Dortmund - Mit einem Arbeitssieg über Leverkusen hat der BVB die Tabellenspitze verteidigt - auch dank Lukasz Piszczek. Zweikampfstark, lauffreudig, defensiv und offensiv mit starken Szenen - gegen Bayer 04 stellte der Rechtsverteidiger einmal mehr unter Beweis, warum er für die Dortmunder so wertvoll ist. Er verbuchte die meisten Ballkontakte seiner Elf und gewann die meisten Zweikämpfe auf dem Platz.

Im Anschluss sprach der polnische Nationalspieler mit bundesliga.de über einen herausragenden Torschützen und konzentrierte Defensivarbeit, über den Kampf mit den Bayern um die Meisterschale und den DFB-Pokal. Außerdem blickt Lukasz Piszczek voraus auf die nächste Partie der Dortmunder bei Hertha BSC - seinem alten Verein.

bundesliga.de: Lukasz Piszczek, was hat dem BVB mehr Probleme gemacht - das zum wiederholten Mal eisige Wetter oder doch der Gegner aus Leverkusen?

Lukasz Piszczek: Mit dem Wetter mussten beide Mannschaften klar kommen, aber Leverkusen ist ohne Zweifel eine sehr gute Mannschaft. Uns war klar, dass es keine einfache Aufgabe wird. Zum Glück haben wir das eine entscheidende Tor erzielt und die drei Punkte behalten.

bundesliga.de: Dank Shinji Kagawa, der bereits sein siebtes Saisontor erzielt hat.

Piszczek: Wir sind alle froh, dass er jetzt wieder der "alte" Shinji ist, wie wir ihn in seinem ersten Jahr beim BVB kennengelernt haben. Er ist wieder in der herausragenden Form der Hinrunde der letzten Saison. Das hat er gegen Leverkusen einmal mehr gezeigt und es freut mich für ihn, dass er dazu noch so ein super Tor gemacht hat.

bundesliga.de: Allzu viele Chancen gab es diesmal nicht. Waren Sie überrascht, dass Bayer über weite Strecken defensiv so sicher stand?

Piszczek: Leverkusen ist in einer Situation, in der sie auch jeden Punkt dringend brauchen. Gerade auswärts war zu erwarten, dass sie daher vor allem auf eine gute Defensive Wert legen und versuchen, kein Tor zu kassieren. Und sie verfügen hinten über entsprechende Qualität mit Spielern wie Friedrich, Reinartz oder jetzt auch Neuzugang Corluka. Uns war vor der Partie klar, dass man diese Qualität sehen wird. Und dass wir vor allem Geduld brauchen.

bundesliga.de: Entsprechend war es eher ein Arbeitssieg für den BVB.

Piszczek: Ja, das kann man so sagen. Aber wir müssen auch nicht jedes Mal ein Feuerwerk abbrennen. Das ist nicht nötig. Wir haben drei Punkte geholt, das alleine zählt.

bundesliga.de: Hatten Sie Sorge, dass in den letzten Minuten doch noch der Ausgleich fallen könnte?

Piszczek: Leverkusen hat natürlich auch offensiv einige gute Leute. Aber wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass sie über die gesamten 90 Minuten eigentlich kaum richtig große Chancen hatten. Wir haben selbst defensiv auch wieder sehr ordentlich gestanden und konzentriert gespielt. Wir wussten nach dem Tor, dass wir hinten nur die Null halten müssen, um die drei Punkte zu holen. Das ist uns gelungen.

bundesliga.de: Ist es mittlerweile auch ein Qualitätsmerkmal dieser Mannschaft, immer häufiger zu Null zu spielen?

Piszczek: Ich denke schon, dass dies etwas ist, was unsere Mannschaft auszeichnet. Wir haben auch in der vergangenen Saison nur wenige Tore kassiert. Da sich an unserer Defensivformation nicht viel verändert hat, sind wir miteinander sehr eingespielt. Wir verstehen uns gut und harmonieren gut zusammen. Das wirkt sich auf dem Platz aus.

bundesliga.de: Hat die Mannschaft in diesem Spiel mehr Druck gefühlt, weil es auch darum ging, die Tabellenspitze zu verteidigen?

Piszczek: Wir haben uns ganz normal auf das Spiel vorbereitet wie sonst auch. Natürlich ist es schön, wenn man auf Platz eins steht. Aber wir haben uns mit diesem ersten Platz wirklich nicht beschäftigt. Die Saison ist noch so lang. Da bleiben wir ganz ruhig! Der FC Bayern hat sehr viel Qualität, ist sehr stark und kann jedes Spiel gewinnen. Wir tun gut daran, uns nur auf uns zu konzentrieren - und auch in jedem Spiel drei Punkte zu holen.

bundesliga.de: Haben die Bayern denn wirklich mehr Qualität als der BVB?

Piszczek: Der FC Bayern hat die besten Spieler in Deutschland. Was unsere Mannschaft auszeichnet, ist das Verständnis untereinander. Ich weiß nicht, wie das bei den Bayern ist, aber bei uns ist das sehr gut. Und das sieht man dann auch auf dem Platz.

bundesliga.de: Am nächsten Wochenende muss der BVB zu Ihrem alten Verein nach Berlin, wo es einmal mehr sehr turbulent zugeht. Kann das für die Borussia ein Vorteil sein?

Piszczek: Auf keinen Fall! Für Hertha BSC wird es allerhöchste Zeit, Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Es wird ein schweres Spiel für uns - und für mich schon ein besonders emotionales Spiel. Mir tut es für die Berliner leid, was dort zurzeit passiert. Ich habe das selbst vor zwei Jahren miterlebt und ich hoffe sehr, dass es für die Hertha diesmal besser endet. Berlin hat eigentlich eine gute Mannschaft, aber nach der Trennung von Markus Babbel läuft es nicht mehr gut. Er hat dort gute Arbeit geleistet. Ich hoffe, Hertha bekommt die Kurve und gewinnt noch genügend Spiele. Aber erst nach dem nächsten Wochenende!

bundesliga.de: Ein Wort noch zum DFB-Pokal, in dem der BVB im Halbfinale bei Geruther Fürth antreten muss. Welchen Stellenwert hat der Pokal innerhalb der Mannschaft?

Piszczek: Hier ist der Pokal etwas ganz Besonderes. Das spürt man auch bei den anderen Spielern. In Polen ist das nicht so sehr der Fall, aber in Deutschland hat der Titel des Pokalsiegers eine besondere Bedeutung. Jetzt sind wir so weit gekommen, jetzt wollen wir auf jeden Fall auch zum Finale nach Berlin fahren! Und mit ein bisschen Glück schaffen wir das auch.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte