Wenn Argentinien am Samstag in Kapstadt auf die DFB-Elf trifft (ab 15:30 Uhr im Live-Ticker), kennt er seine Gegenspieler wohl am besten: Martin Demichelis.

Der argentinische Verteidiger spielt seit 2003 beim FC Bayern und hat sich in der Bundesliga schon zahlreiche Duelle mit den deutschen Nationalspielern geliefert - manche sind allerdings auch seine Teamkollegen beim deutschen Rekordmeister.

Vor dem WM-Viertelfinale spricht Demichelis über sein Verhältnis zu den Münchner Mitspielern, seinen Nationaltrainer Diego Maradona und die Stärken seiner "Albiceleste".

Frage: Herr Demichelis, haben Sie Diego Maradona schon über die Stärken und Schwächen der deutschen Spieler informiert?

Martin Demichelis: Ich kenne selbstverständlich die Schwachpunkte, aber auch die Stärken der Deutschen. Ich habe mit dem Trainer und meinen Teamkollegen darüber gesprochen, aber wir müssen auf dem Platz zeigen, was wir können.

Frage: Worauf haben Sie besonders hingewiesen?

Demichelis: Deutschland zeichnet sich durch viele Dinge aus. Sie haben physisch sehr starke und große Spieler. Seit Beginn des Turniers haben sich sich sehr verbessert. Sie sind aber nicht nur physisch stark, sondern spielen sich auch sehr viele Torchancen heraus. Wir müssen sehr vorsichtig sein. Ich kenne sie alle, von der Abwehr bis zum Angriff. Vom Torwart bis zu Klose. Aber Fußball wird auf dem Platz entschieden, Sekunden oder Zentimeter können den Unterschied ausmachen.

Frage: Vor vier Monaten haben Deutschland und Argentinien schon einmal gegeneinander gespielt, Ihre Elf hat in München überzeugt und 1:0 gewonnen. Welche Rolle spielt dieses Spiel im Hinblick auf Samstag?

Demichelis: Im März haben viele unseren Sieg gar nicht richtig gewürdigt, aber Deutschland hat sich seitdem nur auf drei Positionen verändert: Boateng verteidigt links, Ballack und Adler sind ausgefallen. Und diese Mannschaft hat deutlich gegen England gewonnen. Damals haben wir schlicht und einfach sehr gut gespielt. Hoffentlich können wir das wiederholen. In dieser Partie hat uns Deutschland überhaupt keine Probleme bereitet, hatte kaum Torchancen. Wir haben das Spiel bestimmt. Mit dieser Einstellung müssen wir auch am Samstag antreten. Wir müssen im Ballbesitz blieben. Die Spieler dazu haben wir.

Frage: Ihr Münchner Clubkollege Bastian Schweinsteiger hat den Argentiniern pauschal unsportliches Verhalten auf dem Platz vorgeworfen. Haben Sie ihn schon zur Rede gestellt?

Demichelis: Ich habe keinen Kontakt zu Schweini. Mit Miro Klose und Philipp Lahm habe ich ein paar SMS geschrieben, aber nur bis zum Achtelfinale. Danach hatten wir keinen Kontakt mehr. Aber wir sind gute Freunde, gute Kollegen. Für mich ist das nicht so wichtig, was Schweini gesagt hat. Ich habe nur die Schlagzeile gelesen. Das kann ja auch falsch übersetzt worden sein. Das sollte man nicht so wichtig nehmen und nicht polemisch werden. Was auf einer Pressekonferenz gesagt wird, hat keine Bedeutung für uns. Die Antworten müssen wir auf dem Platz geben.

Frage: Was passiert denn?

Demichelis: Wir gewinnen, weil wir besser sind. Wir haben viel Selbstvertrauen. Aber natürlich wird es schwer. Deutschland hat derzeit eine sehr gute Mannschaft, das haben sie gegen England gezeigt. Miro ist gut drauf, Müller ist gut drauf, Poldi ist gut drauf. Ich hoffe, dass wir vom ersten Moment an viel im Ballbesitz sein werden, denn das ist unsere größte Waffe. Deutschland wird im Mittelfeld auf uns warten, um dann über Klose schnelle Konter zu fahren, mit der Hilfe von Özil, der eine unglaubliche WM spielt.

Frage: Sie stehen in Ihrer Heimat in der Kritik, seit Sie gegen Südkorea einen Gegentreffer verschuldet haben. Wie steht es um Ihr Selbstvertrauen?

Demichelis: In meiner Karriere habe ich gelernt, mit positiver und negativer Kritik umzugehen. Wenn die Mannschaft gut spielt, wird halt immer nach einem Schwachpunkt gesucht. Und mein Fehler gegen Südkorea war nun mal der eindeutigste innerhalb des Defensivverbunds. Deshalb wird diesem Fehler mehr Bedeutung zugesprochen, als den positiven Dingen, die ich gemacht habe.

Frage: Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

Demichelis: Wenn man sich anguckt, was für eine WM Terry (John Terry, England, Anm.d.Red.) und Vidic (Nemanja Vidic, Serbien) gespielt haben, die in den besten Clubs der Welt spielen, sollte man gegenüber der argentinischen Abwehr nicht ungerecht sein. So wie Terry gegen Deutschland gespielt hat, hätte er gar nicht mehr ins Land zurückkommen dürfen.

Frage: Diego Maradona hat Ihnen stets den Rücken gestärkt. Wie erleben Sie ihn als Trainer?

Demichelis: Den Spieler Maradona habe ich als Fan gesehen. Als Trainer hat sich Diego sehr entwickelt. Er ist sehr ruhig, sehr selbstbewusst, hat volles Vertrauen in seine Arbeit. Unter Diego haben wir von vier WM-Spielen vier gewonnen. Das spricht für sich. Das ganze Land sollte glücklich sein und hinter Diego stehen.