Für Martin Jol steht am Wochenende das erste Bundesligaspiel als HSV-Trainer auf dem Programm – und das ausgerechnet gegen Bayern München.

Zum einen handelt es sich bei den Bajuwaren natürlich um den deutschen Rekordmeister, andererseits hat auch Jol für eine Saison an der Isar gespielt. Im Interview spricht der Niederländer über seine Zeit in München, über die Vorbereitung mit dem HSV und die Chance, den Meister am ersten Spieltag zu schlagen.

Frage: Herr Jol, am Freitag (15.08.08) wird es ernst. Die Bundesliga startet, wie froh sind Sie, dass es los geht?

Martin Jol: Natürlich sind wir froh, dass es los geht. Darauf haben wir die gesamte Vorbereitung hingearbeitet. Bayern hatte in der Vorbereitung einige Probleme und wir haben trotz einiger kleiner Schwierigkeiten gute Resultate, wie zum Beispiel zuletzt in London, erzielt. Gegen Ingolstadt war ich mit der ersten Halbzeit sehr unzufrieden. In der zweiten Hälfte war es dann besser, aber wir haben gesehen, dass auch Bayern in Erfurt Schwierigkeiten hatte. Es ist in Deutschland im Pokal sicher genau wie in England niemals leicht.

Frage: Stichwort Vorbereitung: Die ist zum großen Teil abgeschlossen. Wie zufrieden sind Sie?

Jol: Die Einstellung war seht gut. Darüber bin ich froh. Ich musste nicht viel eingreifen und Dinge ändern. einzig als der Wechsel von Rafael van der Vaart dazu kam, war es kurzzeitig anders. Wir haben aber auch ohne van der Vaart beim Emirates Cup gespielt und gegen Juventus drei Tore gemacht. Auch zuletzt gegen Ingolstadt haben wir wieder dreimal getroffen. Ich habe gesehen, dass alle die auf dem Platz waren, alles für den HSV gegeben haben.Das ist es, was ich verlange.

Frage: Sie haben gesagt, dass die Mannschaft nach dem van der Vaart-Wechsel in der Pflicht steht.

Jol: So ist es. Die ganze Mannschaft muss mehr Verantwortung übernehmen und auch die Spieler, die vielleicht noch dazu kommen, müssen das. Wir müssen im Spiel einfach noch produktiver werden. Spieler wie zum Beispiel David Jarolim, Nigel de Jong oder Ivica Olic haben sicher noch Reserven. Paolo Guerrero hat zuletzt immer wieder gezeigt, dass er ein sehr guter Techniker ist. Am Ende der Saison kann er aber noch mehr Tore machen. Jonathan Pitroipa ist ein sehr guter, junger Spieler, der aber noch an seinem Abschluss arbeiten muss. Wenn er sich da noch verbessert, dann denke ich, dass wir eine wirklich gute Mannschaft haben, mit der wir unseren Fans guten Fußball zeigen wollen. Das ist für mich wichtig.

Frage: Jetzt geht es mit einem echten Kracher los. Gleich im ersten Spiel bei Bayern München. Das macht sicher Vorfreude auf die Liga.

Jol: Ja ganz sicher. Wir kennen natürlich die personellen Probleme von Bayern. Ribery ist nicht dabei, auch Luca Toni, Demichelis und Sagnol sind verletzt. Aber wir haben auch gesehen, dass sie noch andere Leute haben und auch Bayern selbst sagt immer, dass sie 25 gleichwertige Spieler haben. Das ist sicher mehr als bei allen anderen Vereinen und damit können sie sicher jeden leicht ersetzen. Das hat man zuletzt auch gegen Erfurt gesehen. Natürlich haben sie hinten nicht immer gut gestanden und drei Treffer kassiert, doch wenn man vorne mit Podolski und Klose die Qualität sieht, dann ist das schon besonders. Außerdem muss man auch in Erfurt erst einmal vier Tore machen.

Frage: Wie knackt man bei der Qualität die Bayern?

Jol: Das ist eigentlich schon immer dasselbe gewesen, schon als ich noch da war. Wenn man gut dagegen hält, wenn man gut steht und die Konter, die man bekommt, zum Abschluss bringt, dann hat man sicher immer eine Chance. Das hat man in der Vergangenheit ja auch immer wieder gesehen. Ich kann mich noch erinnern, als ich noch in England war und Nigel de Jong in der letzten Minute in München das Tor gemacht hat. In diesem Spiel hat die Mannschaft sehr gut dagegen gehalten und ich habe auch noch das Spiel aus dem letzten Jahr im Kopf. Da haben Kompany, de Jong und Trochowski im Mittelfeld wirklich sehr gut gespielt und gezeigt, dass immer etwas möglich ist. Ich denke, wenn wir am Freitag Podolski und Klose kontrollieren können, dann haben wir sicher eine gute Chance.