Nach der 0:2-Niederlage in Stuttgart steht Hannover 96 auf dem letzten Tabellenplatz in der Bundesliga.

Dennoch bleibt man bei den Niedersachsen gelassen und glaubt an die eigenen Stärken. "Noch bin ich sehr gelassen. Dieter Hecking leistet gute Arbeit", sagt Club-Präsident Martin Kind.

Chancen nicht genutzt

Damit ein kompletter Fehlstart vermieden werden kann, müssen nach der Länderspielpause aber dringend Erfolgserlebnisse her. In Stuttgart spielten die "Roten" in der Anfangsphase gut mit und hatten sogar durch Jan Rosenthal und Mikael Forssell zwei Chancen zur Führung. "Wenn wir die machen!", trauerte Sportdirektor Christian Hochstätter den vergebenen Möglichkeiten nach.

Auch Trainer Dieter Hecking sah einen vielversprechenden Start seiner Mannschaft: "Wir haben in den ersten 20 Minuten richtig gut angefangen. Wir hätten uns gewünscht, in Führung zu gehen und hatten auch zwei richtig gute Möglichkeiten. Das hätte uns in unserer Situation sicherlich gut getan."

So stehen aber nur ein Punkt, 0:5 Tore und Tabellenplatz 18 auf dem Konto von Hannover 96. "Da braucht man nicht lange drüber reden, was das für eine Bilanz ist", sagt der frustrierte Kapitän Robert Enke. Der Nationalkeeper hatte seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit sogar vor einer höheren Niederlage bewahrt. Gleich drei Gomez-Großchancen vereitelte Enke mit glänzenden Paraden.

Gegentore nach Standards

Dabei ist Hannover 96 mit dem vermeintlich besten Kader seit dem Aufstieg 2002 in die neue Saison gestartet. Für die Offensive kamen Stars wir Forssell (von Birmingham City) und Jan Schlaudraff (vom FC Bayern München) - bisher ohne den erwünschten Erfolg. In der Abwehr verstärkte man sich mit Valerien Ismael, der allerdings bereits in der Winterpause der vergangenen Spielzeit vom FC Bayern München an die Leine gewechselt war, und Mario Eggimann vom Karlsruher SC. Auch hier blieb die erhoffte Wirkung bislang aus. Die Defensive wackelt, bereits fünf Mal musste Torwart Enke hinter sich greifen.

Alle Treffer fielen nach Standardsituationen. In Stuttgart nach einer Ecke und durch einen Elfmeter. Sportdirektor Hochstätter: "Das geht nicht! Das geht so nicht weiter." Erinnerungen an die vergangene Saison werden wach, als Hannover 56 Gegentore kassierte.

Pause nutzen

"Individuelle Fehler" hatte Hecking jeweils ausgemacht. "Wir haben einen Antilauf", sagte Stürmer Schlaudraff. Mike Hanke, der in der zweiten Halbzeit mit einem Lattenkopfball die beste Chance zum Anschlusstreffer in Stuttgart hatte, sah es ähnlich: "Jede Mannschaft hat im Laufe der Saison eine schlechte Phase. Wir haben die jetzt."

Die Pause bis zum Heimspiel gegen Aufsteiger Borussia Mönchengladbach am 14. September soll nun zur gezielten Aufbauarbeit genutzt werden, um diesen "Antilauf" schnell zu beenden. Die kurzfristig aus dem Stuttgart-Kader gestrichenen Ismael und Szabolcs Huszti sollen in dieser Zeit wieder ans Team herangeführt werden.

"Schritt nach vorne"

In Stuttgart krempelte Trainer Hecking die halbe Mannschaft um, brachte mit Steven Cherundolo, Eggimann, Bastian Schulz, Rosenthal und Forssell gleich fünf neue Spieler in der Startelf. Auch das Spielsystem änderte er und bot eine statt zwei Spitzen, dafür zwei statt einen Abräumer auf. "Ich stehe hinter all diesen Maßnahmen. Auch wenn sie vom Ergebnis her nicht gefruchtet haben", so Hecking.

Trotz der Pleite in Stuttgart bleibt man in Hannover gelassen und sieht es bereits wieder positiv. Torhüter Enke: "Insgesamt war es aber ein Schritt nach vorne, auch wenn unsere Bilanz mit nur einem Punkt aus drei Partien natürlich nicht gut ist." Auch Präsident Kind attestierte dem Team eine Steigerung. "Dieses Spiel macht berechtigte Hoffnung. Es ist ein Aufwärtstrend zu sehen", fügte aber auch hinzu: "Die Tabelle ist natürlich kein erfreulicher Anblick."