Bis auf den Hamburger SV sind alle Bundesligisten in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet. Coach Friedhelm Funkel lässt bei Eintracht Frankfurt seit Montag trainieren.

Noch sind nicht alle Profis dabei, die EURO-Teilnehmer haben selbstverständlich Urlaub. Welche Erkenntnisse Friedhelm Funkel aus der EURO zieht und auf welchen Positionen er seine Mannschaft noch verstärken möchte, erklärt der Eintracht-Coach im Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Welchen Eindruck macht die Mannschaft in den ersten Trainingseinheiten, Herr Funkel?

Friedhelm Funkel: Wir sind zurzeit noch eine kleine Truppe, weil noch die Spieler fehlen, die bei der EURO oder für ihre Nationalmannschaften gespielt haben. Aber der kleine Haufen, der mir zur Verfügung steht, trainiert sehr engagiert. Wir alle brennen auf die neue Saison.

bundesliga.de: Bei der EURO war die Eintracht mit vier Spielern vertreten. Martin Fenin (Tschechien) und Christoph Spycher (Schweiz) kamen nicht zum Einsatz, die Griechen Ioannis Amanatidis und Sotirios Kyrgiakos schieden in der Vorrunde aus. Müssen Sie die Spieler nach der Enttäuschung erstmal aufbauen?

Funkel: Nein. Die Spieler haben jetzt knapp vier Wochen Urlaub und können die eine oder andere Enttäuschung bei der EURO vergessen. Bald werden sie sich wieder darauf freuen, sich auf die neue Bundesliga-Saison vorbereiten zu können.

bundesliga.de: Wa sind Ihrer Meinung nach die Auffälligkeiten der EURO in Sachen Taktik und System?

Funkel: Es gab überhaupt nichts Neues. Es ist in verschiedenen Systemen gespielt worden - genauso wie bei der WM 2006 und in der Bundesliga auch. Es gab auch keinen überragenden Offensivfußball, wie ich es teilweise gelesen habe. Ich habe einige Spiele gesehen, in der die kompakte Defensive Vorrang hatte.

bundesliga.de: Frankfurter Medien kritisierten in der vergangenen Saison, dass die Eintracht häufig nur mit einer Spitze spielte. Deutschland kam bei der EURO mit einem 4-2-3-1-System ins Finale. Fühlen Sie sich bestätigt?

Funkel: Jede Mannschaft muss taktisch so spielen, wie es das Spielermaterial hergibt. Und es stimmt nicht, dass wir nur mit einer Spitze gespielt haben - wir hatten drei Spitzen! Aber die taktische Ausrichtung einer Mannschaft ist oft Auslegungssache. Entscheidend ist, wie sich die äußeren Spieler der Spitze in das vordere Spiel einbringen und dass sie häufig ins Zentrum und den Strafraum ziehen. Das Gleiche gilt für die offensiven Mittelfeldspieler. Wir spielen so, wie wir es für richtig halten und wie es unsere Spieler hergeben.

bundesliga.de: Eine Hiobsbotschaft gab es von Aleksandar Vasoski, der wegen einer Zyste in der Lunge operiert wurde. Er ist Innenverteidiger - wie Sotirios Kyrgiakos, dessen Vertrag ausgelaufen ist. Wird die Eintracht nochmal mit Kyrgiakos verhandeln?

Funkel: Nein, nein. Warum sollen wir uns um Kyrgiakos bemühen? Beide Seiten sind überein gekommen, dass eine Zusammenarbeit nicht mehr stattfindet. Wir haben mit Galindo, Chris und Russ drei sehr gute Innenverteidiger, einen würde ich aber noch gerne hinzu holen. Wir schauen uns in aller Ruhe nach einem Innenverteidiger um und haben keine Eile. (Mittlerweile hat Eintracht Frankfurt die Verpflichtung von Habib Bellaid bekannt gegeben, Anmerk. d. Red.)

bundesliga.de: Auf welchen Positionen sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Funkel: Im Sturm. Wir wollen aber nur jemanden verpflichten, der hundertprozentig zu uns passt - vom Anforderungsprofil und der taktischen Ausrichtung her. Das ist nicht so einfach. Aber wir haben ja noch bis 31. August Zeit.

bundesliga.de: Am Dienstag gab die DFL den Spielplan der neuen Saison bekannt. Die Eintracht eröffnet die Runde wie in der vergangenen Spielzeit vor heimischer Kulisse gegen Hertha. Danach stehen Auswärtsaufgaben in Köln und Wolfsburg an. Ein gutes Startprogramm?

Funkel: Wir sind nicht unzufrieden. Zwei Auswärtsspiele am Anfang sind zwar nicht angenehm, aber insgesamt sind wir mit dem Spielplan zufrieden.

bundesliga.de: Welches Saisonziel steckt sich die Eintracht?

Funkel: Das haben wir noch nicht festgelegt. Das werden wir machen, wenn unser Kader komplett ist.

Das Gespräch führte Thorsten Schaff