Leverkusen - Bayer Leverkusen hat auch auf die vierte Pflichtspielniederlage der Saison umgehend mit einem Sieg geantwortet. Nach dem bleiben die Rheinländer vier Punkte hinter Spitzenreiter Bayern München deren Verfolger Nummer 1. Eine turbulente Woche wurde so noch positiv zu Ende gebracht.

"Bundesliga und Champions League sind zwei verschiedene Paar Schuhe. International sind wir noch keine Topmannschaft, in der Bundesliga schon", brachte Gonzalo Castro die Erkenntnisse der vergangenen Tage auf den Punkt. Nach der 0:5-Lehrstunde gegen Manchester United zeigte die "Werkself" gegen einen allerdings auch sehr dankbaren Gegner eine Reaktion.

Wunden lecken, nächste Chancen nutzen



Die harmlosen Gäste aus Nürnberg brachten das Leverkusener Tor lediglich zweimal in ernsthaftere Gefahr, ansonsten dominierte Bayer 04 das Geschehen nach Belieben. Der Mannschaft von Sami Hyypiä gelang die Wiedergutmachung und stimmte die ohnehin wohlmeinenden Fans zufrieden.

"Es war gut, dass sofort das nächste Spiel anstand", war Kapitän Simon Rolfes erleichtert. "Donnerstag haben wir die Wunden geleckt. Freitag ging der Fokus schon auf Nürnberg. Zum Glück bekommt man immer sofort die nächste Chance. Die muss man nutzen. Es hilft nichts, sich einzugraben. Man muss raus, seinen Mann stehen und das Spiel gewinnen."

Das tat Leverkusen dank eines erneut überragenden Heung-Min Son, dem ein Doppelpack gelang, und Stefan Kießlings neuntem Saisontreffer. Der bereits wieder auf Platz zwei der Torjägerliste geführte beste Goalgetter der vergangenen Spielzeit ließ nach der souverän gelösten Pflichtaufgabe mächtig Dampf ab.

"Es war schwer, das Manchester-Spiel abzuhaken"



"Es war schwer, das Manchester-Spiel abzuhaken, weil von allen Seiten auf uns herumgehackt wurde", brodelte es in Stefan Kießling. "Wir wissen ja, dass wir absolut beschissen gespielt und eine Klatsche Zuhause bekommen haben. Aber lasst uns mal die letzten 18 Monate anschauen. Wir stehen nicht umsonst auf Platz 2. Wir haben guten Fußball gezeigt. Es kann nicht sein, dass ein schlechtes Spiel alles kaputt macht. Da sollten sich einige mal ein bisschen hinterfragen, wie man dann solche Dinge und Karikaturen heraushauen kann. Das hat die Mannschaft nicht verdient."

In der Tat gibt es an den Auftritten des Tabellen-Zweiten in der Bundesliga wenig auszusetzen. Gegen Nürnberg gelang Leverkusen der dritte Sieg in Folge, insgesamt hat Bayer 04 elf von 14 Bundesliga-Spielen gewonnen und jetzt bereits einen Punkt mehr auf dem Konto als nach der kompletten Hinrunde im Vorjahr. 15 Siege in 21 Pflichtspielen stehen zu Buche, die Zahlen sind beeindruckend.

Drei richtungsweisende Spiele



In den kommenden zehn Tagen stehen nun drei richtungsweisende Auswärtsspiele in Serie an. Erst geht es am Mittwoch im Pokal zum SC Freiburg, anschließend zum Bundesliga-Verfolgergipfel nach Dortmund und abschließend zum letzten Champions-League-Gruppenspiel nach San Sebastian. In zwei Wettbewerben droht bei einem Misserfolg das Aus, in der Meisterschaft der Verlust des 2. Platzes.

Umgekehrt kann Leverkusen in diesen Tagen auch sein ewiges Image widerlegen, in wichtigen Spielen meistens nicht die nötigen Resultate liefern zu können. "Gegen ManU haben wir nicht unser wahres Gesicht gezeigt", sagte Stefan Kießling nach dem Sieg gegen den "Club". Die Chance ist nun für Kießling, Rolfes, Bender & Co. groß, das zu bestätigen und die eigenen Ansprüche mit Ergebnissen zu unterstreichen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski