Nach einem verdienten 1:0-Finalerfolg gegen Bayer 04 Leverkusen hat die Mannschaft ausgiebig gefeiert und die verantwortlichen Macher, Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs, kurzerhand in hanseatischer Manier in den Pool der Umkleidekabine geworfen.

Berlin war für Werder Bremen wieder einmal eine Reise wert. Viele Tausend Werder-Fans dürften dabei über die Autobahn A2 Richtung nach Berlin gefahren sein. Dann kommt auch irgendwann tatsächlich das Autobahndreieck "Werder".

"Hektik, kein guter Begleiter"

Dort kreuzt die A2 die nach Berlin führende A10, und dort gibt es ein modernes Verkehrsleitsystem, das vor Staus warnt. Am Tag des Endspiels stand auf den Schildern allerdings lediglich: "Hektik, kein guter Begleiter."

Das Motto könnte auch von Klaus Allofs stammen. Wo sonst als in Bremen wird auch in Zeiten sportlichen Misserfolgs ruhig und besonnen weitergearbeitet? Wenn andernorts ein amtierende Vizemeister in der Tabelle so abstürzt wie Werder Bremen in diesem Jahr in der Bundesliga, wird alles in Frage gestellt. Meist rollen Köpfe.

Hanseatische Kontinuität

Nicht so in Bremen. Dort genießt Trainer Thomas Schaaf auch nach zehn Jahren im Amt immer noch das volle Vertrauen. Und er zahlt es mit Erfolgen zurück. Drei Pokalsiege und eine Meisterschaft hat er mit Bremen gewonnen und kontinuierlich Erfolg gehabt. Trotz des enttäuschenden 10. Platzes in der Bundesliga wird auch die Spielzeit 2008/09 als eine erfolgreiche in die Werder-Geschichte eingehen.

"Wir haben keine verkorkste Saison gespielt", korrigierte Klaus Allofs nach dem Finalsieg einen Fragesteller. Mit dem Pokal in der Hand und mit einem schlabberigen Trainingsanzug bekleidet, lächelte Allofs nach seinem überraschenden Poolbesuch in die Runde und zog Bilanz

Emotionale Abschiede

"Wenn man zwei Finals spielt, kann das nicht verkorkst sein", sagte Allofs. "In der Bundesliga haben wir es nicht hinbekommen, das wissen wir. Aber in den Pokalwettbewerben haben wir sensationell abgeschnitten. Wir haben Deutschland international sehr gut vertreten. Und im Pokal haben wir es gepackt, ohne Heimspiel ins Endspiel zu kommen."

Es war ein sehr emotionales Spiel. Für den langjährigen Werder-Kapitän Frank Baumann, der seine Karriere beendet, war es ebenso der letzte Auftritt im grünen Dress wie für Diego. Der brasilianische Ballzauberer wurde von den Fans enthusiastisch gefeiert und zeigte noch einmal, warum ihn Juventus Turin unbedingt verpflichten wollte. Diego spielte den entscheidenden genialen Pass auf Mesut Özil, der frei vor Bayer-Keeper René Adler auftauchte und Werders Siegtor markierte.

"Das waren die emotionalsten 90 Minuten meines Lebens", bekannte Diego nach dem Finale gerührt. "Der Pokal war das Mindeste, was ich den Fans schenken konnte. Ich hatte in Bremen drei wunderbare Jahre und bin dafür sehr dankbar."

Özil ist bereit für Diegos Erbe

Diego wird Bremen in Zukunft fehlen. Doch mit Mesut Özil steht sein Nachfolger bereits in den eigenen Reihen parat. Der 20-Jährige ist bereit, die Rolle anzunehmen. "Ich traue mir zu, in Diegos Fußstapfen zu treten. Ich habe das in der Saison schon öfter bewiesen", sagt er selbstbewusst.

Im 55. und letzten Pflichtspiel der Saison gelang Werder "der krönende Abschluss", so Allofs. "Wir haben viel geleistet. Die Mannschaft ist immer wieder stark in die Kritik gekommen und hatte sehr starke Ausschläge. Aber wir haben in den Pokalwettbewerben Außergewöhnliches geleistet", freute sich Werder-Coach Thomas Schaaf. Weitere Fragen bügelte Schaaf, wie Allofs nach dem Bad im Pool ebenfalls in einen Ersatztrainingsanzug gewandet, weg. "Alles andere ist mir im Moment so was von wurscht."

Typisch Werder

So sind sie in Bremen. Sie vertrauen darauf, dass das Erfolgsduo Allofs und Schaaf auch weiterhin die Fäden fest in der Hand halten und die Abgänge von Baumann, Diego und vielleicht noch anderen kompensiert werden.

Die Verpflichtung des Stürmers Marcelo Moreno vom UEFA-Cup-Sieger Schachtjor Donezk ist ein erster Beleg dafür. Das alles wird mit der nötigen Professionalität und Ruhe abgewickelt. Sie wissen ja: "Hektik ist kein guter Begleiter."

Aus Berlin berichtet Tobias Gonscherowski