In den letzten Tagen vor Ende der Transferperiode hat der Hamburger SV noch einmal kräftig zugeschlagen. Nach dem Abgang von Nigel de Jong zu Manchester City verpflichteten die Hanseaten mit Mittelfeldspieler Albert Streit (von Schalke 04 ausgeliehen), dem dänischen Innenverteidiger Michael Gravgaard (vom FC Nantes ausgeliehen), dem niederländischen Torhüter Khalid Sinouh (zuletzt vereinslos) und dem französischen Mittelfeldakteur Mickael Tavares (Slavia Prag) gleich vier neue Spieler.

Normalerweise holen Vereine in diesem Ausmaß neue Kicker nur dann, wenn sie ums sportliche Überleben kämpfen. Nicht so der HSV. Der rangiert auf Platz 3 und macht sich nach dem 1:0-Sieg gegen Bayern München Hoffnungen auf die erste Deutsche Meisterschaft seit 1983. Auch in Pokal und UEFA-Cup ist der Club noch aussichtsreich vertreten.

Die HSV-Fans träumen nach dem gelungenen Rückrundenstart vom Titel. Nicht zu Unrecht, denn bei einem Vergleich der Meistertruppe von 1983 mit dem aktuellen Team von Trainer Martin Jol werden einige Parallelen deutlich. bundesliga.de hat sich auf Spurensuche begeben.

Eine starke Achse

Die Stützen der HSV-Meistermannschaften von 1982 und 1983 waren der überragende Torwart Uli Stein, der kompromisslose Vorstopper Dietmar Jakobs, der filigrane Außenverteidiger Manfred Kaltz, Spielmacher Felix Magath und Mittelstürmer Horst Hrubesch. Eine perfekte Mischung aus Technik, Kampfkraft und Durchsetzungsvermögen.

Auch in der HSV-Elf der Saison 2008/09 gibt es unantastbare Größen. Frank Rost ist im Tor unumstritten, Innenverteidiger Joris Mathijsen fehlte noch keine Minute. Kapitän David Jarolim organisiert das Mittelfeld, in dem Piotr Trochowski für die spielerischen Momente sorgt, das Sturmduo Mladen Petric und Ivica Olic trifft zuverlässig.

Der Torwart

Wie Uli Stein gehört auch Frank Rost seit über zehn Jahren zu den besten Keepern der Bundesliga. Beide Torhüter gelten als streitbar und als Typen, die offen ihre Meinung sagen. Das war sicher auch ein Grund dafür, dass beide den großen Durchbruch in der Nationalmannschaft nicht geschafft haben. Außerdem hatten beide das "Pech", eine unumstrittene Nummer 1 vor sich zu haben.

Stein brachte es auf lediglich sechs Länderspiele und kam nie an "Toni" Schumacher vorbei. Frank Rost stand immer im Schatten von Oliver Kahn und spielte nur vier Mal für Deutschland. Als Führungsspieler waren und sind sie im Verein dagegen nicht zu ersetzen.

Die Kopfballspezialisten

Horst Hrubesch trug nicht umsonst den Spitznamen "Kopfballungeheuer". Der HSV-Mittelstürmer der achtziger Jahre war 1982 mit 27 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga und mit 18 Toren auch an der Titelverteidigung ein Jahr später maßgeblich beteiligt.

Mladen Petric hat in dieser Saison bislang neun Mal geknipst, darunter sieben Kopfballtore. Das ist mit Abstand der Bestwert der Bundesliga.

Die ausländischen Trainer

Von 1981 bis 1987 trainierte der Österreicher Ernst Happel den HSV. Es war die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. Zwei Meisterschaften, ein Pokalsieg (1987) und zur Krönung der Gewinn des Europapokals der Landesmeister (1983) stehen zu Buche. Der Grantler aus Wien war seiner Zeit weit voraus und ließ schon damals ein laufintensives Pressing spielen, mit dem der Gegner brutal unter Druck gesetzt wurde.

Im Meisterjahr 1982 erzielte der HSV kaum fassbare 95 Tore, ein Jahr später auch noch 79 Treffer. In den beiden Jahren zwischen 1981 und 1983 verlor der HSV nur sesch Bundesliga-Spiele und stellte den bis heute geltenden Rekord von 36 Bundesliga-Partien ohne Niederlage auf. Happel gewann als Trainer Titel in Österreich, Belgien, Holland und Deutschland.
Mit der imposanten Titelsammlung Happels kann der Niederländer Martin Jol nicht konkurrieren. Ein Pokalsieg mit Roda Kerkrade steht zu Buche. Aber auch Jol liebt das Offensivspiel, das er auch schon als Trainer der Tottenham Hotspurs favorisierte.

Die Heimstärke

In den beiden letzten Meisterjahren 1982 und 1983 blieb der "Bundesliga-Dino" daheim ungeschlagen. Auch in dieser Saison hat der HSV noch kein Spiel verloren und acht Siege und ein Unentschieden geholt und gegen Top-Clubs wie Bremen, Dortmund, Leverkusen, Stuttgart und Bayern gewonnen.

Es spricht also einiges dafür, dass der Hambuger SV ein gewichtiges Wörtchen bei der Vergabe der Meisterschale mitreden dürfte, zumal die beiden noch vor den Hanseaten notierten Vereine, Hoffenheim und Hertha, noch beim HSV gastieren.

Tobias Gonscherowski