Mainz - Christian Clemens hat tatsächlich keinen vergessen in der Aufzählung: Natürlich habe er mit Christian Wetklo, Roman Neustädter, Jan Kirchhoff, Christian Fuchs und Eric Choupo-Moting gesprochen, bevor er zum 1. FSV Mainz 05 gewechselt sei, erzählt der 23 Jahre alte Offensivspieler.

Seit diesem Dienstag trainiert Clemens bei Mainz 05, von wo aus in den letzten Jahren so viele Spieler zum FC Schalke 04 gewechselt sind, angezogen von der Aussicht auf Champions-League-Fußball. Nun geht Christian Clemens den umgekehrten Weg. Er ist von der Aussicht gelockt, endlich wieder regelmäßig von Beginn an zum Einsatz zu kommen. Das ist ihm in Schalke seit seinem Wechsel vom 1. FC Köln im Sommer 2013 nicht oft gelungen. Nun sagt er: "Ich glaube, Mainz ist genau die richtige Adresse für mich. Hier kann man sich als junger Spieler optimal weiterentwickeln."

"Hat nicht geklappt"

Für die nächsten anderthalb Jahre leiht der FSV den begabten Offensivmann von Schalke aus. Beide erhoffen sich viel voneinander. Die Verpflichtung von Clemens ist noch ein Nachhall des vergangenen Sommers. Schon damals war FSV-Manager Christian Heidel an diesem technisch begabten Spieler interessiert. Doch da wollte Schalke ihn noch nicht abgeben und auch Clemens gibt zu, dass er im Sommer sich noch einmal in Schalke beweisen wollte, nachdem er in der Rückrunde der vergangenen Saison verletzungsbedingt gefehlt hatte. "Hat nicht geklappt", sagt Clemens nun ehrlich und freut sich auf einen neuen Abschnitt in seiner Karriere, die für den ehemaligen U21-Nationalspieler seit seinem Wechsel nach Schalke stagnierte. Nun also ein neuer Anlauf in Mainz, das schon für viele junge Spieler eine gute Entwicklungsstation war. 

Die Mainzer können genau die Fähigkeiten gebrauchen, die Clemens auszeichnen. "Er ist mit seiner Dynamik und Schnelligkeit ein klassischer Außenspieler, der zudem über einen ausgezeichneten Schuss verfügt. Mit seinen Qualitäten ist er die von uns gesuchte Verstärkung", sagt Kasper Hjulmand, der Mainzer Trainer. Nach den Weggängen von Nicolai Müller und Eric Choupo-Moting vor dieser Saison fehlte den Nullfünfern in der Vorrunde auf den offensiven Außenbahnen Tempo und Torgefahr. Mit Clemens und dem nach tollem Start lange verletzten Jonas Hofmann kann Trainer Hjulmand in der Rückrunde auf diesen Positionen auf Qualitätssteigerung hoffen. Zudem stehen auch die lange verletzten Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger und Christoph Moritz in der Rückrunde wieder zur Verfügung.

Zugänge werden dringend benötigt

Und in Pierre Bengtsson holten die Mainzer einen schwedischen Nationalspieler vom dänischen Spitzenklub FC Kopenhagen, der in Deutschland auf den nächsten Karriereschritt hofft und den Konkurrenzkampf weiter anheizt. Die Mainzer können in der Offensive und auf der Linksverteidigerposition Zugänge gebrauchen, weil Torjäger Shinji Okazaki (Japan), Spielmacher Ja-Cheol Koo und Defensivallrounder Joo-Ho Park (Südkorea) voraussichtlich die gesamte Vorbereitung fehlen werden, weil sie in Australien bei der Asienmeisterschaft im Einsatz sein werden. Bislang verließen Mainz 05 im Winter in Philipp Wollscheid (Stoke City) und Julian Koch (St. Pauli) zwei Ergänzungsspieler den Klub.

Clemens, der bisher 77 Bundesliga- und 31 Zweitligaspiele absolviert und dabei insgesamt 13 Tore erzielt hat,  sagt, er könne "offensiv alles spielen". Und wenn es gelinge, aus den ersten drei Begegnungen gegen Paderborn, in Hannover und gegen Berlin sieben Punkte zu holen, werde eine gute Rückrunde gelingen. Da denkt einer positiv und freut sich auf die Bundesliga, in der die Mainzer ja mit nur zwei Punkten Vorsprung auf Relegationssrang 16 erstmal nach unten schauen müssen.

In den vergangenen anderthalb Jahren hat Christian Clemens gemerkt, dass einem Fußballer "etwas fehlt", wenn er nicht regelmäßig von Beginn an spielt. Er sagt: "Vor dem Spiel in der Kabine zu sitzen, sich gemeinsam auf das Spiel einzustimmen und dann in das volle Stadion einzulaufen – darauf freue ich mich am meisten." Die Konkurrenz in Mainz scheut er nicht, die gebe es überall, sagt er. Nun gilt es aber erstmal, das Trainingslager in der kommenden Woche in Marbella zu überstehen.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter