München - Zur Feier des Tages legte Thomas Müller noch eine flotte Sohle auf den Rasen. "Das war die Einlösung einer Wette", erklärte Müller seinen Torjubel nach seinem zweiten Treffer.

Überhaupt war das furiose 8:0 gegen den Hamburger SV Ausdruck der wiederentdeckten Leichtigkeit beim FC Bayern München - aber der nicht nur tänzerisch überzeugende Müller weiß auch um die Schnelllebigkeit solcher Momente.

Müller erstmals an vier Toren beteiligt

"Die Art und Weise wie wir gespielt haben, war wirklich gut", sagte der 25-Jährige. "Dass nicht in jedem Spiel ein 8:0 daraus wird, ist auch klar." Aber weil der überforderte HSV der stetig wachsenden Spiellaune der Bayern mit zunehmender Dauer immer weniger entgegenzusetzen hatte, feierten die Münchner im 100. Nord-Süd-Klassiker den höchsten Sieg gegen den Bundesliga-Dino.

Müller eröffnete in der 21. Minute mit einem verwandelten Handelfmeter das Torfestival. An vier weiteren Toren hatte der offensive Mittelfeldspieler seinen Anteil - für ihn eine Premiere in der Bundesliga, aber beileibe kein Grund zum Abheben. Schließlich habe man in den ersten drei Spielen der Rückrunde nicht so brillant gespielt, erinnerte Müller. Der in allen Belangen überzeugende Sieg sei dennoch ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.

Dabei vergisst der Tabellenführer keineswegs den Blick in den Rückspiegel. "Natürlich schauen wir auf unseren Verfolger Wolfsburg", sagte Müller (Tabelle). "Wir sehen es immer gerne, wenn er den einen oder anderen Punkt liegen lässt." Den Gefallen tat der VfL den Bayern allerdings nicht. Nach dem ebenfalls spektakulären 5:4-Sieg bei Bayer Leverkusen beträgt der Vorsprung aber nach wie vor komfortable acht Punkte.

Genießer Robben mahnt

Selbst ein 8:0 gibt eben nur drei Punkte, weswegen auch Arjen Robben um eine realistische Einschätzung des Ergebnisses bemüht war. "Wir dürfen nicht denken, dass alles wieder von alleine geht", sagte der Niederländer, dem gegen den HSV so ziemlich alles gelang - ein Traumtor in den Winkel zum 3:0 (36.) und sogar ein Tor mit dem schwächeren rechten Fuß (47.). "Solche Momente muss man genießen", gestand Robben hinterher.

Allein in den letzten zehn Bundesligaspielen traf er zehn Mal. Mit nun 14 Saisontoren zog der 31-Jährige in der Torjägerliste zudem mit Spitzenreiter Alexander Meier gleich. "Es läuft im Moment sehr gut. Ich bin physisch gut drauf und es macht mir Spaß", sagte Robben. "Aber es geht immer weiter und da geht noch mehr." Das Spiel gegen Hamburg sei dennoch gut für das Selbstvertrauen und die Zukunft gewesen.

"Dienstag geht es wieder von vorne los"

Die nähere Zukunft heißt erstmal Champions League. "Dienstag geht es wieder von vorne los", betonte Robben, der im Achtelfinal-Hinspiel gegen Schachtjor Donezk im ukrainischen Lwiw ein schweres Spiel erwartet.

Auch Mannschaftskollege Müller blickte umgehend auf die anstehende Aufgabe in der Königsklasse. "Jetzt konzentrieren wir uns auf Dienstag, denn das wird ein anderes Spiel werden", sagte Müller. Gegen ein erneutes Tor-Tänzchen hätte bei den Bayern aber sicher niemand etwas einzuwenden.

Aus München berichtet Maximilian Lotz