Frankfurt - So richtig einordnen konnten die Frankfurter den Punkt beim Heimdebüt von Christoph Daum nicht. Erst die Endabrechnung wird zeigen, wie man dieses 1:1 gegen Bremen bewerten wird.

Daum selbst aber weiß, dass die Spiele immer weniger werden: "Wir haben keine Zeit, wir brauchen Punkte." Nur noch fünf Partien sind zu absolvieren, dann ist die Saison vorbei. Der 57-jährige wartet also weiter auf den ersten Sieg, seit er das Amt von Michael Skibbe übernommen hatte.

Das war vor drei Wochen und die Eintracht hatte gerade ihren ersten Sieg in dieser Rückrunde gegen den FC St. Pauli gefeiert. Mit Daum sollte neuer Schwung in die Bude kommen. Viele in Frankfurt sehen in diesem Bereich Fortschritte, und auch Daum sagt: "Es wächst was zusammen."

Frankfurt drückt und wird belohnt

Dass die Situation weiter heikel ist, ist aber bei der Eintracht jedem klar. Nur fünf Punkte stehen sie vor dem Relegationsplatz 16. Daum ärgerte sich über den verpassten Sieg, der den Torchancen zufolge auch möglich war.

Aber Eintracht-Torjäger Theofanis Gekas fand vier Mal seinen Meister in Werder-Torwart Tim Wiese: Vier Mal schoss Gekas aus kurzer Distanz, vier Mal hielt Wiese famos.

Doch nach Altintops unglücklichem Eigentor (58.) gab die Eintracht nie auf, Trainer Daum wechselte in der Schlussphase in Benjamin Köhler, Martin Fenin und Caio drei Offensivkräfte ein, die den Druck auf Wieses Tor noch einmal erhöhten. Dass Fenin in der 83. Minute nach einer Flanke von Sebastian Jung den Ausgleich köpfte, war der Lohn für die unermüdlichen Bemühungen.

Franz lobt die tolle Stimmung

Für Daum die Schlüsselszene war dabei der Einsatz von Marco Russ, der den Ball im Mittelfeld schon verloren zu haben schien - aber mit einem Kraftakt die Kugel dennoch zu Jung befördern konnte, und so den Ausgleich einleitete. "Der Punkt war wichtig für die Moral", sagte Eintracht-Innenverteidiger Maik Franz.

Die Mannschaft wurde mit Applaus von ihren Fans verabschiedet. "Man sieht schon einen Riesenunterschied in der Stimmung, nach dem Sieg gegen St. Pauli hatten wir hier eine ganz andere Stimmung", erinnerte sich Franz, der nach einem rüden Einsatz gegen Werder-Stürmer Denni Avdic nach dem Spiel in der Kritik stand. Avdic musste nach einem Ellbogenschlag von Franz mit einer Jochbeinprellung ausgewechselt werden (26.).

Neuer Trainer - neuer Schwung

Die Leistungssteigerung gegen Werder lässt in Frankfurt viele positiv nach vorne schauen. "Der Trainer lebt die Siegermentalität vor. Der Funke springt ein Stück über", meint beispielsweise Torhüter Ralf Fährmann, den Daum zur neuen Nummer Eins vor der Eintracht-Legende Oka Nikolov ernannt hatte.

"Wenn ein neuer Trainer kommt, kommt immer neuer Schwung", sagt Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler. Der Schweizer will aber nichts von Euphorie wissen. "Die beiden Punkte in Wolfsburg und gegen Bremen waren ein wichtiger Schritt", sagt er, warnt aber: "Am Schluss zählt es und dann können wir uns auf die Schulter klopfen und dem Trainer danken, aber nicht davor." Am nächsten Samstag schon geht es in Hoffenheim um wichtige drei Punkte.

Tobias Schächter