München - Elfmeter in der 85. Minute! Und Arjen Robben schreitet gegen Roman Weidenfeller zur Tat. Sofort werden Erinnerungen wach. Am 11. April 2012 scheiterte der Niederländer in eben jener Spielminute mit einem Strafstoß am Keeper von Borussia Dortmund - der Rest ist Geschichte.

Am 1. November 2014 verwandelt Robben ganz sicher und schießt den FC Bayern München damit zum 2:1-Sieg im Klassiker gegen den BVB. In den letzten sieben Pflichtspielen gegen Dortmund traf der 30-Jährige somit sieben Mal. Viel wichtiger, als das persönliche Erfolgserlebnis waren dem Niederländer aber die drei Punkte. Im Interview spricht Robben außerdem über die Schwierigkeiten der Bayern im ersten Durchgang und warnt vor Selbstzufriedenheit.

Frage: Herr Robben, Sie haben mal wieder das entscheidende Tor gegen Dortmund gemacht (Die Topdaten zum Spiel). Was bedeutet Ihnen dieser Treffer?

Robben: Fünf Minuten vor dem Ende das Tor zu machen, ist natürlich ein schönes Gefühl. Aber viel wichtiger war mir, dass wir gewonnen haben. Beim Elfmeter war ich ganz überzeugt, das Ding reinzumachen.

"Dortmund bleibt eine super Mannschaft"

Frage: Sie haben sich nach dem Spiel recht freundschaftlich mit Roman Weidenfeller unterhalten. Worum ging es da?

Robben: Das gehört zum Fußball dazu. Wenn man gegeneinander spielt, will jeder gewinnen, aber nach dem Spiel ist alles vorbei und das Ergebnis ist nicht mehr zu ändern. Dann gehört es dazu, gegenseitig Respekt voreinander zu zeigen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Situation des BVB?

Robben: Dortmund ist eine Topmannschaft. Trotz ihrer Tabellenposition bleibt Dortmund eine super Mannschaft und sie wird ohne Zweifel wieder nach oben kommen. Deswegen bleibt es trotz des Unterschieds in der Tabelle ein Topspiel. Dieses Spiel ist für uns eine gute Erfahrung für die Zukunft. Daraus können wir lernen. Dortmund kann auch in der Champions League sehr weit kommen. Nach der Winterpause werden wir nur auf solche Gegner treffen.

Frage: Haben Sie jetzt Wolfsburg als Verfolger auf der Rechnung?

Robben: Ich glaube, das ist nicht wichtig. Wir müssen statt auf die Tabelle nur auf uns selber schauen. Wir müssen das Spiel gegen Dortmund kritisch betrachten und daraus für die Zukunft lernen. Die Tabelle ist unwichtig.

Frage: Was ist das Wichtigste, das Sie aus diesem Spiel lernen?

Robben: In der ersten Halbzeit hat uns manchmal die Intensität gefehlt. Das darf uns nicht passieren, sonst kriegt man gegen Dortmund Schwierigkeiten. In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht. Aber obwohl uns die Intensität etwas gefehlt hat, hatten wir genug Chancen, um Tore zu schießen (Galerie: Der Klassiker in Bildern).

"Es gibt immer Luft nach oben"

Frage: War das das schwerste Saisonspiel bislang?

Robben: Wir haben schon einige schwere Spiele gehabt, gerade auch in Gladbach. Dass wir nach dem Rückstand zurückgekommen sind, ist positiv. Gerade auch die Spieler, die von der Bank gekommen sind, haben noch mal richtig Gas gegeben.

Frage: Ihr Trainer Pep Guardiola meinte vor der Saison, dass die Mannschaft bis zum Winter Probleme haben werde. Wenn das jetzt Probleme sind, lautet die Schlussfolgerung, dass die Bayern jetzt unschlagbar sind?

Robben: Nein, nicht unschlagbar. In zwei Wochen kann es schon wieder ganz anders aussehen, schließlich kenne ich den Fußball mittlerweile auch ein bisschen. Wir müssen immer versuchen, Dinge zu verbessern und dürfen nicht nachlassen. Wir dürfen nicht denken, jetzt marschieren wir einfach locker durch und gewinnen die Meisterschaft. Nein, so geht es nicht! In der Bundesliga kämpft jede Mannschaft um ihre Punkte.

Frage: Bei wieviel Prozent sehen Sie den FC Bayern aktuell?

Robben: Das ist schwierig zu sagen. Es gibt immer Luft nach oben. Aber man darf auch ruhig mal sagen, dass wir teilweise richtig guten Fußball spielen. Wir müssen uns nicht verstecken. Wir haben in Rom 7:1 gewonnen und jetzt Dortmund geschlagen. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir dürfen nicht denken, es geht von alleine.

Aus München berichtet Maximilian Lotz