Gelsenkirchen - Wenn er trifft, dann hat das echten Seltenheitswert: Umso schöner für Tobias Levels, dass sein zweiter Bundesligatreffer überhaupt dem FC Ingolstadt 04 auf Schalke beim 1:1 am Ende auch einen Punkt bescherte.

Für den Außenverteidiger war es quasi ein Tor mit Ansage, wie er nach der Partie in einem launigen Interview verriet. Außerdem blickt der 28-Jährige voraus auf das nächste Spiel, das ihn mit Ingolstadt zurück in seine alte Heimat zu Borussia Mönchengladbach führt – inklusive einer kleinen Kampfansage mit Augenzwinkern.

Frage: Tobias Levels, wenn die Stürmer nicht treffen, muss dann der Verteidiger herhalten?

Tobias Levels: Genau so ist es! (lacht) Wenn es sonst nicht funktioniert, dann muss man die Sachen eben mal selbst in die Hand nehmen. Ich freue mich, dass ich getroffen habe, gar keine Frage!

"Alles verhindert man eben nicht"

Frage: Bei einem Stürmer sagt man in so einem Fall immer, er steht genau da, wo er stehen muss. War es bei Ihnen auch Instinkt?

Levels: Es sah für mich so aus, als würde der Ball am zweiten Pfosten herunterfallen können. Und wenn er fällt, war für mich Raum da, um in Ballbesitz zu kommen. (lacht) Moritz Hartmann hat ihn dann noch wahnsinnig entschärft und abgestoppt, so dass ich ihn volley in den Winkel schießen konnte.

Frage: Können Sie sich noch an Ihr letztes Bundesliga-Tor erinnern?

Levels: Gegen den Hamburger SV, noch in Gladbach. Das ist lange her. Sehr lange. 

Frage: Hätten Sie denn damit gerechnet, auf großer Bühne nochmal so als Torschütze zu glänzen?

Levels: Unsere Physiotherapeuten haben mich unter der Woche bei der Massage ein bisschen aufs Korn genommen. Sie wollten mich ein bisschen aufziehen, was das Tore schießen angeht. (lacht) Ich habe Ihnen gesagt, sie sollen bis Samstag warten. Dann kommt die Reaktion.

Frage: Was ging Ihnen nach dem Tor durch den Kopf? Hatten Sie die Hoffnung, drei Punkte mitzunehmen?

Levels: Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Wir haben kaum etwas zugelassen, waren im eigenen Ballbesitz ziemlich gut. In der zweiten Halbzeit war es aber leider weniger der Fall. Da mussten wir sehr viel verteidigen, was wir zwar auch größtenteils hervorragend gemacht haben. Aber alles verhindert man eben nicht und so entsteht dann auch mal ein Gegentor.

"Wir haben es trotzdem gut gelöst"

Frage: Was kann Ingolstadt aus dieser zweiten Halbzeit lernen?

Levels: Wir müssen im eigenen Ballbesitz noch ein bisschen besser werden, damit der Druck des Gegners dann auch weniger wird. Wenn uns das gelingt, dann können wir auch solche Spiele demnächst gewinnen. Aber wenn du keine Entlastung mehr hast, dann wird es brutal. Dann kommt der Innenverteidiger plötzlich mit dem Ball 30 Meter in unsere Hälfte, du gerätst in Unterzahl auf den Seiten, musst das immer wieder auffangen und kompensieren. Und wenn Schalke ins Rollen kommt, dann wird es schwer. Aber wir haben es trotzdem gut gelöst.

Frage: Schalke hatte nach dem Rückstand auch personell reagiert. Wie schwer war es in der zweiten Halbzeit für Sie gegen Choupo-Moting?

Levels: Wenn er im Tempo ist, hat er ein sehr gutes Dribbling. Ein, zwei Situationen konnte ich für mich entscheiden. Ein, zwei Situationen hat er für sich entschieden – leider auch beim Tor, als er auf Sané flanken konnte. Aber das ist Bundesliga! Alles kannst du nicht verteidigen – hätte ich in der Szene zwar auch gerne, aber da war es nicht möglich.

Frage: Ingolstadt hatte zuletzt zwei Mal verloren. War der Punktgewinn auf Schalke umso wichtiger, um nicht in eine Krise zu kommen?

"Ich komme nach Hause"

Levels: Man muss das relativieren. Wir haben zwei Mal verloren, aber wir waren zwei Mal die bessere Mannschaft. Das sind Spiele, die man normaler Weise nicht so oft verliert, wenn man sie öfter spielt. Und diesen Punkt auf Schalke haben wir uns einfach verdient, bei einer Top-Mannschaft. Wir haben eine gute Mentalität – wir brechen nicht zusammen. Das hat man gesehen. Wir haben wieder eine Reaktion gezeigt und das ist schön.

Frage: Jetzt geht es am nächsten Spieltag nach Mönchengladbach, gegen Ihren alten Verein. Freuen Sie sich auf diese Partie besonders?

Levels: Klar, gar keine Frage! Das wird mindestens genau so schwer wie gegen Schalke. Gladbach gibt ja gar keine Punkte mehr ab in letzter Zeit. (lacht) Das wollen wir dann mal ändern am Samstag.

Frage: Ist das Spiel für Sie auch so etwas wie eine Heimkehr?

Levels: Ich komme nach Hause, genauso ist es. Meine Freundin wohnt noch dort und auch mein erster Wohnsitz ist vom Papier her noch in Gladbach. Ich habe viele Freunde dort, auch im Verein und in der Mannschaft. Es wird sicher schön!

Frage: Aber Spielverderber für die Gladbacher wollen Sie trotzdem sein?

Levels: Mit Sicherheit!

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte