Der Karlsruher SC schöpft nach dem 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen wieder Hoffnung auf den Klassenerhalt. bundesliga.de sprach nach dem Spiel mit KSC-Verteidiger Christian Eichner, der den gesperrten Kapitän Maik Franz vertrat.

bundesliga.de: Christian Eichner, Glückwunsch zum 1:0-Sieg gegen Leverkusen, dem ersten Erfolg nach neun sieglosen Partien, der kurios zustande kam.

Christian Eichner: Das Tor war irgendwie symptomatisch. So ein Tor von der Mittellinie habe ich selten gesehen. Anscheinend haben wir so ein Tor gebraucht, um mal wieder ein Spiel zu gewinnen. Das sind die Geschichten, die der Fußball schreibt.

bundesliga.de: Wie haben Sie das Tor erlebt?

Eichner: Leverkusen wollte nach einem leichtfertigen Ballverlust von uns kontern. Dann grätscht der Sebastian Langkamp einfach mal rein. Es freut mich, dass gerade er das Tor macht. Das hat sich der Junge in den letzten Wochen verdient, auch wenn man bei ihm manchmal Angst haben muss, weil er wie jetzt gegen Leverkusen auch noch mal eben im eigenen Strafraum zwei Gegenspieler ausspielt. Daran sieht man, wo er herkommt (über den HSV vom FC Bayern, die Red.). Er hatte diese Lockerheit, man könnte auch sagen gesunde Arroganz, und unterstreicht sie auch mit Leistung.

bundesliga.de: Sie wirken trotz des Sieges seltsam gefasst.

Eichner: Ich war in den letzten Wochen auch gefasst. Am Anfang waren wir sprachlos, dass wir für den Aufwand nicht belohnt wurden. Aber man muss immer weitermachen. Die Leute sollen ja nicht glauben, dass unsere Mannschaft zu irgendeiner Zeit in den letzten Wochen aufgegeben hat. Wir kämpfen bis zur letzten Sekunde. Und wenn wir so weitermachen steigen wir nicht ab.

bundesliga.de: Die Moral der Mannschaft scheint intakt zu sein. Wie schwer fiel ihr der Umgang mit den schlechten Ergebnissen der letzten Wochen?

Eichner: Mehr Pech als wir konnte man nicht haben. Das war ja Wahnsinn. Du bist jedes Mal nach Hause gefahren, hattest vorher eine vernünftige Leistung abgeliefert, aber immer mit leeren Händen dagestanden. Dann fiel es am Sonntag manchmal schwer, wieder ins Training zu gehen. Das hört sich sicher blöd an, weil das unser Beruf ist. Aber sich dann wieder zu motivieren, wieder zu pushen, das war schwer.

bundesliga.de: Trainer Edmund Becker hat immer davon gesprochen, dass die Mannschaft einmal für ihren Aufwand auch belohnt wird.

Eichner: Der Trainer musste enorm Kraft aufbringen, um die Mannschaft wieder in die richtige Richtung zu schubsen. Das sind die Phasen im Leben, aus denen man gestärkt herausgehen muss. Deswegen glaube ich, dass diese Mannschaft aus den letzten Wochen ganz viel gelernt hat. Wir müssen aber weitermachen. Deshalb kann man den Sieg nicht hoch genug einschätzen. Der Sieg war aber nur ein kleiner Teil vom Ganzen. Wir brauchen noch mindestens drei weitere Siege, um die Liga zu halten.

bundesliga.de: Am kommenden Wochenende gastiert Energie Cottbus im Wildparkstadion. Das wird ein richtungsweisendes Spiel.

Eichner: Wir sind wieder voll im Geschäft und haben etwas geschafft, was ganz entscheidend ist. Wir haben den vor uns platzierten Mannschaften gezeigt, dass der KSC noch lebt und noch da ist. Vielleicht haben wir damit auch die Konkurrenz ein wenig unter Druck gesetzt. Wir müssen vorsichtig sein und akribisch weiterarbeiten. Jetzt dürfen wir endlich einmal zwei Tage nicht trauern, sondern uns ein bisschen freuen. Das haben wir uns verdient. Ab Dienstag geht es dann mit Vollgas auf das Cottbus-Spiel.

bundesliga.de: Gegen Leverkusen hat der KSC etwas verhaltener agiert als in den letzten Spielen. War das der Schlüssel zum Erfolg?

Eichner: Letztes Jahr habe wir ähnliche Spiele absolviert, zum Beispiel 2:0 auf Schalke gewonnen. Auf einmal waren wir die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Ich werde den Teufel tun und mich in irgendeiner Form für unsere Spielweise zu rechtfertigen. Gegen Leverkusen hat der KSC vielleicht nicht super gespielt. Aber die Mannschaft hat funktioniert - wie in den letzten Jahren so oft. Was das Kollektiv ausmacht, haben wir gesehen. Es ist ein Sieg der Mannschaft gewesen, für den Trainer und für den Verein.

bundesliga.de: Wo nimmt der KSC die Moral her, nach den vielen 0:1-Niederlagen nie aufzustecken?

Eichner: Wir sind einfach positive Typen, die charakterlich einwandfrei sind und die immer alles für den Erfolg tun wollen. Wir wollen die Zuschauer belohnen für den Einsatz, den sie in uns investieren. Es ist unsere Pflicht, bis zum letzten Meter zu kämpfen, denn der Verein und seine Fans gehören in die Bundesliga.

bundesliga.de: Wie intensiv gucken Sie sich jetzt die Spiele der Konkurrenz an?

Eichner: Kommt darauf an, was meine Freundin geplant hat. Daheim ist sie der Kapitän. Aber ich muss mich ja auch mit meinem Beruf beschäftigen und dann mal zwischendurch reinschauen. Wichtig war aber, dass wir unser Spiel gewonnen haben. Jetzt können wir auf der Rückfahrt ohne schlechtes Gewissen Karten spielen.

bundesliga.de: Wie kann der Klassenerhalt noch geschafft werden?

Eichner: Wir haben noch drei Heimspiele und zwei Auswärtsspiele. Ich glaube, dass wir noch 10 Punkte holen müssen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Unsere Chancen sind jetzt wieder gestiegen. Das Unentschieden gegen Hoffenheim letzte Woche hat uns Auftrieb gegeben. Jetzt haben wir nachgelegt. Wir haben die Lunte gelegt und wollen die anderen unter Druck setzten. Vielleicht ist diese Position einfacher, als immer knapp über dem Strich zu stehen und zu denken, dass man nicht mehr unten reinrutscht.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski