Als es darauf ankam, war Nuri Sahin eiskalt. Mit seinem Elfmetertor ebnete der 21-Jährige dem BVB den Weg zum 2:0-Erfolg über Hertha BSC.

Für die Borussia und ihre Fans bedeutete der Sieg über die Berliner das versöhnliche Ende einer turbulenten Woche, die mit der Pokal-Niederlage in Osnabrück ihren negativen Höhepunkt hatte.

Wie die Mannschaft mit der angespannten Situation umgegangen ist, wie die Lage in der Liga für den BVB nach dem Heimsieg einzuschätzen ist und mit welchen Gedanken er selbst zum Elfmeter angetreten ist - das hat Nuri Sahin im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de verraten.

bundesliga.de: Hand aufs Herz: Wie groß ist die Erleichterung nach dem Heimsieg über Hertha BSC?

Nuri Sahin: Nach dem Aus im DFB-Pokal in Osnabrück war es sehr wichtig zu zeigen, dass diese Niederlage wirklich nur ein Ausrutscher war. Das ist uns sehr gut gelungen. Wenn man gerade gegen einen Drittligisten ausgeschieden ist, ist es nicht einfach, wirklich mit Selbstbewusstsein in das nächste Spiel zu gehen.

bundesliga.de: Wie groß war die Unsicherheit vor der Partie?

Sahin: Man muss die Dinge schon voneinander trennen. In der Bundesliga haben wir zuletzt eine sehr gute Serie gespielt und seit nun vier Spielen nicht mehr verloren. Da gibt es eigentlich keinen Grund, unsicher zu sein. Wir standen diesmal auch defensiv sehr gut, haben gut verschoben und die Räume gut zu gemacht. Das war ganz ordentlich.

bundesliga.de: Auf der anderen Seite hatte der BVB offensiv eine ganze Zeit lang Probleme, trotz viel Ballbesitzes auch gefährlich und effektiv zu spielen.

Sahin: Das stimmt. Vor allem in der Anfangsphase haben wir uns schwer getan, ins Spiel zu finden. Da haben wir auch wenig zwingende Torchancen herausgespielt. Lediglich nach einigen Standardsituationen sind wir gefährlich zum Abschluss gekommen, aber das war es dann auch schon. In der zweiten Halbzeit haben wir mehr Druck gemacht. Man hat gesehen, dass wir diese Partie unbedingt gewonnen wollten. Und wenn man das Spiel dominiert, dann wächst auch die Überzeugung, dass man ein Tor machen wird.

bundesliga.de: Zur Pause gab es noch einige Pfiffe von den Rängen. Hat Sie das irritiert?

Sahin: Natürlich waren die Fans enttäuscht aufgrund der Niederlage im DFB-Pokal. Wenn es dann gegen den Tabellenletzten zur Halbzeit nur 0:0 steht, muss man für diese Reaktion Verständnis haben. Wir waren uns in der Pause darüber einig, dass man das den Fans nicht übel nehmen darf. Da gibt es natürlich auch gewisse Erwartungen. Ich denke, wir sind damit aber ganz gut umgegangen und haben in der zweiten Halbzeit die passende Antwort gegeben.

bundesliga.de: Sie selbst haben dazu mit Ihrem Elfmetertor nicht unwesentlich beigetragen. Waren Sie sehr nervös?

Sahin: Ich habe mich sehr gut darauf vorbereitet, weil eigentlich von Saisonbeginn an klar ist, dass ich die Elfmeter schieße. Ich habe mir immer mal wieder auch zuhause Gedanken gemacht, wie ich einen Strafstoß schieße - besonders vor der Südtribüne und unseren eigenen Fans. Ich war mir sicher, dass ich den Ball reinhaue.

bundesliga.de: Das zweite Tor hat Lucas Barrios erzielt - wieder einmal.

Sahin: Lucas ist ein unglaublich guter Stürmer. Wie er seinen Treffer erzielt hat, das hatte schon die Klasse eines absoluten Topstürmers. Er hat jetzt in vier Spielen hintereinander jedes Mal getroffen - das muss man erst einmal schaffen. Das spricht für sich. Wir sind froh, dass wir ihn haben - und er kann gerne so weitermachen.

bundesliga.de: Bei allem Respekt war Hertha BSC sicher nicht der stärkste Gegner. Bei Werder Bremen dürfte es in der kommenden Woche ungleich schwerer werden.

Sahin: In der Bundesliga gibt es keine schwachen Mannschaften mehr. Die Liga hat sich so entwickelt, dass man in jedem Spiel 100 Prozent geben muss. Ich lasse mir jetzt auch nicht unseren Sieg schlecht reden, indem wir sagen, der Gegner war nicht besonders stark. Natürlich steckt Hertha in einer Krise. Aber wenn wir nicht dagegen halten, sind auch die Berliner gefährlich. In Bremen wird es natürlich sehr, sehr schwer. Aber ich traue uns trotzdem zu, auch dort drei Punkte zu holen.

bundesliga.de: Erst das Pokal-Aus, jetzt der vierte Saisonsieg - wie fällt Ihr Zwischenfazit nach dieser turbulenten Woche aus?

Sahin: Zum Pokalfinale nach Berlin zu kommen, ist schon der Traum eines jeden Spielers. Das ist für uns leider vorbei. Aber wenn man in der Liga zehn Punkte aus vier Spielen holt, kann man sicher zufrieden sein mit der Entwicklung der letzten Wochen. Gerade nach dem Pokal-Aus müssen wir jetzt in der Bundesliga alles mitnehmen, was irgendwie geht. Gegen Hertha haben wir damit einen guten Anfang gemacht.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte