München - Immer mal wieder sind - oft mit einem leichten Schmunzeln - im deutschen Sprachgebrauch zahlreiche Redewendungen im Umlauf: von Vogel und Wurm ist da zum Beispiel die Rede, von geworfenen Waffen oder einem Aufgussgetränk, das man sich während der Wartezeit genehmigen soll. Besonders gerne werden um den Fußball Phrasen gedroschen oder Floskeln rausgehauen. Aber: Liegt nicht in jedem Sprichwort vielleicht auch ein Fünkchen Wahrheit?

Pünktlich nach dem Bundesliga-Auftakt hat bundesliga.de einen tiefen Blick in die Datenbank geworfen und nach den Lehren und Tendenzen des 1. Spieltags geforscht. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der FC Bayern wieder Meister wird? Könnten auch Verlierer vom Wochenende im Mai 2011 die Schale hochrecken? Wie stehen die Chancen für Hoffenheim, den ersten Tabellenführer? Welche Clubs schweben vom Start weg in Abstiegsgefahr?

"Der frühe Vogel fängt den Wurm"

Zum 4. Mal in ihrer Bundesliga-Geschichte starteten die Bayern mit einem 2:1 in die neue Spielzeit, Meister wurden sie anschließend erst einmal: 1996/97 gewannen die Münchner 2:1 auf St. Pauli, holten mit Giovanni Trapattoni zehn Monate später die Schale.

Gewinnt Bayern sein 1. Saisonspiel, liegt die Meisterwahrscheinlichkeit bei immerhin 60 Prozent! Im Falle eines Unentschiedens wären es nur 40 Prozent gewesen.

Verliert ein Club sein Auftaktspiel, liegt die Abstiegswahrscheinlichkeit bei immerhin 19 Prozent. Vor dieser Spielzeit sind 57 der 300 Teams, die am 1. Spieltag verloren haben, abgestiegen.

"Nicht die Flinte ins Korn werfen"

Erst sieben Teams wurden trotz einer Auftaktpleite Meister - damit liegt diese Wahrscheinlichkeit bei gerade einmal 2,3 Prozent.

Zuletzt schaffte das der VfB Stuttgart: Die Schwaben kassierten 2006/07 am 1. Spieltag zuhause eine 0:3-Pleite gegen den 1. FC Nürnberg, hielten am Saisonende trotzdem die Schale hoch.

1977/78 ging der 1. FC Köln zum Ligastart mit 1:5 bei Fortuna Düsseldorf Baden und wurde trotzdem noch Meister - in diesem Sinne ist das die größte "Aufholjagd" aller Zeiten.

Tabellenletzter nach dem Auftakt und trotzdem Titelträger - das schaffte nur der VfB Stuttgart 2006/07. Die Schwaben waren allerdings nicht ganz alleine im Keller, sie teilten sich die letzten beiden Plätze mit Alemannia Aachen (beide 0:3 Tore).

"Wie gewonnen, so zerronnen"

Nur fünf Mal in der Bundesliga-Geschichte wurde der Tabellenführer des Auftaktwochenendes am Ende auch Deutscher Meister (letztmals Bayern 2007/08), immerhin vier Mal ging es für den 1. Spitzenreiter am Ende aber sogar in die 2. Bundesliga (zuletzt Bielefeld 2002/03).

Die Meister-Wahrscheinlichkeit für den aktuellen Ligaprimus 1899 Hoffenheim liegt historisch gesehen also bei rund elf Prozent, die Abstiegswahrscheinlichkeit bei etwa neun Prozent.

Acht Mal feierten zudem Aufsteiger einen Auftaktsieg und sind trotzdem abgestiegen. Den FC St. Pauli ereilte dieses Schicksal 1977/78. Am 1. Spieltag gelang den Hamburgern ein 3:1 gegen Werder Bremen, am Saisonende waren sie aber Schlusslicht.

"Abwarten und Tee trinken"

Feierten Teams an den ersten beiden Spieltagen Siege, stieg die Meisterwahrscheinlichkeit auf 15 Prozent - und noch frappierender wirkt sich der zweiten Sieg auf die Abstiegsfrage aus: Nur drei Prozent der Clubs, die ihre ersten beiden Matches gewonnen haben, stiegen am Ende ab.

Als letzter der insgesamt drei Clubs, die trotz zweier Startsiege in die 2. Bundesliga mussten, trat der 1. FC Köln 2005/06 den Gang ins "Unterhaus" an - obwohl die "Geißböcke" zum Ligastart gegen Mainz (1:0) und in Stuttgart (3:2) gewannen.