Köln - Nach dem Traumstart von RB Leipzig ziehen viele Medien bereits Vergleiche zu herausragenden Leistungen anderer Vereine in der Vergangenheit. Doch die interessieren die Protagonisten in Leipzig nur wenig. Im Interview mit bundesliga.de spricht RB-Verteidiger Willi Orban über den Höhenflug der Bullen, die Stärken der Mannschaft und Trainer Ralph Hasenhüttl.

bundesliga.de: Willi Orban, wir haben mal einen Blick auf die Tabelle der 2. Bundesliga der Saison 2015/16 geworfen. Wissen Sie noch, wo RB Leipzig vor einem Jahr stand?

Willi Orban: Wahrscheinlich nicht da, wo wir momentan stehen. (lacht)

bundesliga.de: Ganz genau. Im letzten Jahr hatte RB Leipzig 12 Punkte auf dem Konto und stand immerhin auf Platz 4. Nun haben die Bullen eine Klasse höher schon 15 Punkte gesammelt. Was ist in dem Jahr passiert? Wo liegen die gravierenden Unterschiede?

Orban: In erster Linie ist das Niveau der Gegner ein großer Unterschied. In der Bundesliga wird anders gespielt als in der 2. Bundesliga.

bundesliga.de: Tut sich die Mannschaft in der Bundesliga vielleicht sogar ein bisschen leichter, weil sie nicht mehr in jedem Spiel der große Favorit ist wie noch im Vorjahr?

Orban: Leichter ist das nicht. Wir freuen uns einfach alle riesig auf jedes Bundesliga-Spiel. Für viele von uns ist das immer noch Neuland, weil ein Großteil von uns noch nicht so viele Bundesliga-Partien bestritten haben. Wir gehen mit einer großen Vorfreude in jedes Spiel, wir sehen und spüren auch die Euphorie der Fans. Unser Spiel gegen Werder Bremen ist schon wieder ausverkauft. Wir machen es bislang insgesamt gut in der Bundesliga, wir machen es mit unserer Spielweise den Gegnern schwer. Und wenn man erfolgreich ist, sind der Spaß und die Spielfreude umso größer.

"Wir haben einen Superstart hingelegt"

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bundesliga.de: Es werden bereits die ersten Vergleiche gezogen, etwa zum 1. FC Kaiserslautern in der Saison 1997/98, der als Aufsteiger Meister wurde. Sie sind ja Pfälzer und haben als Fünfjähriger beim FCK 1997 angefangen, Fußball zu spielen. Haben Sie an dieses Fußballmärchen noch eigene Erinnerungen?

Orban: Ich kann mich daran erinnern, dass es eine ungewöhnliche Situation in Kaiserslautern war, weil nach dem Abstieg die Mannschaft komplett zusammengeblieben ist. An die Meisterschaftsfeier kann ich mich noch ein bisschen erinnern, aber da war ich noch ganz klein. Aber das kann man nicht mit heute vergleichen. Das war eine absolute Ausnahme. Ich glaube, nicht, dass noch einmal ein Aufsteiger direkt im Anschluss Deutscher Meister wird.

bundesliga.de: Dann gibt es die Parallele zu 1899 Hoffenheim, die vor acht Jahren als Aufsteiger unter dem Trainer Ralf Rangnick Herbstmeister wurde und die Liga aufgemischt hat. Erzählt der heutige Leipziger Sportdirektor Ralf Rangnick von diesen Zeiten?

