Es war Montag, der 6. August 2008. In der ersten Runde des DFB-Pokal steht der FC Bayern München dem Drittligisten Wacker Burghausen in einem "Bayern-Derby" gegenüber.

Eigentlich eine klare Sache, nach 90 Minuten sollte der Drops gelutscht sein, will man meinen. Aber der Rekordmeister schrammt knapp an einer Blamage vorbei.

Kahn rettete den FCB

Es ist kurz nach 23 Uhr, als Wacker-Spieler Markus Palionis beim Stand von 4:4 im Elfmeterschießen die große Sensation auf dem Fuß hat. Trifft er, ist der große FC Bayern aus dem Pokal. Doch Oliver Kahn hält die nächsten beiden Elfmeter und ebnet seinem Arbeitgeber damit den Weg zum Pokalsieg in Berlin gegen Borussia Dortmund.

369 Tage später, am Sonntag, 10. August, stehen die Bayern in der 1. Pokalrunde wieder einem Drittligisten gegenüber - diesmal Rot-Weiß Erfurt (ab 20:15 Uhr im Konferenz-Live-Ticker) . Und prompt werden die Erinnerungen an Burghausen wach. Doch diesmal will man einer Verlängerung aus dem Weg gehen.

"Wenn wir das Spiel verlieren, werden wir zerrissen"

"Ich gehe davon aus, dass nach 90 Minuten der Kas' gebissen ist. Jeder von uns ist gewarnt, fast jeder von uns war letztes Jahr im Erstrundenspiel in Burghausen dabei. Wir wissen alle genau, wenn wir dieses Spiel verlieren, dann werden wir zerrissen. Und deswegen fliegen wir am Sonntag als Sieger nach Hause", gibt sich Philipp Lahm gegenüber bundesliga.de siegessicher.

Am Dienstag noch Champions-League-Teilnehmer Inter Mailand, am Sonntag nun Rot-Weiß Erfurt. Unterschiedlicher könnte die Qualität der Gegner kaum sein. Und dennoch befürchtet Lahm keine Nachlässigkeiten gegen den Drittligisten: "Es ist das erste Pflichtspiel der Saison, da wird es keine Motivationsprobleme geben. Wir wissen was da auf dem Spiel steht und jeder will diese Begegnung gewinnen."

Auch Sturmkollege Miroslav Klose nimmt die Begegnung gegen die Thüringer nicht auf die leichte Schulter. " Wir haben vor jedem Gegner Respekt und das muss auch so sein. Erfurt hat drei, vier gute Einzelspieler. Sicher sind sie hinten ein bisschen anfällig und ein schlagbarer Gegner, aber wir dürfen nicht den Fehler machen, sie zu unterschätzen", zeigt sich der 30-Jährige vorsichtig.

Bayern ohne Acht nach Erfurt

Um sich richtig auf den Drittligisten vorzubereiten, gab es im neuen Auditorium ein 15-minütiges Video der Begegnung Erfurt gegen Dresden, mit dem Trainer Jürgen Klinsmann sein Team richtig auf den Gegner einstimmte.

Definitiv fehlen wird den Bayern Franck Ribery, der letztes Jahr in Burghausen die Vorlage zum 1:1 durch Miroslav Klose gab und im Elfmeterschießen den ersten Strafstoß sicher verwandelte. Der Publikumsliebling wird wegen seiner, bei der EURO 2008 erlittenen Verletzung noch einige Wochen fehlen.

Aber nicht nur den Fans, auch seinen Mitspieler fehlt der kleine französische Spaßvogel. "Ich hoffe, dass er bald wieder zurückkommt. Jeder weiß, wie wichtig er für uns ist und was er für unser Spiel bedeutet", erklärt Klose.

Baumann verspricht "Vollgas"

Auch Kloses Sturmpartner Luca Toni wird wegen seiner Wadenverletzung in Erfurt nicht dabei sein, ebenso wie die verletzten Hans-Jörg Butt, Martin Demichelis, Tim Borowski, Willy Sagnol und die bei Olympia in Peking weilenden Breno und José Ernesto Sosa.

Beim Gegner stärkt dies die Hoffnung, vielleicht für eine Sensation sorgen zu können. "Wir werden Vollgas geben gegen die Bayern", versprach Erfurts Trainer Karsten Baumann, der aber auch weiß: "Man kann die Bayern schlagen - das geht aber nur, wenn wir einen guten Tag haben und sie einen schlechten."

"Elfmeterschießen kein schlechtes Omen"

Trotz dieser langen Liste von verletzten oder fehlenden Spieler ist man sich an der Säbener Straße sicher, die erste Pokalrunde schadlos zu überstehen. Selbst wenn das Ganze nicht nach 90 Minuten zu Ende sein sollte, kann Philipp Lahm dem noch etwas Positives abgewinnen: " Sollte es in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen gehen, wäre dies sicherlich kein schlechtes Omen."

Wir erinnern uns: Nach der Fast-Blamage von Burghausen gewannen die Bayern das "Double" aus Meisterschaft und Pokal und erreichten das Halbfinale im UEFA-Pokal. Es gibt wahrlich schlimmere Folgen für den FC Bayern.

André Wagner