Woche mit dem neuen Trainer zwei Siege in Serie eingefahren. Wir bleiben bei unserem Konzept, alles andere interessiert uns nicht.

bundesliga.de: Und Sie glauben, dass der FC bis zur Winterpause weitere Schritte nach oben geht?

Novakovic: Das werden wir ganz sicher.

bundesliga.de: Wie ist die Stimmung in der Truppe nach dieser anstrengenden, aber auch erfolgreichen Woche?

Novakovic: Man sieht das auf dem Platz. Wenn ein Lukas Podolski auf dem Platz um jeden Ball kämpft, dann werden auch die anderen Spieler mitgerissen und kämpfen mehr. Das sieht man, das brauchen wir. Wir brauchen Führungsspieler, die vorangehen. Das haben wir gemacht. Wir haben einen neuen Teamgeist. Egal, wer das Tor geschossen hat, alle Spieler kommen und jubeln mit. Das ist schön zu sehen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski