Hamburg - Das Top-Spiel am 1. Spieltag war nicht nur das Duell zwischen dem Hamburger SV und dem FC Schalke 04. Es war vor allem auch das Duell zwischen den Star-Stürmern Ruud van Nistelrooy und Raul.

Doch während der spanische Stürmer in Diensten der Königsblauen blass blieb, spielte der Niederländer van Nistelrooy großartig auf. Er erzielte beide HSV-Treffer beim 2:1 gegen den S04. "Das ist einfach ein schönes Gefühl. Aber ich weiß auch, dass es nicht immer so sein kann. Schon am Montag fangen wir alle wieder bei Null an", erklärte van Nistelrooy nach dem Schlusspfiff.

Im Interview analysiert der 34-Jährige sein entscheidendes Tor, spricht über seinen Freund Raul und bewertet den Auftaktsieg im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf.

Frage: Herr van Nistelrooy, Sie haben den HSV mit Ihren zwei Treffern im Alleingang zum Sieg geschossen. Damit waren Sie der "Man of the match".

Ruud van Nistelrooy: Ja, aber ich kann einfach nur der Mannschaft danken. Es war einfach ein toller Abend mit einer großartigen Stimmung - einfach nur zum Genießen.

Frage: Dabei hätten Sie den Sieg beinahe noch aus der Hand gegeben.

van Nistelrooy: Ja, das war schon ein wenig komisch. Wir wussten nicht genau, wie wir mit unserer Überzahl umgehen sollten. Sollen wir weiter nach vorne spielen, oder hinten sicher stehen und abwarten? Und dann kassieren wir den Ausgleich und verschenken beinahe zwei Punkte.

Frage: Sie spekulieren vor Ihrem zweiten Tor und schütteln den Verteidiger dann lässig ab. Haben Sie da Ihre ganze Erfahrung ausgespielt?

van Nistelrooy: Natürlich. Es ist immer besser, wenn ich nicht zu früh vor dem Mann stehe. Aber als Ze Roberto immer weiter marschiert ist, da ist mein Gegenspieler einfach weitergelaufen. Und ich konnte schön abwarten.

Frage: Nach dem ersten Tor sind Sie zu den Fans gelaufen und auf den Zaun geklettert. Dafür gab es - regelkonform - die Gelbe Karte.

van Nistelrooy: Das sollte ich nicht jedes Mal machen. Aber ich habe da nicht drüber nachgedacht. Ich habe nur die vielen Fans gesehen und musste da einfach hin. Das war aber das letzte Mal.

Frage: Ihr ehemaliger Teamkollege bei Real Madrid hat nicht getroffen. Haben Sie mit dem Neu-Schalker Raul vor dem Spiel gewettet?

van Nistelrooy: Nein, wir sind ja keine 20 Jahre mehr. Wir haben uns vor dem Anpfiff nett begrüßt und uns ein schönes Spiel gewünscht. Das war ein schöner Moment und auch eine tolle Geschichte, dass wir gegeneinander spielen konnten.

Frage: Sie haben in Ihrer Karriere schon weit über 100 Tore geschossen. Freuen Sie sich immer noch über jeden Treffer?

van Nistelrooy: Ja, das ist einfach ein schönes Gefühl. In den ersten Sekunden nach dem Tor ist man in einer anderen Welt. Aber ich weiß auch, dass es nicht immer so sein kann. Schon am Montag fangen wir alle wieder bei Null an.

Frage: Der HSV hat aber immerhin gegen einen der Meisterschafts-Favoriten gewonnen. Was bedeutet dieser Erfolg zum Auftakt?

van Nistelrooy: Das gibt sehr viel Selbstvertrauen. Auf so einem Spiel kann man aufbauen. Wir haben mit unserer Einstellung den Fans ein Signal gegeben.

Frage: Trainer Armin Veh favorisiert ein 4-2-3-1 gegenüber dem 4-4-2 von Bruno Labbadia aus der vergangenen Saison. Ist das System von Veh die bessere Variante für den HSV?

van Nistelrooy: Wir sind sehr flexibel. Das zeichnet uns aus. Wir können taktisch gegen jedes Team jederzeit auch variieren. Das ist sehr wichtig und eine große Stärke von uns.

Aufgezeichnet von Michael Reis