Nach einer Hinrunde, die alles andere als wunschgemäß verlief, haben die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg in der Winterpause einschneidende Veränderungen vorgenommen.

Unter anderem musste Coach Michael Oenning den Trainerstuhl räumen, Dieter Hecking übernahm für ihn. Daneben gab es tiefgreifende Veränderungen im Kader. Leistungsträger Peer Kluge zog es zu Schalke 04, dafür lockten die "Clubberer" die hoffnungsvollen FCB-Talente Breno und Andreas Ottl an den Valznerweiher. Im bundesliga.de-Interview spricht Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader über die Verpflichtung von Hecking, die Winter-Neuzugänge und das schwere Startprogramm.

bundesliga.de: Herr Bader, beim Club hat sich in der Winterpause personell sehr viel getan, wie sind Sie mit dem Verlauf der Pause zufrieden?

Martin Bader: Wir mussten zunächst einmal den Ergebnissen der Vorrunde Rechnung tragen und haben den Trainerwechsel vorgenommen, um auch die Hoffnung zu nähren, dass wir den Klassenerhalt noch schaffen werden. Nach dem Trainerwechsel haben wir dann auch noch im Kader nachgesteuert. Das hatten wir aber auch immer schon angekündigt, für den Fall, dass wir mit der Aufstiegsmannschaft nicht so viele Punkte holen, wie wir uns das vorgestellt haben. Mit den Trainingseindrücken aus der Vorbereitung und der Integration der beiden Neuen, bin ich bislang sehr zufrieden.

bundesliga.de: Die beiden Neuen, das sind Breno und Andreas Ottl vom FC Bayern. Wie ist es zu diesem Ausleihgeschäft gekommen?

Bader: Man guckt ja immer, es ist ein Teil des Geschäfts, sich zu informieren, welche Spieler für den 1. FC Nürnberg in Frage kommen. Als wir gemerkt haben, dass wir in der Defensive Bedarf haben, haben wir uns mehrere Optionen angeschaut. Zu den Verantwortlichen des FC Bayern hatten wir regelmäßig Kontakt und sind ins Gespräch gekommen, als wir gemerkt haben, dass auch von Bayern-Seite aus Interesse besteht, uns und den Spielern die Möglichkeit zu geben, die Ausleihe zu realisieren. Von da an haben wir es recht zügig über die Bühne gebracht.

bundesliga.de: Was erhoffen Sie sich von den Verstärkungen?

Bader: Wintertransfers sind grundsätzlich schwierig, weil es immer Fragezeichen gibt. Aber gerade bei den beiden Spielern ist die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr hoch, dass sie uns weiterhelfen. Bei Andreas Ottl merkt man direkt, dass er Verantwortung im Mittelfeld übernimmt. Das brauchen wir nach dem Abgang von Peer Kluge auch. Er kann in die Lücke sofort reinstoßen. Breno hat bei uns die Chance, aus der Rolle des Talents herauszuwachsen und zu zeigen, welche Qualitäten er besitzt. Bei uns bekommt er die Möglichkeit zu spielen, deshalb passt das auch sehr gut.

bundesliga.de: Für beide Vereine ist es also ein super Geschäft.

Bader: Dass die Vereine von den Ausleihgeschäften des FC Bayern - ich denke da mit Toni Kroos, Mats Hummels oder Philipp Lahm nur mal an drei Beispiele - profitieren, sieht man ja immer wieder. Das erhoffen wir uns natürlich auch. Zudem sollen natürlich auch der FC Bayern und die beiden Spieler davon profitieren.

bundesliga.de: Mit Peer Kluge haben Sie einen Spieler abgegeben, den Sie eigentlich halten wollten. Was hat letztlich den Ausschlag für den Wechsel gegeben?

Bader: Wir hatten gar kein Interesse, Peer abzugeben, denn wir brauchen ihn eigentlich. Irgendwann muss man aber auch das Gefühl dafür entwickeln, ob es sinnvoll ist, ihn zu halten. Zum einen ist da der wirtschaftliche Aspekt, denn die Hartnäckigkeit des FC Schalke 04 hat sich schließlich auch im Angebot ausgedrückt. Entscheidend für uns war aber, dass Peer Kluge mit einem halben Auge schon nach Gelsenkirchen geblickt hat. Und mit einem Spieler in den Abstiegskampf zu gehen, der womöglich einer vergebenen Chance nachtrauert, macht keinen Sinn. Wir haben über längere Zeit versucht, ihn dahingehend umzustimmen, dass er erst im Sommer wechselt, aber wir hatten keine Chance.

bundesliga.de: Planen sie in dieser Transferperiode noch, die Erträge aus dem Transfer von Peer Kluge in andere Spieler zu investieren?

Bader: Wir haben immer gesagt, dass wir bis zum 31. Januar die Augen offen halten und können uns gut vorstellen, bis dahin noch das ein oder andere zu machen.

bundesliga.de: Wie ist der Stand hinsichtlich der Verpflichtung von Testspieler Radoslav Zabavnik?

Bader: Wir haben einen sehr guten Eindruck von ihm, er macht im Training gut mit. Ob es aber zu einer Verpflichtung kommt, lassen wir mal dahingestellt, weil wir auf seiner Lieblingsposition - links oder rechts hinten - momentan nicht unsere Prioritäten sehen. Stand heute gehe ich davon aus, dass wir von der Verpflichtung Abstand nehmen.

bundesliga.de: Sie haben sich für Dieter Hecking als Nachfolger von Michael Oenning entschieden. Weshalb fiel die Wahl auf ihn?

Bader: Ich kenne den Dieter schon seit längerer Zeit. Er hat in Aachen und Hannover schon in der Bundesliga gearbeitet und kennt die Liga, war verfügbar und ist für unsere junge Mannschaft auch wichtig. Denn wir wollen unsere grundsätzliche Philosophie nicht verändern und auch weiterhin den Schwerpunkt auf junge Spieler setzen. Er gehört als Trainer auch zu den jüngeren, das passt. Jetzt hoffen wir, dass er mit Hilfe des ein oder anderen Transfers, durch seine Ansprachen oder auch durch ein Quäntchen Glück die zusätzlichen Prozente hebt, die es uns ermöglichen, die Punkte zu holen die wir brauchen, um die Klasse zu halten.

bundesliga.de: Eine der ersten Maßnahmen von Dieter Hecking war die Vorverlegung des Trainingsstarts um fünf Tage. War das die richtige Maßnahme?

Bader: Das war absolut die richtige Maßnahme und diese Möglichkeit hatten wir uns auch immer offen gehalten. Jeden Tag, den der Trainer mit der Mannschaft arbeiten kann, ist ein gewonnener Tag. Dieter Hecking dosiert das Training gut, wir haben im Trainingslager optimale Bedingungen und die Jungs sind auf einem guten Weg. Zudem haben wir keine Verletzten - momentan passt alles.

bundesliga.de: Die ersten vier Rückrundengegner haben es mit Schalke, Frankfurt und den direkten Konkurrenten Hannover und Stuttgart in sich. Wie viele Punkte erhoffen sie sich aus diesem Startprogramm?

Bader: Wir brauchen aus jedem Spiel so viele Punkte wie möglich, aber wir gehen nicht mit einem Masterplan rein. Wir haben uns abgewöhnt - und das auch der Mannschaft ins Stammbuch geschrieben - von Spiel zu Spiel Endspielszenarien zu kreieren. Wir haben jetzt noch 17 Mal die Möglichkeit, optimal Punkte zu holen. Am Ende der Saison sehen wir dann, wo wir stehen.

Das Gespräch führte Matthias Becker