München - Seit er im August 2014 vom AS Rom zum FC Bayern München wechselte hatte Medhi Benatia immer wieder Pech mit Verletzungen. Nun ist er nach zwei Monaten wieder fit und angriffslustig. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Marokkaner über das Leistungsniveau seines Teams, warum die Münchner in dieser Saison noch stärker sind als 2014/15 und über die gelungene Integration von Kingsley Coman sowie das mögliche Comeback von Franck Ribéry.

  • "Mit Coman und Costa haben wir mehr Möglichkeiten"

  • "Wir bleiben seriös bis zum Schlusspfiff"

  • "Franck Ribery möchte unbedingt wieder angreifen"

bundesliga.de: Herr Benatia, nach dem ersten Spieltag und Ihrem Tor gegen den Hamburger SV sagten Sie, dass der FC Bayern München in dieser Saison stärker als in der vergangenen Saison sei. Fühlen Sie sich nun nach einem Drittel dieser Spielzeit bestätigt?

Medhi Benatia: Absolut. Wir haben ja spielerisch mehr Optionen als vor ein paar Monaten, insbesondere in Eins-gegen-Eins Situationen. Letzte Saison, als Franck Ribéry und Arjen Robben fehlten, war es nicht einfach, sich in solchen Situationen durchzusetzen. Aber mit Kingsley Coman und Douglas Costa haben wir jetzt mehr Möglichkeiten und wir sind dadurch noch unberechenbarer.

Weitere Themen zu Medhi Benatia

"Wir sind nie satt"

bundesliga.de: Wie würden Sie die größte Stärke dieser Bayern-Mannschaft definieren?

Benatia: Wir bleiben seriös bis zum Schlusspfiff: Das heißt, dass wir trotz hoher Führung immer weiter versuchen, noch ein Tor zu erzielen. Wir sind nie satt. Zum Beispiel haben wir zuletzt in der Champions League gegen Arsenal London bis zur 90. Minute nach vorne gespielt, ohne uns auszuruhen, obwohl die Partie längst entschieden war. Bei dieser Begegnung haben wir auch in ganz Europa ein Zeichen gesendet, und zwar, dass mit dem FC Bayern in diesem Wettbewerb zu rechnen ist. Ich hoffe nur, dass wir keine verletzten Spieler im März-April haben werden, in dieser entscheidenden Phase, und dass auch Franck (Ribéry) und Mario (Götze) wieder zurückkommen werden, damit wir dann die besten Chancen haben sehr weit zu kommen. Aber es ist klar, dass wir diesen Pott holen können, wenn wir dieses Niveau halten, denn dann ist es schwer uns zu schlagen.

bundesliga.de: Läuft es sogar momentan perfekt für Ihre Mannschaft?

Benatia: Perfektion gibt es im Fußball in meinen Augen nicht. Es gibt immer gewisse Dinge zu verbessern, zu optimieren, und wir arbeiten hart dafür, aber wir sind definitiv auf einem sehr guten Weg.

bundesliga.de: Und für Sie persönlich?

Benatia: Die Saison mit dem Treffer gegen den HSV bei der Saison-Eröffnung fing ja optimal an, und dann kam diese Muskel-Verletzung im Oberschenkel. Ich war insgesamt neun Wochen außer Gefecht. Gegen Arsenal und gegen den VfB Stuttgart bin ich eingewechselt worden. Ich finde immer besser meinen Rhythmus.

"Ribery ist auf einem guten Weg"

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die ersten Wochen von Kingsley Coman beim FC Bayern ein?

Benatia: Der Junge macht seine Sache klasse, trotz seines jungen Alters (19). Er ist spielerisch sehr stark, er bringt uns weiter. Er ist immer wieder in der Lage, für die entscheidende Spiel-Situation zu sorgen, weil er schnell spielt und auch überragend in seinen Dribblings ist. Er ist nach München gekommen ohne sich groß Fragen zu stellen. Er ist völlig unbekümmert. Der Coach schenkt ihm sein Vertrauen und man muss sagen, dass Kingsley dieses Vertrauen rechtfertigen konnte.

bundesliga.de: Sie kommen beide aus einem Vorort von Paris. Sind Sie für ihn eine Art großer Bruder, der ihm immer wieder Tipps gibt?

Benatia: Er braucht gar keine Tipps, weil er trotz seines jungen Alters schon sehr abgebrüht ist. Er ist sehr ruhig, aber er hört genau zu. Er ist besonders aufmerksam. Dementsprechend bin ich fest davon überzeugt, dass er viele Jahre in München bleiben wird.

bundesliga.de: Wie geht es Franck Ribéry?

Benatia: Ihm geht es immer besser. Er ist auf einem guten Weg. Er möchte unbedingt bald wieder angreifen. Er ist und bleibt ein sehr wichtiger Spieler für unsere Mannschaft. Ich denke, dass die schwerste Zeit mittlerweile hinter ihm liegt.

Das Interview führte Alexis Menuge