Wenn schon ein Mann allein den Unterschied ausmacht, dann bitteschön richtig, mag sich Andrey Voronin gedacht haben.

Also nahm sich der Hertha-Stürmer, der schon die ersten beiden Berliner Treffer gegen den FC Energie Cottbus erzielt hatte, auf dem linken Flügel den Ball, marschierte mit spielerischer Leichtigkeit an jedem Gegenspieler vorbei, der sich ihm in den Weg stellte und krönte sein Solo mit einem platzierten Flachschuss ins lange Eck.

"Solche Tore schießt man eigentlich nur auf der Playstation", huldigte Teamkollege Maximilian Nicu dem Ukrainer nach dem Schlusspfiff.

Spieler des Spieltags

Voronin hatte sich das Lob fraglos verdient nach seinen drei Treffern beim 3:1-Sieg von Hertha BSC im Berlin-Brandenburg-Derby beim FC Energie Cottbus.

Das sahen auch die User von bundesliga.de so, die den Ukrainer zum Spieler des Spieltags wählten.

Von Leverkusen nach Liverpool

Dreht man das Rad der Zeit allerdings gerade einmal zwölf Monate zurück, dann landet man in einer etwas düsteren Episode der Voronin'schen Karriere.

Nach drei Bundesliga-Jahren bei Bayer 04 Leverkusen (92 Bundesliga-Spiele, 31 Tore) hatte der heute 29-Jährige 2007 den Sprung in die Premier League und zum ruhmreichen FC Liverpool gewagt.

Kein Stammspieler bei den "Reds"

An der Anfield Road konnte sich Voronin allerdings nicht wirklich durchsetzen. Fünf Treffer in 19 Ligaspielen waren nicht genug, um Werbung in eigener Sache zu machen.

Zudem ist Liverpool-Trainer Rafael Benitez dafür bekannt, gerne mit einer echten Spitze zu spielen - und da führte für Voronin kein Weg am Spanier Fernando Torres vorbei, der in seiner ersten Premier-League-Saison gleich 24 Mal einnetzte.

Dazu kam die ein oder andere Verletzung und die Verpflichtung des Iren Robbie Keane, und so war es fast schon logisch, dass der ukrainische Nationalspieler im Sommer 2008 einer Ausleihe zustimmte.

Durchwachsene Vorrunde

In seinem neuen "Heim" Olympiastadion lief es für Voronin zunächst auch eher durchwachsen. Zwar gelangen ihm in der Vorrunde die entscheidenden Tore zu den 1:0-Siegen in Leverkusen und gegen Hoffenheim, aber drei Treffer in 13 Spielen waren nicht eben überragend.

Umgerechnet netzte Herthas Nummer 11 alle 356 Minuten ein und traf mit 14 Prozent seiner nicht geblockten Schüsse.

Überragende Statistiken

In der Rückrunde dagegen hat Hertha plötzlich einen Weltklassestürmer unter Vertrag!

In sechs Bundesliga-Spielen hat Voronin sieben Tore geschossen, mehr als jeder andere Bundesligaspieler 2009, und alle 75 Minuten zappelte das Leder im Netz.

Dabei fanden 64 Prozent seiner nicht geblockten Schüsse den Weg ins Tor, mehr als bei jedem anderen Spieler.

Alles scheint möglich

Oder anders formuliert: Der Ukrainer würde im Moment wohl auch mit verbundenen Augen per Fallrückzieher von der Mittellinie das Tor treffen.

Vier Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz haben Voronins Treffer der "Alten Dame" schon beschert. Und wenn der 29-Jährige so weitermacht, wer weiß.

Der ein oder andere Hertha-Fan (oder Maximilian Nicu) wird es bestätigen können: Auf der Playstation hat die Hertha die Bundesliga bereits gewonnen.

Christof Greiner