Orban: Nein. Von diesen Vergleichen spricht bei uns niemand, auch wenn es für die Medien sicher ein interessantes Thema ist. Wir haben einen Superstart hingelegt und freuen uns über die gute Punkteausbeute. Wenn die ersten Phasen kommen, in denen Schwierigkeiten auftreten, wird man sehen, wie stabil wir wirklich sind. Momentan läuft es richtig gut, die Gegner tun sich sehr schwer gegen uns, weil wir sehr engagiert und diszipliniert spielen. Wir treten als Mannschaft geschlossen auf und tun gut daran, weiter hart zu arbeiten, unser Spiel weiter zu verfeinern und noch synchroner zu werden. Man wird sehen, wohin der Weg uns am Ende der Saison führt. Wir betrachten jedenfalls jede einzelne Partie für sich und denken auch nur von Spiel zu Spiel.

bundesliga.de: RB Leipzig schreibt nun seine eigene Bundesliga-Geschichte. Sie sind ein wichtiger Bestandteil davon und haben die Mannschaft zuletzt in Wolfsburg als Kapitän aufs Feld geführt. Sind Sie stolz auf Ihr Standing im Verein und Ihre eigene Entwicklung?

Orban: Ja. Insgesamt haben die Mannschaft und auch ich eine super Entwicklung genommen. Ich hatte bei meinem Wechsel von Kaiserslautern nach Leipzig eine klare Intention, Ralf Rangnick hat mich mit seiner Vision überzeugt. Mit dem Aufstieg ist sie schon ein Stück weit in Erfüllung gegangen. Das macht Lust auf mehr. Die Mannschaft ist hungrig, ich bin hungrig. Wir sind sehr ehrgeizig und versuchen, uns jeden Tag zu verbessern. Die Bundesliga ist eine Plattform, die richtig Spaß macht und einen immer wieder anspornt. Ihre Strahlkraft ist enorm. Und auch die Gegner sind etwas Besonderes. Die Bundesliga gehört zu den besten Ligen der Welt. Es ist toll, wenn man ein Teil davon sein kann.

"Hasenhüttl wirkt immer sehr authentisch"

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bundesliga.de: Wie ist der Übergang von Ralf Rangnick zum neuen Trainer Ralph Hasenhüttl gelaufen?

Orban: Es macht viel Spaß mit dem neuen Trainer. Er passt nicht nur taktisch hervorragend zu uns, weil er in Ingolstadt zuvor auch schon ähnlich hat spielen lassen. Dazu kommt, dass er als Mensch tolle Eigenschaften besitzt. Er wirkt immer sehr authentisch. Das gibt jedem Spieler ein gutes Gefühl. Wir gehen immer topvorbereitet in jedes Spiel. Wir müssen die Vorgaben dann "nur" noch umsetzen. Momentan klappt das super.

bundesliga.de: Das kann man wohl sagen. 15 Punkte aus den ersten sieben Spielen ohne Niederlage sprechen eine deutliche Sprache. Was hat sich die Mannschaft für die Saison vorgenommen? Was ist möglich?

Orban: Wir haben schon gemerkt, dass wir gegen jeden Gegner, gegen den wir bislang gespielt haben, nicht nur mithalten, sondern auch punkten können. Unser Ziel sollte sein, weiter so viele Spiele zu gewinnen wie möglich. Wir wollen uns mit guten Leistungen für den enormen Aufwand, den wir betreiben, belohnen. Vorgenommen haben wir uns zunächst eimal eine sorgenfreie Saison zuspielen. Aber es ist noch sehr früh in der Saison, es sind schließlich erst sieben Partien gespielt und Platz drei ist eine schöne Momentaufnahme. Nicht mehr und nicht weniger.

bundesliga.de: Der nächste Gegner ist Werder Bremen, eine Mannschaft, die mit vier Niederlagen in die Saison gestartet ist, aus den letzten drei Spielen aber sieben Punkte holte. Das dürfte auch für Leipzig eine Herausforderung werden?

Orban: Definitiv, gerade nach dem Trainerwechsel in Bremen. Man weiß ja, dass dadurch ein Umschwung und neue Kräfte entstehen können. Bremen hat gerade in der Offensive viele Spieler mit Qualität. Sie haben ein gutes Konterspiel. Wir müssen wieder diszipliniert arbeiten und extrem wachsam sein. Wir dürfen nicht nachlassen, sondern müssen noch eine Schippe drauf legen, um ein gutes Spiel zu machen und es dann optimaler Weise auch zu gewinnen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski